Unternehmen Millionenverluste: Pflanzenparasit zerstört Kaffee-Anbaugebiete in Mittelamerika

Ein Rostpilz hat in Mittelamerika zahlreiche Kaffeepflanzen befallen. Experten rechnen mit Umsatzeinbußen in Millionenhöhe und dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze.

Marvin Corrales ist verzweifelt. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, sagt der Kleinbauer aus San Pedro de Pérez Zeledón in Costa Rica. Seine Kaffeepflanzen sind vom Rostpilz befallen. Der 51-Jährige rechnet damit, über die Hälfte seiner Ernte zu verlieren.

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In den Kaffeezonen Mittelamerikas geht die Angst um. Der Kaffeerost hat große Teile der Anbaugebiete zwischen Mexiko und Panama infiziert und zerstört zahlreiche Pflanzen. Nach Abgaben der Welternährungsorganisation (FAO) handelt es sich bei der gegenwärtigen Epidemie um den bislang schwersten Ausbruch der Seuche.

548 Millionen Dollar Verlust

Die Internationale Kaffee-Organisation (ICO) beziffert den bereits entstandenen Verlust auf rund 548 Millionen US-Dollar (418 Mio Euro). Für die Erntesaison 2012/2013 rechnet der Interessenverband mit dem Verlust von 437.000 Arbeitsplätzen, in der kommenden Saison könnten es sogar noch mehr werden.

„Der Rostpilz hat verheerende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen auf die Region“, sagt ICO-Geschäftsführer Mauricio Galindo. Mehr als zwei Millionen Menschen lebten dort direkt vom Kaffeeanbau. „Viele sind so arm, dass die Ernteausfälle lebensbedrohlich werden können“, sagt Galindo.

Erste Anzeichen des Kaffeerosts sind kleine gelbe Flecken auf der Unterseite der Blätter. Der Pilz schwächt die Pflanzen. Dann fallen die Blätter ab und die Kaffeefrucht ist schutzlos der Sonne ausgesetzt. In schweren Fällen stirbt die ganze Pflanze ab.

70 Prozent aller Kaffeepflanzen in Guatemala befallen

Die Regierung von Guatemala rief wegen der Plage im Februar den nationalen Notstand aus. Nach Angaben der Notenbank war Kaffee mit einem Volumen von 926 Millionen US-Dollar im vergangenen Jahr das zweitwichtigste Exportgut des Landes.

In Guatemala seien rund 70 Prozent aller Kaffeepflanzen von dem Rostpilz befallen und 2013 könnte die Ernte gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent einbrechen, schreiben die Analysten der FAO in ihrem jüngsten Bericht. In Nicaragua und El Salvador sind demnach etwa 40 Prozent der Pflanzen infiziert, in Honduras 25 Prozent und in Costa Rica 20 Prozent.

„So eine schwere Plage haben wir seit 1977 nicht mehr erlebt“, sagt der Vorsitzende des nicaraguanischen Bauernverbands, José Solórzano. „Es gibt weder nationale oder regionale Institutionen noch Techniken, die das Problem nachhaltig angehen.“

Gemeinsam mit den Regierungen der betroffenen Ländern wollen die Interessenverbände den Farmern nun mit technischer Unterstützung und finanzieller Hilfe im Kampf gegen den Pilz beistehen. Bei einer Konferenz in der vergangenen Woche in Guatemala wurden erste Schritte vereinbart.

Noch keine Auswirkung auf Weltmarktpreis

Auf den Weltmarktpreis für Kaffee hat sich die Rostpilz-Epidemie noch nicht ausgewirkt. Seit einer Preisspitze von mehr als drei Dollar für ein Pfund Rohkaffee im Jahr 2011 hat sich der Preis unter Schwankungen wieder abwärts entwickelt. Gegenwärtig liegt er leicht unterhalb von 1,40 Dollar und damit ungefähr auf dem langjährigen Normalniveau. Die betroffenen Länder seien zwar bekannt für hochwertige Rohkaffee-Qualitäten, hieß es bei Branchenexperten in Hamburg. Die größten Kaffeeproduzenten Brasilien und Vietnam seien aber nicht von der Pflanzenkrankheit betroffen. Auf die deutschen Verbraucherpreise habe die Seuche bislang keinen Einfluss.

Nach Ansicht der ICO sind massive Investitionen nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wir können den Pilz nicht ausrotten, wir können ihn nur kontrollieren“, sagt Geschäftsführer Galindo. Befallene Sträucher müssten gefällt und durch resistente Pflanzen ersetzt werden. Die noch gesunden Bestände müssten mit Fungiziden besprüht werden.

Das ist teuer und dürfte gerade arme Länder wie Honduras und El Salvador vor große Probleme stellen. Allerdings ist der Kaffee-Export für Mittelamerika einer der wichtigsten Devisenbringer. „Das dürfen wir nicht aus Spiel setzen“, sagt Galindo.

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