Unternehmen Opel beendet Autobau in Bochum

Opel stellt die Fahrzeugproduktion in seinem Werk in Bochum mit mehr als 3000 Beschäftigten in vier Jahren ein. Darüber informierte der Vorstand die Mitarbeiter in der Ruhrgebietsstadt am Montag.

Opel legt die Autoproduktion in Bochum wie erwartet 2016 still. Schon im Juli hatte der Opel-Vorstand angekündigt, dass es in Bochum keinen Nachfolger für den Familien-Van Zafira geben werde. „Trotz intensiver Anstrengungen müssen wir diese Planung heute bestätigen“, sagt Opel-Interimschef Thomas Sedran früh morgens auf einer Betriebsversammlung. Sedran spricht von einer dramatischen Marktlage, von viel zu hohen Produktionskapazitäten, die keine andere Entscheidung zulassen.

In ein paar Sätzen macht er den Arbeitern Mut, dass nicht alles aus sein wird, wenn in vier Jahren die Lichter erlöschen. Ein Logistikzentrum, eine Komponentenfertigung wolle der Konzern erhalten. Doch die Beschäftigten wissen selbst, dass nur ein Teil von ihnen dort unterkommen wird.

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Die Bekanntgabe der Schließung ist ein weiteres Signal, wie sehr sich die Lage bei Opel zugespitzt hat. Seit Jahren macht die europäische Tochter des US-Konzerns Verluste, die insgesamt in die Milliarden gehen. Der Anteil der ehemals bedeutenden Marke geht stetig zurück. In der 70er-Jahren kontrollierte Opel noch mehr als 20 Prozent des europäischen Automarkts und lag damit vor Volkswagen. Heute beträgt der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall nur noch 7,5 Prozent. Die Tendenz zeigt nach unten.

Eine Lösung ist schwierig. Opel zu verkaufen ist eine komplexe Aufgabe. Vor allem wegen der konzerneigenen Patente im Entwicklungszentrum Rüsselsheim, die dann ebenfalls den Besitzer wechseln müssten. Hoffnung schöpfte das Unternehmen aus der in diesem Jahr geschlossenen Allianz mit PSA Peugeot Citroen. Doch die Zusammenarbeit scheint zu stocken. Bis zum Jahresende wollten beide Seiten neue Details bekannt geben. Bislang ist das nicht geschehen.

Karl-Thomas Neumann steht kurz vor einem Wechsel nach Rüsselsheim

Das Interesse von PSA gilt dabe weniger Opel als vielmehr GM. Mit Hilfe des US-Autokonzerns will PSA auf den wichtigen Märkten Lateinamerikas und Asiens mehr als bisher Fuß fassen. Doch die Amerikaner denken nicht daran, einem neuen Rivalen den Weg dorthin zu bahnen. Schließlich haben sie die Marke Chevrolet im Sortiment – und die spricht ähnliche Käuferschichten an wie Peugeot und Citroen.

Wie immer wieder aus Konzernkreisen verlautet, spielt GM mit dem Gedanken, Opel und PSA als eine Art Bad Bank für Autos als Joint Venture auszulagern. Denn auch den Franzosen steht das Wasser bis zum Hals. PSA ist auf den Märkten Südeuropas stark. Also ausgerechnet dort, wo die Gefahren der Staatsschuldenkrise Neuwagenkäufer zum Sparen zwingen. Offiziell werden diese Pläne aber bestritten.

Im kommenden Jahr soll nun ein neuer Opel-Chef das Ruder rumreißen. Der ehemalige VW-Manager Karl-Thomas Neumann steht kurz vor einem Wechsel nach Rüsselsheim. Im Moment darf er noch nicht, weil er eine Wettbewerbssperre beachten muss. Außerdem fordert er dem Vernehmen nach mehr Einfluss im Mutterkonzern GM. Ob er den bekommt, ist so offen, wie das Schicksal von Opel.

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