Unternehmen Napster-Gründer starten Videodienst Airtime

Die Gründer der berüchtigten Musiktauschbörse gehen mit einem Konkurrenzprodukt zu Skype, Facetime und Hangout an den Start. Der Clou: Bei Airtime wird der Chatpartner ausgewürfelt - und könnte auch mal Jim Carrey oder Jessica Alba heißen.

Mit ein wenig Glück sitzt man auf einmal Alicia Keys gegenüber. Mit ein wenig Pech erscheint ein nackter Mann auf dem Bildschirm. Darüber entscheidet der Zufall, das Prinzip, nach dem der neue Videochat-Dienst Airtime funktioniert. User können sich über ihn nicht nur mit ihren Freunden verbinden, sondern auch die Maschine wählen lassen. Am Dienstag wurde das Programm in New York vorgestellt – und sorgte für einiges Aufsehen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg probierte es aus, auch Starts wie Jim Carrey, Jessica Alba oder eben Alicia Keys waren dabei.

Hinter Airtime stehen Napster-Gründer Shawn Fanning und der milliardenschwere Internet-Investor Sean Parker. Der Nutzer kann auswählen, ob er sich mit seinen Facebook-Freunden unterhalten will oder sich auf ein Videotelefonat mit einem Fremden einlässt. Die Gesprächspartner werden nach den Interessen des Nutzers ausgesucht, die er in seinem Facebook-Profil vermerkt hat.

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Das Prinzip ist nicht neu: Vor ein paar Jahren hatte ein russischer Dienst für Aufsehen gesorgt. Bei Chatroulette wurden die Gesprächspartner ausgewürfelt. Die anfangs populäre Idee scheiterte jedoch daran, dass zu viele männliche Nutzer mehr zeigten als andere Nutzer sehen wollten.

Um das zu verhindern, schlägt die Airtime-Software internen Alarm. Etwa wenn kein Gesicht im Bild zu sehen ist. Rund 100 Mitarbeiter überwachen die Bilder im Dienst, sagte Airtime-Manager Michael Polansky dem „Wall Street Journal“. Wer sich nicht benimmt, fliegt raus.

Airtime trifft auf einen hart umkämpften Markt. Der von Microsoft gekaufte Videotelefonie-Pionier Skype hat mehrere hundert Millionen Nutzer, Apple setzt auf den hauseigenen Dienst FaceTime, Google richtete in seinem Online-Netzwerk Google+ die sogenannten Hangouts ein, an denen auch mehrere Nutzer teilnehmen können. Auch Facebook, auf dem Airtime aufsetzt, hat einen eigenen Videochat. Dazu gibt es jede Menge kleinerer Konkurrenten.

Parker will nun etwa mit Werbeeinblendungen vor Chat-Beginn oder Spezialeffekten wie virtuellen Schnauzbärten Geld verdienen. Das Startup holte sich bisher 25 Mio. Dollar für die Entwicklung. Parker könnte es allerdings auch locker aus eigener Tasche finanzieren. Nachdem die Musikindustrie Napster schließlich schließen konnte, wurde er mit einem guten Gespür für Investitionen in Internet-Unternehmen reich. Allein sein Facebook-Anteil ist mehr als 1,5 Mrd. Dollar wert – auch nach den massiven Kursverlusten.

Die Präsentation in New York geriet jedoch zur Farce. Die Zuschauer sahen vor allem stockende Bilder, immer wieder brach die Verbindung ab. Ein smarter Google-Konkurrent sieht anders aus.

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