Unternehmen Möbelbranche profitiert von Eurokrise

Ein Möbelhersteller: Mehr als 30 Mrd. Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Möbel aus.

Ein Möbelhersteller: Mehr als 30 Mrd. Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Möbel aus.

Fürs Wohnen wird auch in Zeiten der Krise gern Geld ausgegeben: Die deutschen Möbelhersteller haben 2012 deutlich mehr Waren verkauft als ein Jahr zuvor. Vor allem in China sind Küchen und Co. „Made in Germany“ begehrt. Billigimporte aus Asien machen den Unternehmen aber das Leben schwer.

Die Eurokrise lässt die Kassen der deutschen Möbelbranche klingeln. „Die Branche profitiert von der Angst der Verbraucher um die Eurostabilität. Die Deutschen nehmen ihr Geld in die Hand und investieren in ihre Wohnungen, Häuser und Gärten“, stellte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM), Thomas Grothkopp, am Mittwoch in Köln fest. Auf der weltgrößten Möbelmesse IMM Cologne (14. bis 20.1.) zeigen dort in den nächsten Tagen mehr als 1250 Aussteller aus über 50 Ländern Neuheiten und Trends.

Mehr als 30 Mrd. Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Möbel aus. Das war ein Plus von gut zwei Prozent. Fast jedes zweite gekaufte Möbelstück stammte aus der Produktion heimischer Hersteller. Mehr als 500 meist mittelständische Betriebe stellen hierzulande Möbel her – mit regionalen Schwerpunkten in Ostwestfalen, aber auch in Baden-Württemberg und in Bayern.

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Zu den Rennern im Sortiment der deutschen Möbelhersteller zählen Kücheneinrichtungen, die sich als „German Kitchen“ etwa bei Kunden in China, Russland und den USA zunehmender Beliebtheit erfreuen. Bei der Einrichtung ganzer Neubau-Wohnblocks in China legten Investoren vielfach Wert auf den Einbau deutscher Küchen, berichtete Jan Kurth vom Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM). Während deutsche Kunden sich ihre neue Küche im Durchschnitt etwa 8000 bis 10.000 Euro kosten ließen, liege der Wert im Exportgeschäft mit China bei durchschnittlich rund 40.000 Euro. Aber auch Küchen im Wert von über 100.000 Euro seien dort keine Seltenheit.

Im Inland blieb der Absatz weitgehend stabilen, im europäischen Ausland verbuchten die deutschen Hersteller dagegen im vergangen Jahr Einbußen .

Mehr als 90.000 meist hochqualifizierte Mitarbeiter schrauben und sägen in der deutschen Möbelindustrie – etwa ebenso so viele Menschen beschäftigen die krisengeschüttelten deutschen Stahlhersteller. Weitere 100.000 Menschen sind in Deutschland im Möbelhandel beschäftigt.

In der deutschen Möbelindustrie werden qualifizierte Arbeitskräfte bereits zur Mangelware, wie Kurth berichtet. Allein im vergangenen Jahr seien dort 1300 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Nachwuchskräfte würden in einigen Berufen bereits dringend gesucht.

VDM-Expertin Ursula Geismann sieht auf dem deutschen Markt aber auch einen Trend zu zunehmend billigeren Möbeln. So konnten chinesische Möbelhersteller ihre Ausfuhren nach Deutschland im vergangenen Jahr deutlich steigern. Der deutsche Konsument könne heute so preiswerte Möbel kaufen, wie noch nie, sagt sie.

Aus Sicht der deutschen Hersteller beklagt VDM-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas dagegen einen immer aggressiveren Preiskampf. Schuld seien die Billigimporte aus Asien. Mit dem niedrigeren Preisniveau der Importware werde das gesamte Preisgefüge nach unten gezogen. Steigende Preise müssten deutsche Möbelkäufer derzeit nicht befürchten, hieß es.

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