Finanzen + Vorsorge Prokon-Insolvenz lässt Anleger zittern

Ein Offshore-Windpark

Ein Offshore-Windpark© F. Schmidt - Fotolia.com

Knapp zwei Wochen dauerte der öffentlich inszenierte Überlebenskampf des Windanlagen-Finanzierers. Jetzt hat Prokon Insolvenz angemeldet. Die Folgen sind bislang kaum zu überblicken. Anlegern droht ein Totalverlust.

Es ist ein schwerer Schlag für Kleinanleger und Mitarbeiter: Nach mehreren Tagen der Unsicherheit hat der in Schieflage geratene Windanlagen-Finanzierer Prokon Insolvenz beim Amtsgericht Itzehoe angemeldet. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Durch die Insolvenz sind etwa 1300 Arbeitsplätze bedroht, davon etwa 330 am Firmensitz in Itzehoe. Der Schritt war erwartet worden, nachdem es Prokon-Chef Carsten Rodbertus nicht gelungen war, kurzfristig alle 75.000 Kapitalgeber zu mobilisieren und auf eine verlängerte Haltefrist für ihre Genussrechte zu verpflichten

Das Amtsgericht setzte den Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Dieser teilte am Mittwochabend mit, dass der Geschäftsbetrieb zunächst ohne Einschränkungen weiterläuft. Die bisherigen Ansprechpartner stünden Lieferanten und Kunden bei Prokon weiter zur Verfügung. Löhne und Gehälter der Mitarbeiter könnten bis einschließlich April 2014 aus dem Insolvenzgeld vorfinanziert werden.

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Genussrechte und hohe Zinsen

Für zehntausende Kleinanleger geht das Zittern unterdessen weiter. Sie hatten sich auf ein Geschäftsmodell eingelassen, dass relativ einfach klingt: Das Unternehmen baut Windkraftanlagen und andere Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, also langfristige Investitionsgüter. Das Geld dafür stammt nicht von Banken oder aus geschlossenen Fonds für Investoren, sondern Prokon verkauft Genussrechte, ein Mittelding zwischen Aktie und Anleihe. Dafür sicherte Prokon den Anlegern hohe Zinsen zu, mindestens sechs Prozent.

Die kurzfristige Finanzierung von langfristigen Investitionen ist aber eine wackelige Angelegenheit. Das ist etwa so, als würde ein Privatmann einen Hauskauf aus dem Dispo finanzieren. Es ist teurer und die Anleger können das Geld schnell abziehen. Genau das ist bei Prokon passiert; bis kein Geld mehr da war, um gekündigte Genussrechte zurückzuzahlen. Und auch nicht für Zinsen. Der Appell von Rodbertus an seine Anleger, ihr Geld im Unternehmen zu lassen, fiel so drängend und ruppig aus, dass die Verbraucherzentrale in Berlin dagegen eine einstweilige Verfügung beantragte – allerdings vergeblich.

Unternehmen erklärt: Insolvenz ist nicht das Aus für Prokon

Wie es nun für die Anleger und die 1300 Beschäftigten von Prokon weitergeht, ist noch nicht einzuschätzen. Hilfe von der Politik ist nicht zu erwarten, das haben Schleswig-Holsteins Regierung und die Fraktionen im Kieler Landtag gerade am Mittwoch einhellig klargemacht. Zunächst einmal nimmt der Hamburger Anwalt Dietmar Penzlin in Itzehoe als vorläufiger Insolvenzverwalter das Heft in die Hand. Er muss sehen, ob er die Finanzierung des Unternehmens auf eine solide Basis stellen kann, was die Anlagen wert sind und ob die Rückkehr in die Gewinnzone eine realistische Perspektive ist.

„Der Insolvenzantrag bedeutet keineswegs das Aus für Prokon“, schreibt das Unternehmen auf seiner Internet-Seite. „Wir werden unter Einbeziehung der Anregungen unserer Genussrechtsinhaber das Geschäftsmodell anpassen. Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden.“

Verbraucherschützer: Anlegern droht ein Totalverlust

Die Anleger können nicht viel mehr tun, als glauben und hoffen. An ihr Geld kommen sie vorerst nicht mehr heran. Insolvenzverwalter Penzlin betonte, dass Rückzahlungen von Genussscheinkapital oder Zinsen derzeit nicht möglich seien. Forderungen könnten erste angemeldet werden, wenn das Insolvenzverfahren später eröffnet werden sollte.

Allen Investoren mit Genussrechten droht theoretisch ein Totalverlust ihres Kapitals, da ihre Forderungen nachrangig behandelt werden. Darauf hatten Vebraucherschutzverbände hingewiesen. Weitere offene Forderungen – zum Beispiel von Banken, Lieferanten oder Sozialversicherungen – bestehen gegen das Unternehmen nicht, sagt Prokon. Das Insolvenzgericht muss nun entscheiden, ob es ein Insolvenzverfahren eröffnet oder den Antrag ablehnt. Und das kann Monate dauern.

 

Genussscheine:Die auch von Prokon ausgegebenen Genussscheine sind Wertpapiere, die eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen haben. Unternehmen kommen an Kapital, der Käufer der Genussrechte erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt. Im Gegensatz zum Aktienbesitzer hat der Inhaber von Genussscheinen kein Mitspracherecht bei der Firma. Geht sie pleite und wird abgewickelt, werden Genussscheine erst nach den anderen Forderungen bedient. Es besteht also die Gefahr des Totalverlusts. Genussscheine sind risikoreicher als andere Wertpapiere, die Zinssätze deshalb gemeinhin höher.

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