Unternehmen Porsche im Wandel: Geländewagen hängen Sportwagen ab

Der neue Porsche Macan feiert am 20. November in Los Angeles seine Premiere

Der neue Porsche Macan feiert am 20. November in Los Angeles seine Premiere© Porsche

Porsche steht für die meisten Menschen immer noch für reine Sportwagen. Doch längst baut der Stuttgarter Hersteller auch Limousinen und vor allem Geländewagen. Ein neuer, kleinerer SUV verschiebt die Gewichte endgültig.

Für Porsche ist es gar keine Frage, welche Art von Autos das Unternehmen baut: Sportwagen, und ausschließlich Sportwagen. Mal haben sie zwei Sitze, mal bieten sie den Komfort und Platz einer Limousine und mal geraten sie etwas höher und wuchtiger wie ein Geländewagen. Und doch, es bleiben Sportwagen. So zumindest die offizielle Sprachregelung.

Tatsächlich ist die Zeit, in der Porsche nur reine Sportwagen baute, längst vorbei. Die Einführung des Geländewagens Cayenne im Jahr 2002 markierte einen der tiefsten Einschnitte in der Firmengeschichte. Auf der Automesse in Los Angeles, die an diesem Mittwoch beginnt, stellt die VW-Tochter nun den kleineren Bruder
Macan offiziell vor. Spätestens jetzt geraten die Sportwagen mit der Ikone 911 – zumindest zahlenmäßig – in die Minderheit.

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Aufschrei in der Fangemeinde

Schon bei der Vorstellung des Cayenne gab es einen Aufschrei in der Porsche-Fangemeinde. Doch die Entscheidung für den Bau erwies sich als goldrichtig für die Stuttgarter: Der Cayenne wurde zum Verkaufsschlager.

Von den annähernd 120 000 Autos, die Porsche in den ersten neun Monaten diesen Jahres auslieferte, waren 63 000 Cayenne. Der Rest verteilte sich zu fast gleichen Teilen auf 911, den kleineren Sportflitzer Boxster/Cayman sowie die sportliche Limousine Panamera.

„Wenn sie den Cayenne nicht auf die Straße gebracht hätten, wäre das ein Problem gewesen“, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seiner Meinung nach dürfte auch der Macan dem Image Porsches als Sportwagenschmiede noch nicht schaden. Allerdings: „Irgendwann ist die Grenze erreicht, dann überdehnt man die Marke“, warnt Bratzel.

Große Konkurrenz für Jung-Porsche

Porsche-Vertriebsvorstand Bernhard Maier sieht das noch nicht: Schon in der Vergangenheit habe Porsche bewiesen, dass sich die Porsche-DNA und auf neue Baureihen übertragen lassen. Tatsächlich ist der Macan unverkennbar ein Porsche: mit den elliptischen Scheinwerfern, der nach vorne gebogenen Motorhaube und den ausladenden Heck-Kotflügeln. Den großen Frontgrill teilt sich das Modell sich mit seinem älteren Bruder Cayenne. Der Jung-Porsche tritt aber gegen die kleineren BMX X3, Audi Q5 und Mercedes GLK an.

Das allerdings könnte Porsches Traumrendite gefährden. Der kleinere Macan liegt in der Preisklasse deutlich unter dem Cayenne und anderen Porsche-Flitzern. „Denn natürlich wirft der Macan in diesem Fahrzeugsegment weniger ab als der Cayenne“, räumte Porsche-Chef Matthias Müller jüngst in einem Interview ein. „Es ist für uns somit harte Arbeit, dauerhaft unsere Mindestziele einer Umsatzrendite von 15 und einer Kapitalrendite von 21 Prozent zu erreichen.“ In diesem Jahr schmälern bereits die hohen Investitionen in die neue Produktion für den Macan den Gewinn.

Den niedrigeren Preis muss Porsche durch Menge ausgleichen. Der Macan solle der Marke Porsche helfen, das ursprünglich für 2018 anvisierte Absatzziel von rund 200.000 Wagen im Jahr schon zwei bis drei Jahre früher zu erreichen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller jüngst. In diesem Jahr will Porsche schon gut 150.000 Karossen verkaufen. Wenn die Produktion in Leipzig voll angelaufen ist, können jährlich 50 000 Macan gefertigt werden.

Ambitionierte Ziele in den USA

Etwa ein Drittel der Macans will Porsche in den USA verkaufen – der größte Markt der VW-Tochter gefolgt von China. Allerdings seien bei US-Kunden kompakte Geländewagen weniger gefragt als in Europa, warnt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen-Geislingen: „Da ist der Cayenne schon häufig zu klein.“

Ein wenig Neuland hat Porsche mit dem Macan vor sich: Mit der neuen Baureihe wolle man Märkte erschließen, in denen ein Händlerbetrieb bislang nicht profitabel gewesen sei, so Maier. Außerdem soll der Macan neue Kunden ansprechen. Familien in Städten beispielsweise, die den Wagen auch für Wochenendausflüge nutzen.

Der Macan wird dabei nicht der letzte Neuzugang in der Porsche-Familie sein. Firmenchef Müller spielt längst mit dem
Gedanken einer mittelgroßen Limousine unterhalb des Panamera und eines Ferrari-Konkurrenten oberhalb des 911. Eines ist dabei aber klar: Unter 50.000 Euro wird es hierzulande keinen Porsche geben – auch der Macan dürfte Experten zufolge mindestens soviel kosten. Ein Porsche bleibt eben doch ein Porsche.

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