Unternehmen Mittelständler verbessern ihre Bilanzqualität

Die kleineren und mittleren Firmen in Deutschland haben ihren Verschuldungsgrad weiter senken können. Das ergab eine Prüfung von mehr als 80.000 Bilanzen durch die Universität Münster. Der so genannte Bilanzqualitätsindex für den deutschen Mittelstand stieg von 99,7 Punkten in 2004 auf 114,4 Punkte in 2011.

Die mittelständischen Unternehmen haben innerhalb der vergangenen acht Jahre entscheidende Bilanzkennziffern verbessert. Die kleineren und mittleren Firmen konnten ihren Verschuldungsgrad weiter senken – auf den niedrigsten Stand seit 2004. Das ergab eine Prüfung von mehr als 80.000 Bilanzen durch die Universität Münster. Auftraggeber der Studie ist die WGZ-Bank.

Der so genannte Bilanzqualitätsindex für den deutschen Mittelstand lag in 2011 bei 114,4 Punkten, Tiefstand war in 2004 bei 99,7 Punkten. Zur Ermittlung des Bilanzqualitätsindexes haben die Fachleute die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität, den Gesamtkapitalumschlag, die Liquidität 2. Grades, und den dynamischen Verschuldungsgrad herangezogen.

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Als Grund geben die Autoren die schwungvolle Konjunktur an. Dabei gibt es allerdings recht deutliche Unterschiede was die verglichenen Branchen angeht. Die gute Auftragslage schlug sich vor allem beim Maschinenbau positiv nieder. Deutschlands Vorzeigebranche weist laut WGZ-Studie inzwischen die höchste Bilanzqualität aus, gefolgt von den Kfz-Zulieferern und den Kunststoffwarenherstellern. Schlusslicht der geprüften Branchen ist die Metallerzeugung. Die stärkste Aufwärtsentwicklung haben die Automobilzulieferer hingelegt. Lag der Bilanzqualitätsindex im Jahr 2004 noch bei 70 Punkten, 2011 auf 130 Punkten.

Deutsche Stahlindustrie litt unter rückläufigen Auftragseingängen

Nach einer negativen Vorjahresentwicklung konnten die Unternehmen des Baugewerbes sowie des Großhandels mit Baustoffen den Wirtschaftsaufschwung diesmal ebenfalls zur Optimierung ihrer Bilanzen nutzen. Die Indizes stiegen von 90 auf aktuell 102 Punkte bzw. von 100 auf 110 Punkte. Insbesondere die zu Jahresbeginn 2011 gut gefüllten Auftragsbücher waren Grund für diese Entwicklung. Die Umsätze des Baugewerbes wuchsen um 10,5 Prozent auf 90,6 Mrd. Euro. Dazu trugen vornehmlich der private Wohnungsbau und Wirtschaftsbau bei.

Abgeschwächt zeigten sich nach einer positiven Tendenz im Vorjahr die Metallerzeugung und die Energieversorger. Die deutsche Stahlindustrie litt unter rückläufigen Auftragseingängen, da Stahlhändler und -verarbeiter ihre Lagerbestände auf ein niedriges Niveau herunterfuhren. Sowohl bei den Unternehmen der Metallerzeugung als auch der Energieversorgung haben sich der Dynamische Verschuldungsgrad und die Liquiditätssituation verschlechtert. Auch der Facheinzelhandel konnte seine Bilanzen nicht weiter verbessern (aktuell: 106 Punkte, Vorjahr: 111 Punkte).

Die seit Jahren zu verzeichnende kontinuierliche Verbesserung der Eigenkapitalausstattung wurde zwar nicht fortgesetzt, bleibt jedoch auf hohem Niveau. Lag die Eigenkapitalquote im Jahr 2002 nur bei 17,4 Prozent, wurde 2010 erstmals die Marke von 30 Prozent übertroffen (31,2 Prozent). Aktuell beträgt die Eigenkapitalquote 30,3 Prozent. Der leichte Rückgang ist auf die Bilanzsummenerweiterung infolge fremdfinanzierter Investitionen zurückzuführen. Auch die Liquidität 2. Grades hat sich reduziert. Trotzdem bewegen sich beide Kennzahlen auf einem konstant hohen Niveau. Sie weisen den zweithöchsten Stand seit Beginn der Indexberechnung auf.

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