IT+Technik Microsoft und Nokia wollen Smartphone-Supermacht Google stoppen

Nokia-Handys kommen inzwischen von Microsoft.

Nokia-Handys kommen inzwischen von Microsoft.© Nokia

Ist der Mobilfunk-Markt reif für die nächste Revolution? Neue Player wie chinesische Smartphone-Hersteller oder Betreiber von Online-Diensten dursten nach mehr. Aber auch der einstige Platzhirsch Nokia will sich gemeinsam mit Microsoft nicht so einfach geschlagen geben - und den Wandel anführen.

In der Mobilfunk-Branche bahnt sich ein neuer Kampf um Milliarden-Geldströme an. Derzeit geben Samsung, Apple und Google mit seinem Android-System den Ton im Geschäft an. Doch in ihrem Schatten sammeln sich Herausforderer, die den Status Quo aufbrechen wollen. Ihre Hoffnung: Mit Milliarden neuer Smartphone-Nutzer aus Entwicklungsländern werden die Karten neu gemischt.

Die Rechnung ist einfach: Derzeit gibt es rund 3,4 Milliarden Mobilfunk-Nutzer. Smartphones hat davon vielleicht jeder Zweite. Die Mehrheit der Weltbevölkerung hat kein Computer-Handy und noch nicht einmal einen Internet-Anschluss. Die Smartphones, die diese Menschen kaufen, werden die Gewichte in der Branche verschieben.

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Aktuell steht Googles Android auch in diesen Märkten wie Afrika in der Pole Position für das große Rennen. Asiatische Hersteller überfluten die Entwicklungsländer mit konkurrenzlos günstigen Android-Geräten. Getrieben von diesem Boom liefen im vergangenen Jahr vier von fünf verkauften Smartphones mit Android. Die Google-Software und das iOS-System von Apples iPhones lassen den restlichen Plattformen keine zehn Prozent Marktanteil übrig, eine Wende war bisher nicht in Sicht. Also „Game over“ für die Konkurrenz?

Was Nokia und Microsoft genau planen

Nicht so schnell, sagen jetzt Nokia und Microsoft. Die beiden Firmen mit großen Namen sind im Smartphone-Geschäft derzeit noch nicht über niedrige einstellige Marktanteilen heraus gekommen. Doch sie haben einen Plan, wie sie Google in den Wachstumsmärkten der Zukunft Paroli bieten können. Und ihre Hoffnungen ruhen dabei ausgerechnet auf Googles Wunderwaffe Android. Denn das Betriebssystem ist in seiner ursprünglicher Form frei und kostenlos und kann von jedem nach Belieben verändert werden. Dieser offene Charakter war auch der Grundstein für den steilen Aufstieg des System von Null zur Marktdominanz. Zugleich gibt es eine zweite Ebene für Hersteller, die Google-Dienste einbinden wollen.

Microsoft und Nokia nehmen sich jetzt diesen Android-Kern und ersetzen die Google-Dienste wie E-Mail, Karten oder Download-Plattformen durch eigene. Damit müssen sie sich keine Sorgen um die App-Vielfalt machen – nach Schätzung von Experten dürften drei Viertel der Android-Apps auf den Geräten der Serie Nokia X laufen.

Und der Clou sei, dass Nokia und Microsoft mit der Zeit auch anderen Android-Herstellern einen Wechsel zu ihren Diensten anbieten könnten, gibt Analyst Anshul Gupta vom Marktforscher Gartner zu bedenken. „Vorher müssen sie natürlich noch beweisen, dass ihr Ansatz funktioniert.“ Dann aber hätten sie vielleicht Chancen Unzufriedene in der Android-Welt einzusammeln.

Der größte Konkurrent: Samsung

Denn dort räumt vor allem ein Anbieter ab: Samsung. Von den Südkoreanern kommt rund jedes dritte Smartphone weltweit. Andere Anbieter wie HTC müssen sich mit kleinen Marktanteilen zufriedengeben, viele ringen um Profitabilität. Einige beklagen sich, dass Google den Herstellern inzwischen zu wenig Möglichkeiten einräume, sich von einander zu unterscheiden. Nokia hätte einen solchen Schritt vielleicht schon vor drei Jahren wagen müssen, kommentierte in Barcelona IDC-Marktforscher Francisco Jeronimo.

Auch wenn Nokia und Microsoft heute eher Winzlinge im Smartphone-Markt sind – die Mobilfunk-Industrie kann sich so schnell verändern wie kaum eine andere Branche. Vor sieben Jahren wurde das aus heutiger Sicht schwachbrüstige erste iPhone noch als Offenbarung bestaunt und wies zunächst den Weg für das Smartphone-Geschäft. Heute steckt in der neuen Computer-Uhr von Samsung ein mächtigerer Chip. Und der Firefox-Erfinder Mozilla stellt schon einfache Smartphones auf Basis seiner Software für nur 25 Dollar (18 Euro) in Aussicht. Und schließlich weiß Nokia aus eigener Erfahrung, wie schnell es bergab gehen kann: Der Einstige Weltmarktführer verpasste den Anschluss an Google, Samsung und Apple auch weil er sich seiner Spitzenposition zu sicher war.

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