Unternehmen Porsche-Holding erfindet sich neu

Neue Antriebskonzepte, Werkstoffe oder Energieerzeugung? Die Porsche Holding will die Milliarden aus dem Verkauf des Sportwagenherstellers Porsche AG anlegen. Im Fokus stehen strategische Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen.

 

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Die Frage bringt es auf den Punkt: „Macht der Name überhaupt noch Sinn?“, wunderte sich Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Dienstag auf der Hauptversammlung der Porsche SE in Leipzig. „Wir bauen keine Porsches mehr.“ Das ist richtig. Die Porsche Holding lebt seit Jahren rein von den Beteiligungen – nach dem Verkauf des Sportwagenherstellers Porsche AG im vergangenen Jahr hält sie noch die Mehrheit am Volkswagen-Konzern. Künftig sollen es noch mehr werden.

„Der Fokus liegt dabei auf strategischen Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen mit erfahrenem Management sowohl im Inland als auch im Ausland“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Porsche Holding, VW-Chef Martin Winterkorn. Derzeit würden geeignete Beteiligungsobjekte analysiert und geprüft.

Laut Satzung will Porsche sein Geld in naheliegende Bereiche wie Antriebskonzepte oder Werkstoffe stecken. Aber auch Energieerzeugung oder Datenverarbeitung sind Felder, in die Porsche möglicherweise vordringen will. Porsche wolle sein Kerninvestment Volkswagen „hochprofitabel und nachhaltig ergänzen“, sagte Winterkorn.

Geld ist genug da

Geld ist genug da: Nach dem Verkauf des Sportwagenherstellers Porsche an Volkswagen im vergangenen Jahr hatte die Porsche SE zuletzt 2,6 Milliarden Euro in der Kasse. Kredite wolle die Firma nicht aufnehmen, sagte der für die Beteiligungen zuständige Porsche-Vorstand Philipp von Hagen. Porsche zeichnet nach der VW-Übernahmeschlacht wieder das Bild vom soliden Unternehmer.

Gern zieht man die Parallele zur schwedischen Unternehmerfamilie Wallenberg. Sie kontrollieren über die Investmentgesellschaft Investor Anteile an Unternehmen wie Ericsson, Astrazeneca, ABB und der US-Börse Nasdaq und engagieren sich über Fondsgesellschaften wie EQT im Private-Equity-Geschäft.

Naheliegender ist der Vergleich mit der Familie Quandt. Quandt-Erbin Susanne Klatten sorgt als wichtiger Ankeraktionär bei BMW für Stabilität. Ihre Investmentfirma SKion ist zusammen mit BMW Großaktionär beim Wiesbadener Carbon-Hersteller SGL. Dessen Werkstoff wird für den Bau von leichteren, spritsparenderen Autos genutzt. Außerdem ist sie an dem Windanlagenbauer Nordex beteiligt – deren Windräder liefern grünen Strom für das BMW-Werk in Leipzig.

„Ein Quandt-Gegengewicht ist prinzipiell vorstellbar“, sagt Stefan Bratzel  von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Einfach nur den Einstieg bei SGL zu kopieren – wie zuletzt am Aktienmarkt spekuliert wurde, wäre aber zu unkreativ, findet Bratzel. Ohnehin ist VW bereits Teilhaber bei dem Carbon-Spezialisten. Seiner Einschätzung nach muss Porsche abseits des Tagesgeschäfts investieren. Das Thema Erneuerbare Energien hält er durchaus für interessant, genau wie Werkstoffe.

Bisheriges Ziel: ein bis zwei Investitionen in diesem Jahr

Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, sieht eher Sinn in neuen Technologien. Dazu gehören beispielsweise der Online-Vertrieb, der bei Neuwagen noch kaum stattfindet oder intelligente Autos, die via Mobilfunkchips kommunizieren. Ein Feld auf dem die Autohersteller mit den Telekom-Konzernen um die Vorherrschaft ringen.

Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt, der für Autokonzerne neue Modellgenerationen entwirft, wäre nach Einschätzung von Pieper eine klassische Anlage. Doch – auch die Chance ist längst ergriffen. Die Porsche AG beteiligte sich 2008 an dem schwäbischen Unternehmen.

Einfach wird es nicht, Anlageobjekte zu finden, sagt Bratzel: „Es macht schon ein bisschen Arbeit zu scannen, wer sind Kandidaten.“ Das scheint man auch bei Porsche zu merken. Hieß es zu Anfang des Jahres noch, Ziel sei es, dieses Jahr ein bis zwei Investitionen in einer Höhe von 100 bis 400 Millionen Euro zu finden. Ließen sich die Vorstände auf Hauptversammlung nicht auf konkrete Ansagen ein. „Wichtiger als eine schnelle Realisierung ist, dass die jeweilige Beteiligung unseren Vorstellungen entspricht“, sagte Winterkorn.

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