Unternehmen Max-Bahr-Baumärkte bald wieder in Familienhand?

Max-Bahr-Baumarkt: Die Krise des Praktiker-Konzerns hatte auch das Tochterunternehmen erfasst

Max-Bahr-Baumarkt: Die Krise des Praktiker-Konzerns hatte auch das Tochterunternehmen erfasst© Max Bahr

Das Konsortium um den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle und die Hellweg-Gruppe hat gute Aussichten, den Zuschlag für eine Übernahme der Baumarktkette zu bekommen. Die Hälfte der Jobs könnte damit erhalten bleiben.

Das Bieterkonsortium um den Hamburger Unternehmer Dirk Möhrle und die Dortmunder Baumarkt-Kette Hellweg soll die Märkte des insolventen Konkurrenten Max Bahr übernehmen. Es gebe noch keinen Zuschlag, doch würden mit Hellweg nun Schlussverhandlungen mit dem Ziel eines unterschriftsreifen Vertrags bis Ende Oktober geführt, hatte Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder mitgeteilt. Schröder ist für die 78 alten Bestandsmärkte des Unternehmens Max Bahr verantwortlich. Dort arbeiten rund 3600 Beschäftigte.

Der Kaufpreis wird auf über 100 Millionen Euro geschätzt. Offenbar ein gutes Geschäft. Nach Angaben des Wall Street Journal Deutschland wird in Finanzkreisen allein der Lagerbestand in den Filialen auf einen Wert von rund 200 Millionen Euro geschätzt. Die Bahr-Märkte sind ein Teil der insolventen Baumarktkette Praktiker mit rund 7000 Mitarbeitern. Die Hälfte der Belegschaft könnte mit der Übernahme durch Möhrle und Hellweg einen neuen Arbeitgeber finden.

Anzeige

Damit würde die Max-Bahr-Kette teilweise wieder Dirk Möhrle gehören, dem früheren Eigentümer und Ex-Chef von Max Bahr, der dem Vernehmen nach aber nicht ins operative Management der Kette einsteigen will. Sein Vater Peter Möhrle hatte die Baumarktkette gegründet und sie mit seinem Sohn zu einem der größten Baumarktunternehmen Deutschlands aufgebaut. Dirk Möhrle ist Minderheitseigner des Verlags Impulse Medien GmbH.

Bisher keine Lösung für 54 ehemalige Praktiker-Märkte

Das Dortmunder Familienunternehmen Hellweg steuert 92 Filialen in Deutschland und Österreich sowie 56 BayWa-Bau&Garten-Filialen in Süddeutschland. Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem die Gartencenter Augsburg mit sechs Standorten in Nordrhein-Westfalen. Hellweg beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter.

Der zweite verbliebene Bieter, die Supermarktkette Globus, geht damit leer aus. Offenbar konnte sich Globus mit den Eigentümern der Märkte nicht auf eine angemessene Miethöhe einigen. Erich Huwer, Geschäftsführer der Globus Fachmärkte, hatte in der Fachzeitschrift „Baumarktmanager“ die hohen Mieten als Hinderungsgrund für einen Kauf genannt. Eigentümer der Baumärkte ist faktisch die Royal Bank of Scotland. Sie ist der Hauptgläubiger des insolventen Immobilienfonds Moor Park.

Für die 54 ehemaligen Praktiker-Märkte mit 2800 Beschäftigten, die seit 2012 auf die Marke Max Bahr umgeflaggt wurden, gibt es hingegen noch keine Lösung. Sie sollten nach Möglichkeit gemeinsam mit den Stamm-Märkten von Max Bahr verkauft werden. Der Insolvenzverwalter Christopher Seagon, der für diese Märkte zuständig ist, verhandelt weiter mit Interessenten und will nun verstärkt Gepräche mit Interessenten führen, die nur einzelne oder mehrere Märkte übernehmen wollen. Gleichzeitig werde parallel auch der Ausverkauf für diese Märkte ab Ende nächster Woche vorbereitet, teilte Seagon mit.

Gläubiger der insolventen Praktiker AG gehen wohl leer aus

In den übrigen rund 180 ehemaligen Praktiker-Märkten sowie in sieben umgeflaggten Max-Bahr-Märkten läuft der Ausverkauf bereits seit Wochen und ist teilweise abgeschlossen. Sie sollen einzeln oder in kleineren Stückzahlen an Investoren übergeben werden.

Gläubiger der insolventen Praktiker AG, also der Konzernholding, werden ihr Geld mutmaßlich nicht wiedersehen. Aus der Insolvenzmasse seien nur noch die Verfahrenskosten gedeckt, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung des Anwalts der Anleihegläubiger. Weitere Verbindlichkeiten könnten nicht erfüllt werden. Der Anwalt gab bekannt, seine Arbeit daher vorläufig eingestellt zu haben. Die Unternehmensanleihe über 250 Millionen Euro wurde 2011 aufgelegt und sollte bis 2016 mit 5,875 Prozent verzinst werden; sie wurde aber seit Beginn der Insolvenz nicht mehr bedient. Gezeichnet wurde die Anleihe von Hedge-Fonds, institutionellen Investoren und Kleinanlegern.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...