Unternehmen PPR schmeißt Puma-Chef Koch raus

Franz Koch hält sich keine zwei Jahre an der Puma-Spitze. Der französische Großaktionär PPR trennt sich von dem 33-jährigen und greift bei dem schwächelnden Sportartikelkonzern durch.

Kaum ist der langjährige Puma-Chef Jochen Zeitz abgetreten, fällt auch sein Nachfolger Franz Koch. Der weltweit drittgrößte Sportartikelkonzern Puma teilte am Mittwoch mit, dass der erst Mitte 2011 an die Spitze der Geschäftsführung berufene 33-jährige Franz Koch „im beiderseitigen Einvernehmen“ Ende März kommenden Jahres wieder ausscheidet. Wer dann neuer Puma-Chef wird, ist noch offen. Es wird aber bereits deutlich, dass die Zeit der weitgehenden Eigenständigkeit für den deutschen Sportartikelkonzern zu Ende geht. Der 2007 eingestiegene französische Handels- und Luxusmarkenkonzern PPR verkündete, dass Puma nun in eine neue Phase seiner Unternehmensentwicklung eintrete. Angesichts dieser Herausforderungen werde auch die Topmanagement-Struktur verändert.

Die Ankündigung vom Abtritt Kochs kommt keine zwei Wochen, nachdem sein Vorgänger und langjähriger Puma-Chef Zeitz formal zum 1. Dezember sein Amt als Verwaltungsratsvorsitzender abgegeben hat. Damit verlor Koch indirekt eine schützende Hand. Vor allem Zeitz hatte Koch im Sommer 2011 selbst gegen interne Mitwettbewerber aus dem Vorstand als – seiner Ansicht nach – idealen Kandidaten herausgefiltert. Doch der Jungmanager Koch erbte von Zeitz nicht nur die Geschichte eines Unternehmensaufstiegs mit jahrelang zweistelligen Zuwachsraten aus der Beinahe-Pleite, sondern auch liegengebliebene Aufräumarbeiten und eine überfällige Strategieanpassung. Koch rückte Puma wieder etwas mehr in Richtung Sport und ging etwas auf Distanz zu einer zu modischen Ausrichtung. Das Umsteuern kostete Geld und war teuer. Zugleich war es für Koch eine Gratwanderung, weil er am Nimbus seines Vorgängers Zeitz kratzte. Der wiederholte immer wieder, dass er Koch nicht reinrede und freie Hand lasse. Inzwischen ist Zeitz weg.

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Hinzu kommt, dass die 2011 erfolgte Umwandlung von Puma in eine Europa-AG formal die Position von Koch schwächt. Er ist nämlich gegenüber dem mächtigen und weisungsbefugtem Verwaltungsrat weisungsgebunden. Er muss sich also reinreden lassen. Zeitz hingegen hatte in seinen Erfolgsjahren noch als ein klassischer Vorstand agiert und war formal kein Befehlsempfänger des damaligen Aufsichtsrates. In der neuen Struktur hat PPR jetzt Durchgriffsrechte auf die Puma-Führung.

Der neue Puma-Verwaltungsratschef Jean-Francois Palus hat bereits erklärt, dass Puma zwar eine fantastische Marke sei – aber die Ergebnisse seien keinesfalls fantastisch. Während der Adidas-Konzern mit seiner Kernmarke Adidas von Erfolg zu Erfolg eilt und nur bei der Marke Reebok mit Absatzproblemen kämpft, steckt Puma in einem tiefgreifenden Umbauprozess mit Stellenabbau, Ladenschließungen, Verkleinerung der Kollektion und Druck auf die Margen. Mit Rabattaktionen von teilweise 50 Prozent versucht Puma, den Absatz anzukurbeln. Der Strategieumbau kostet allein in diesem Jahr 80 Mio. Euro und schickt den Ertrag auf Talfahrt. Bei 2,5 Mrd. Euro Umsatz in den ersten neun Monaten blieben gerade noch 112 Mio. Euro Gewinn (minus 42 Prozent) übrig.

Offensichtlich traute der mächtige PPR-Konzern dem Jungmanager Koch den Umbauprozess nicht mehr zu oder es ging zu langsam. Offiziell wird verkündet, dass die Transformation des Unternehmens weiter forciert werde und „gezielt Produkt- und Marketinginnovationen“ gefördert würden. „Dabei werden wir auch in Zukunft die erforderlichen Ressourcen für die Weiterentwicklung der Marke bereitstellen, gleichzeitig aber auch ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufschlagen“, heißt es bei PPR.

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