Unternehmen Merkel will Autobranche Schützenhilfe bei CO2-Grenzwerten geben

Zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenig Ladestationen: Es gibt noch viele Probleme bei der Elektromobilität. Jetzt bekommen die Autobauer prominente Unterstützung. Kanzlerin Merkel will der Branche im CO2-Streit auf EU-Ebene helfen und sich für eine deutlich höhere Anrechnung von Elektroautos in der CO2-Bilanz einsetzen.

 

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Es ist nur eine Stippvisite, doch die Kanzlerin bringt eine gute Botschaft mit für die Autobranche. „Supercredits“ haben eine „super Bedeutung“ – auf diesen Satz haben die Top-Manager der Branche gewartet. Denn Merkel schlägt sich damit im Streit um CO2-Grenzwerte klar auf die Seite der deutschen Autoindustrie. Und ihre Aussage ist auch ein klarer Wink an die EU-Kommission, die in Gestalt von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas im Publikum in der ersten Reihe sitzt.

Denn wichtige Entscheidungen fallen in Brüssel. Auf EU-Ebene wird derzeit heftig um strengere Grenzwerte für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids (CO2) gerungen, bis Ende Juni soll es eine Lösung geben.

Dabei macht ein Begriff Karriere: die „Supercredits“, die Merkel erwähnt. Es geht im Kern um ein Bonussystem und um die Frage: Wie sehr, wieviele und bis wann können umweltfreundliche Fahrzeuge wie Elektroautos für die gesamte CO2-Bilanz der Hersteller angerechnet werden?

Branche fordert deutlich höhere Anrechnung

Die EU-Kommission hat einen Faktor 1,3 bei den Supercredits vorgeschlagen. Das ist der deutschen Autobranche aber viel zu wenig – sie möchte gerne einen Faktor 3, also eine deutlich höhere Anrechnung von E-Autos. Die Argumentation: Weil die deutschen Autobauer im Durchschnitt größere und deshalb auch schwerere Autos verkaufen als die europäische Konkurrenz, ist es für sie schwieriger, den CO2-Ausstoss zu senken. Deshalb müsse es gerade in schwierigen Zeiten wie der europäischen Absatzkrise mehr Anreize geben – die „Supercredits“. Und je höher die Anreize der Anrechung, desto mehr werde investiert.

Vor kurzem erst hatte der Chef des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, einen Brandbrief an die Kanzlerin geschrieben. Wissmann warnte: Über „willkürlich gesetzte“ Grenzwerte dürften die deutschen Oberklassehersteller nicht „kaputt“ reguliert werden – und bei BMW, Mercedes & Co arbeiteten schließlich 60 Prozent der Beschäftigten der gesamten deutschen Autoindustrie.

Merkel nimmt nun den Faden auf: Größere Autos seien der Innovationstreiber bei der Entwicklung in der Autoindustrie. Die „Wertschöpfungskette“dürfe nicht kaputt gemacht werden.

Durchschnittswert für CO2-Ausstoß soll sinken

Bisher müssen die Hersteller bis zum Jahr 2015 einen verbindlichen Flottendurchschnitt von 130 Gramm CO2 pro Kilometer für Neuwagen erreichen. Die Pläne Brüssels sehen nun vor, dass der Durchschnittswert bis 2020 auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer sinkt. Und der Umweltausschuss des Europaparlaments will darüber hinaus, dass bis 2025 Obergrenzen von 68 bis 78 Gramm CO2 pro Kilometer erreicht werden – das sind umgerechnet 3 Liter Verbrauch.

Grenzwerte über 2020 hinaus lehnt die Lobby zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen ab, bei den anderen Zielwerten kommen die „Supercredits“ins Spiel. Je nach Ausgang des Tauziehens in der EU könnte dies auch große Auswirkungen auf das Ziel der Bundesregierung haben, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.

Bisher gibt es nur ein paar Tausend Elektroautos. Sie sind wegen der hohen Batteriekosten noch vergleichsweise teurer, dazu kommen Probleme bei der Reichweite und der Lade-Infrastruktur. Selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche räumt am Montag ein: E-Autos hätten es noch „verdammt schwer“. Und auch er fordert „Supercredits“.

Zusammen mit Zetsche und anderen Autobossen schaut sich Merkel bei ihrem einstündigen Besuch des „Gipfels“noch ein paar E-Autos aus deutscher Fabrikation an sowie Batterien und Ladestationen. Sie habe viel gesehen, es gebe Fortschritte, sagt sie danach – und lobt die „Schaufenster“der Nationalen Plattform Elektromobilität in Deutschland, in denen E-Autos erprobt werden. Aber auch Merkel weiß: es braucht einen „langen Atem“.

 

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