Unternehmen Edwin Kohl: „Mein Bauchgefühl hat mich getrogen“

Edwin Kohl, 61, hat Kohlpharma zu Europas größtem Medikamentenimporteur mit Milliardenumsatz aufgebaut. Vor einem Engagement im Mobilfunk schreckte er zurück - darüber ärgert er sich bis heute.

Mobilcom kannte damals noch kein Mensch, als ich mich mit Gerhard Schmid traf, in einem Airport-Hotel in Luxemburg. Schmid brauchte Geld, um sein Unternehmen voran­zubringen, und bot mir an, bei Mobilcom einzusteigen. Ich hatte damals seit zwei, drei Jahren einen Service-Provider für gewerbliche Kunden aufgebaut, kannte mich also ein wenig aus im Mobilfunk. Und trotzdem habe ich das Angebot ausgeschlagen. Mein Bauchgefühl ließ mich zurückzucken.

Ich hatte Vorbehalte: Das ist nicht deine Kernkompetenz, worauf lässt du dich nur ein? Heute kann ich nur sagen: Mein Bauchgefühl hat mich getrogen. Als das Unternehmen Mobilcom 2000 an die Börse ging, hatte es einen furiosen Start. Das hat mich sehr getroffen – aus meinen 10 oder 20 Mio. DM hätte ich damals ein Vielfaches machen können.

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Dieses Zurückzucken aufgrund mangelnder Risikobereitschaft sehe ich als meinen größten Fehler. Ich hoffe, daraus gelernt zu haben. Es nützt nichts, als Schuster bei seinem Leisten zu bleiben. Man muss in andere, in neue Bereiche ­gehen. Die Welt und die Märkte wandeln sich permanent. Als Unternehmer muss man hierauf flexibel reagieren können. Deshalb bin ich auch bewusst risikobereiter geworden. Heute investiere ich in die Entwicklung eines Elektroautos, dessen Produktion jetzt anläuft. Und in Recycling, wo Polyethylen (PE)-Abfälle zurückverwandelt werden in Öl. Und in Cleantech. Wer unternehmerisch denkt und handelt, muss ins – kalkulierbare – Risiko gehen und die Nase in neue, Erfolg versprechende Geschäftsbereiche stecken. Auf die Gefahr hin, auf eben diese Nase zu fallen – was mir allerdings bisher noch nie passiert ist.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 08/2011.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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