Unternehmen Mittelstand watscht Schwarz-Gelb ab

Kurz vor dem Treffen der deutschen Wirtschaftsverbände und Angela Merkel hagelt es Kritik aus dem Mittelstand: Die Koalition ist mit einem Vetrauensvorschuss gestartet und verliert nun an Glaubwürdigkeit.

Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur: „Wenn Schwarz-Gelb jetzt nicht bald durchstartet, und zwar geschlossen und in eine Richtung, dann können wir uns von dem durchaus realistischen Wachstumsziel von 1,8 oder 2 Prozent verabschieden“.

Ohoven sprach von einem „selbstzerstörerischen Gegeneinander“. Die Koalition sei mit einem großen Vertrauensvorschuss der Wirtschaft gestartet, doch inzwischen sei eine große Ernüchterung eingetreten.

Anzeige

Unternehmer brauchen Planungssicherheit

Besonders hart ging Ohoven mit der CSU des bayerischen
Ministerpräsidenten Horst Seehofer ins Gericht. „Was auf jeden Fall
psychologisch das absolut falsche Signal an die Wirtschaft vermittelt
hat, das war der ja fast schon obligatorische Protestschrei aus
Bayern“, sagte er. Die Unternehmer bräuchten Planungssicherheit und keine
Profilierung auf Kosten des Koalitionspartners um jeden Preis. In der
heftigen Debatte um Hartz-IV-Empfänger lobte Ohoven FDP-Chef Guido
Westerwelle für „den Mut, auf das Missverhältnis zwischen regulärem
Einkommen und Transferleistungen hinzuweisen“.

Arbeitgeberpräsident Hundt distanzierte sich von der Kritik
aus der Wirtschaft. „Ich beteilige mich nicht an einer generellen
Schelte der Bundesregierung, obwohl die Außendarstellung manchmal zu
wünschen übrig lässt“, sagte Hundt. Er verwies darauf, dass eine Wahlperiode „ungefähr 1500
Tage“ dauere. „Niemand würde auf die Idee kommen, einen
Mittelstreckenläufer, der 1500 Meter zu absolvieren hat, an seiner
Leistung auf den ersten 100 Metern zu messen.“

Treffen am Freitag

Zuvor hatte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel Union und FDP
Orientierungslosigkeit vorgeworfen. Es gebe handwerkliche Fehler,
wichtige Debatten würden „plakativ statt seriös“ geführt und es
herrsche ein Mangel an Glaubwürdigkeit, kritisierte Keitel. Der
Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, forderte die
Koalition auf, zur Sacharbeit zurückzukehren. Ähnlich äußerte sich
der Präsident der Familienunternehmer (ASU), Patrick Adenauer.

Merkel trifft sich an diesem Freitag in München mit Wirtschaftsführern.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...