Unternehmen Online jagt klassischem Versandhandel erneut Umsatz ab

Das Online-Geschäft boomt weiterhin: 2012 machten die Versandhändler übers Internet fast 30 Prozent mehr Umsatz. Die Digitalisierung hat die Branche kräftig durcheinandergewirbelt. Konzerne wie Amazon machen heute längst mehr Umsatz als der Otto-Versand.

Zum Shoppen gehen viele Verbraucher gar nicht erst vor die Tür. Das Online-Geschäft mit Waren hat im vergangenen Jahr einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht und den Umsatz um 5,9 Mrd. Euro oder 27 Prozent auf 27,6 Mrd. Euro gesteigert, teilte der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) am Dienstag in Hamburg mit. Darin noch nicht enthalten seien Umsätze von 9,7 Mrd. Euro für digitale Güter wie Flug- und Bahntickets, Reisen und Eintrittskarten. „Es war für die gesamte Branche ein fantastisches Jahr, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Christoph Wenk-Fischer. Am meisten bestellt werden Kleidung, Computer und Elektronik aller Art und Bücher.

Im laufenden Jahr sei mit einer Umsatzsteigerung von 21 Prozent auf 33,5 Mrd. Euro zu rechnen. „Der E-Commerce ist für die Konsumenten längst ein alltägliches und sicheres Geschäft“, sagte Wenk-Fischer. „Wir sind mit Blick auf die Zukunft verheißungsvoll gestimmt.“ Mit sozialen Netzwerken und mobilen Geräten hätten sich zudem zwei Trends etabliert, die als Schnittstellen über verschiedene Medien hinweg wachsende Verwendung finden.

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Der Versandhandel von Waren im weitesten Sinne, also nicht allein über das Internet, erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 39,3 Mrd. Euro, das entspricht einem Plus von 15,6 Prozent. Der Anteil am gesamten Einzelhandel liegt damit bei 9,2 Prozent, das sind zwei Punkte mehr als noch vor fünf Jahren. „Der Kuchen wird nicht größer“, sagte Wenk-Fischer im Hinblick auf die stagnierenden Umsätze des Einzelhandels insgesamt. „Aber unser Anteil wächst von Jahr zu Jahr“. Ohne Lebensmittel und Dienstleistungen beträgt der Anteil des Versandhandels sogar mehr als 14 Prozent am gesamten Umsatz des Einzelhandels.

Die Digitalisierung des Handels hat die Branche kräftig durcheinandergewirbelt. Klassische Versandhändler konkurrieren mit stationären Einzelhändlern, die auch Waren über das Internet verschicken, E-Bay-Powerseller mit Herstellern, Kataloganbieter mit reinen Internet-Unternehmen. Für die Händler ist die Lage unübersichtlich und eine große Herausforderung. „Manche Kunden informieren sich im Internet und kaufen dann im Geschäft, andere scannen im Geschäft einen Barcode und kaufen dann im Internet“, erklärte der Geschäftsführer. „Spannende Wechselbeziehungen zwischen Stationärgeschäft, Web und Katalog kommen zum Tragen.“ Das müssten die Händler managen.

Beim Bick auf die Online-Umsätze zeigt sich, dass der weltweite Marktführer Amazon auch in Deutschland eine Führungsrolle übernommen hat und mit 6,8 Mrd. Euro Umsatz vorn liegt. Otto kommt auf Online-Umsätze von rund 3,4 Mrd. Euro, dazu kommen allerdings weitere Versandhandels-Umsätze außerhalb des Online-Bereichs. Diese beiden Großen machen schon mehr als ein Drittel des Marktvolumens aus; weitere starke Player sind die Verlagsgruppe Weltbild und Zalando. Ganz genau erfassen lässt sich die Branche nicht, weil nach Schätzung des Verbandes rund 25.000 kleine Händler von offiziellen Statistiken nicht erfasst werden. Durch das Netz hätten auch hoch spezialisierte Händler die Chance, ihre Kunden zu finden.

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