Unternehmen Millionenstrafe für Sanitär-Kartell

Die Hersteller sollen über Jahre die Preise abgesprochen haben. Brüssel verhängt darum eine Strafe von über einer halben Milliarde Euro. Betroffen sind auch deutsche Traditionsfirmen. Anleger erfasst Panik.

Große Anbieter von Bad-Ausstattungen in Europa müssen für ein jahrelanges Preiskartell büßen. Die EU-Kommission verhängte gegen 17 Firmen, darunter die deutschen Hersteller Villeroy & Boch und Grohe, Geldbußen von insgesamt 622 Millionen Euro. Die Firmen hätten zwölf Jahre die Preise für Waschbecken, Badewannen oder Armaturen in Deutschland und fünf EU-Ländern abgesprochen. Damit hätten sie Bau- und Handwerksunternehmen mit überhöhten Preisen ebenso geschadet wie den Verbrauchern, sagte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Mittwoch in Brüssel.

Die höchste Strafe brummte die Kommission mit 326 Millionen Euro dem amerikanischen Hersteller Ideal Standard auf. Villeroy & Boch muss 71,5 Millionen Euro zahlen. Das Unternehmen will voraussichtlich Rechtsmittel einlegen und kündigte an, im Halbjahresabschluss eine Rückstellung zu bilden. Daraufhin brachen die Aktien um mehr als 20 Prozent ein. Grohe wurden knapp 55 Millionen Euro Geldstrafe auferlegt. Da das Düsseldorfer Unternehmen bei der Kartelluntersuchung mit der EU-Kommission kooperierte, erhielt es einen Straferlass von 30 Prozent.

Anzeige

Daneben gingen die deutschen Hersteller Duravit, Hansa, Kludi und Dornbracht den Wettbewerbshütern ins Netz. Auch Roca aus Spanien und Duscholux aus Österreich beteiligten sich neben Firmen aus Italien und Finnland zwischen 1992 und 2004 an den Absprachen. Über ihr rechtswidriges Vorgehen hätten sich die Firmen am Rande von Tagungen ihrer Branchenverbände verständigt, teilte die Kommission mit.

Straffrei ging der US-Anbieter Masco mit seinen Tochterunternehmen Hansgrohe und Hüppe aus, denn er hatte das Kartell bei den EU-Wettbewerbshütern verpfiffen. Bei fünf Unternehmen wurde die Strafe ermäßigt, weil sie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Die Kommission nannte dazu keine Namen. „Das Ziel der Wettbewerbsregeln ist nicht, die Zahl der Firmenpleiten zu erhöhen“, sagte Almunia. Doch dies dürfe nicht falsch verstanden werden. „Ich bin keineswegs nachsichtig, sondern knallhart gegenüber Kartellsündern.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...