Unternehmen Praktiker-Filialen werden zur Resterampe

Rund die Hälfte der Praktiker-Baumarktfilialen soll in Max Bahr umbenannt werden. Das Machtgefüge der Konzernmarken kehrt sich um.

Die Marke Praktiker könnte zu einem Auffangbecken für die Reste des schwachen Baumarktkonzerns verkommen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland zufolge soll die überwiegende Zahl der guten Filialen an die Schwestermarke Max Bahr abgegeben werden. „Der Anteil der Märkte, die umbenannt werden, könnte in der Größenordnung von 50 Prozent liegen“, sagte eine mit der Materie vertraute Person. Die Umbenennungswelle ist Teil eines neuen Konzepts, das der Aufsichtsrat am Sonntag genehmigt hatte, um an einen Kredit des Finanzinvestors Anchorage zu kommen. Investitionen sollen demnach vor allem in die künftigen Max-Bahr-Filialen fließen. Die Schließung unrentabler Praktiker-Filialen ist dagegen nicht mehr Teil des Konzepts.

Das Machtgefüge im Konzern wird damit zugunsten der 2006 gekauften Tochter Max Bahr umgekehrt, die stark wachsen wird. Die bisherige, ohnehin schon verlustreiche Kernmarke Praktiker wird durch den Verlust der starken und das Durchschleppen der schwachen Filialen dagegen gleich doppelt gebeutelt. Die bislang für die Abwicklung unrentabler Praktiker-Filialen eingeplanten 150 Mio. Euro sollen nun zu großen Teilen wegfallen.

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Die Verschiebung ist für den Investor Anchorage unproblematisch – er hat Max Bahr als Kreditsicherheit. Die Pläne bedeuten eine Umkehr im Vergleich zum bisherigen Konzept, das sich als nicht finanzierbar herausgestellt hat. Der bis vergangenen Sonntag als Firmenchef fungierende Sanierungsmanager Thomas Fox hatte die 234 deutschen Praktiker-Märkte nicht zu Max-Bahr-Vollsortimentern umbauen, sondern als modernisierte Discountmärkte positionieren wollen.

Eine Umbenennung hatte er abgelehnt, weil sich Lage, Größe und Beratungskompetenz der Mitarbeiter zwischen beiden Formaten zu stark unterscheiden und so nicht zuletzt die Marke Max Bahr mit ihren bisher 78 Filialen gefährdet werden würde.

Unklare Zukunft für Praktiker

Ein bereits seit einigen Wochen kursierendes Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger war dagegen zu dem Schluss gekommen, dass eine Umflaggung für den Konzern insgesamt Kunden bringen würde. Die Argumentation verfing schließlich auch bei der österreichischen Bank Semper Constantia und ihrem zyprischen Maseltov-Fonds, die der größte Aktionär bei Praktiker sind. Sie waren ursprünglich angetan von Fox‘ Konzept, wechselten aber vor einigen Wochen die Seiten.

Klar ist bisher, dass auf diese Weise zunächst weniger Geld fließen muss, unklar ist aber, wie viel es ist und wie es sich verteilt. Anchorage gewährt 85 Mio. Euro Kredit, weitere Mittel sollen aus einem zweiten Kredit und einer Kapitalerhöhung dazukommen. Das Geld soll nun „zum größten Teil“ an Max Bahr fließen, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Für die Marke Praktiker bedeutet das eine unklare Zukunft. Nach den neuen Plänen soll sie als Discountanbieter positioniert werden. Wie allerdings ohne wesentliche Investitionen wieder mehr Kunden in die Läden geholt werden sollen, ist bisher offen. „Das Konzept enthält da einige ziemlich optimistische Annahmen“, sagte eine involvierte Person. Praktiker und der Investor Anchorage wollten sich nicht äußern, Semper Constantia war nicht zu erreichen.

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