Unternehmen „Operation Verführung“: Hollande umgarnt ausländische Unternehmer

Frankreichs Präsident Hollande im Élysée-Palast

Frankreichs Präsident Hollande im Élysée-Palast© Présidence de la République

Ein unflexibler Arbeitsmarkt, vergleichsweise hohe Abgaben und viel Bürokratie: Der Wirtschaftsstandort Frankreich steht international nicht besonders hoch im Kurs. Präsident Hollande versucht es jetzt mit einer Charmeoffensive gegenüber ausländischen Investoren.

Die jüngste Charmeoffensive des französischen Präsidenten François Hollande gilt keiner Frau, sondern Spitzenmanagern. Am Montag lud der Sozialist mehr als 30 andere ausländische Topmanager zu einem Treffen in den Élyséepalast. Ganz offen sollten die Gäste dabei Verbesserungsvorschläge für den Wirtschaftsstandort Frankreich machen können. „Operation Verführung“, hatten französische Medien das Treffen getauft.

Der Hintergedanke der Regierung war dabei klar. Frankreich sei bei weitem nicht so unattraktiv, wie in den vergangenen Monaten immer wieder kolportiert werde. Zudem seien weitere Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit geplant, sollte die Kernbotschaft an die Führungskräfte lauten, die über milliardenschwere Investitionen entscheiden. Er wolle sie künftig jedes halbe Jahr einladen, um seine Reformbemühungen bewerten zu lassen, kündigte Hollande an.

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Das Engagement des Präsidenten kommt nicht von ungefähr. Die Hoffnungen, dass ein deutliches Wirtschaftswachstum den Reformdruck abmildert, haben sich bislang nicht erfüllt. Die UN-Organisation UNCTAD veröffentlichte jüngst sogar Zahlen, nach denen die ausländischen Direktinvestitionen in Frankreich im vergangenen Jahr um 77 Prozent eingebrochen sind – während sie sich in Deutschland vervierfachten.

Was Hollande ändern will

Abhilfe erhofft sich die Regierung nun von altbekannten Mittel. Weniger Verwaltungsaufwand für Investoren, eine stärkere Unterstützung für ausländische Startup-Unternehmen und ein „Talent-Visum“ für besonders begabte oder hochqualifizierte Kräfte sind die Kernpunkte eines am Montag präsentierten Pakets.

„Wir haben keine Angst vor Kapital, das in Frankreich investiert wird, wir wollen uns nicht abschotten“, sagte Hollande vor den geladenen Unternehmern. Damit spielte er wohl auch auf die Vorwürfe aus dem vergangenen Jahr an. Damals hatte die französische Regierung öffentlich an der Zuverlässigkeit des US-Internetriesen Yahoo als Investor gezweifelt und dessen Kaufpläne für die Pariser Videoplattform Dailymotion blockiert.

BDI-Präsident Grillo: Reformversprechen müssen Taten folgen

Ob Treffen wie die am Montag wirklich die ganz großen Investitionen bringen, wird unterdessen bezweifelt. „Wir sind alle froh, dass es offensichtlich die Chance auf einen Kurswechsel in der französischen Wirtschafts- und Industriepolitik gibt, aber wir warten natürlich die Ergebnisse ab“, kommentierte bereits vor einigen Tagen der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Den jüngsten Reformversprechen müssten jetzt Taten folgen, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo.

Genau bei diesem Punkt sehen Hollande-Kritiker die großen Probleme. Bislang sei jeder Vorstoß, die Kosten der Arbeit zu senken oder die Sozialrechte zu lockern, sehr rasch wieder zurückgezogen worden, kommentierte die konservative Zeitung „Le Figaro“ am Montag mit Blick auf das starke linke Lager in Hollandes Regierungspartei PS.

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