Management „Massenproduktion von 10-Euro-T-Shirts? Das macht hier keiner mehr“

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Arbeiterinnen in der Hemdenfabrik von Claus Sudhoff

Arbeiterinnen in der Hemdenfabrik von Claus Sudhoff © impulse

Auf den Philippinen ist die Textilindustrie eigentlich längst verschwunden. Anderswo in Asien sind die Löhne niedriger. Claus Sudhoff, 72, ist geblieben. Der Unternehmer produziert im Großraum Manila seit zwei Jahrzehnten Herrenhemden für Seidensticker und andere Traditionsmarken. Ein Interview.

Im Radio läuft WDR 4. Dank des Internets ist der Schlagersender auch 10 000 Kilometer von Deutschland entfernt zu empfangen. Im Büro des „Patriarchen“, wie sich Claus Sudhoff selbst nennt, fühlt sich der Besucher in eine andere Zeit versetzt. Von den Wänden lacht Helmut Kohl. Es sind Erinnerungsfotos, der Altkanzler und Sudhoff sind gute Bekannte.

impulse: Herr Sudhoff, freuen Sie sich schon auf das nächste Jahr?

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Claus Sudhoff: Ja, ganz sicher (lacht)! Dann fallen die Zölle für Bekleidungsexporte von den Philippinen in die Europäische Union weg. Das macht uns wieder etwas wettbewerbsfähiger im Vergleich zu anderen Standorten.

Früher war die Textilbranche ein wichtiger Industriezweig auf den Philippinen. Jetzt sind Sie als Hemdenfabrikant fast ein Exot.

In den 90-er Jahren war Bekleidung das wichtigste Exportgut. Das ist vorbei, was auch an der guten Entwicklung des Landes liegt. Die Löhne sind inzwischen um ein Vielfaches höher als in Vietnam zum Beispiel. Bei mir verdienen die Näherinnen im Schnitt 250 Dollar im Monat. Das ist im Vergleich recht hoch. Das funktioniert nur im höheren Segment. Wir stellen ja Qualitätshemden her, die in Deutschland so ab 70 Euro kosten. Massenproduktion von 10-Euro-T-Shirts? Das macht hier keiner mehr.

Trotzdem würde keine Modemarke offensiv mit dem Label „Made in the Philippines“ werben, oder?

Leider nicht, die Leute in Deutschland kennen ja den Unterschied nicht. Für die meisten Konsumenten klingt jedes asiatische Land nach Billigproduktion. Jeder denkt sofort an Bangladesch.

Unternehmer Claus Sudhoff in seiner Textilfabrik

Unternehmer Claus Sudhoff in seiner Textilfabrik ©fw

Ihre Fabrik wurde von der UNO in das Programm Global Compact aufgenommen, für das gewisse soziale Standards erfüllt sein müssen. Was bieten Sie Ihren 400 Arbeiterinnen?

Das fängt mit einem gesunden Mittagessen an, klimatisierte Arbeitsbedingungen und hört bei der Gesundheitsversorgung auf. Wir haben einen Betriebsarzt, der täglich vor Ort ist, behandelt und aufklärt über Krankheiten und Familienplanung.

Wie kommen Sie an Fachkräfte?

Viele bilden wir selbst aus, nach IHK-Standards. Am Ende der Ausbildung bekommt jeder Auszubildende, wenn er die Prüfung als Bekleidungsfertiger nach dem Bundesberufsausbildungsgesetz bestanden hat, einen Facharbeiterbrief. Solche Leute werden uns dann auch schnell mal abgeworben, aber andere arbeiten schon in der zweiten Generation bei uns.

Eine letzte Frage an den Unternehmer: Sie haben sich erst mit 49 Jahren selbständig gemacht. Warum?

Weil es nie zu spät ist. Es war immer mein Traum gewesen. Aber es fehlte immer an dem nötigen Kleingeld. Irgendwann musste ich ihn ja umsetzen. Und Sie sehen: Jetzt bin ich schon seit über 23 Jahren Unternehmer.

 

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