Unternehmen Recht auf Unerreichbarkeit: Neue Regeln bei BMW

E-Mail-Flut nach Dienstschluss. Bei vielen Arbeitnehmern füllen berufliche Mails auch in ihrer Freizeit die Postfächer.

E-Mail-Flut nach Dienstschluss. Bei vielen Arbeitnehmern füllen berufliche Mails auch in ihrer Freizeit die Postfächer.© Tanusha - Fotolia.com

Dienstliche Anrufe nach Feierabend, Mails am Wochenende: Wer bei BMW in der Freizeit Jobkorrespondenzen liest, kann sich jetzt die Zeit gutschreiben lassen. Immer mehr Unternehmen ziehen inzwischen Grenzen bei der Erreichbarkeit via Handy und E-Mail.

BMW-Büromitarbeiter in Deutschland haben jetzt ein Recht auf Unerreichbarkeit nach Feierabend. Der Autohersteller habe mit dem Betriebsrat eine entsprechende Betriebsvereinbarung geschlossen, sagte ein Konzernsprecher am Sonntag in München und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Die Vereinbarung erlaube flexible Arbeit, auch von zuhause. Auf der anderen Seite könnten Mitarbeiter individuell Zeiten festlegen, in denen sie nicht erreichbar seien.

BMW habe versucht, die Vorteile flexibler Arbeit zu erhalten, aber die Vereinbarkeit mit dem Privatleben zu verbessern, erklärte BMW-Sprecher Jochen Frey. Die im Dezember geschlossene Vereinbarung sei inzwischen an allen deutschen Standorten in Kraft und gelte für die Hälfte der 79.000 Mitarbeiter – zum Beispiel Verwaltungsangestellte oder Entwicklungsmitarbeiter. Betriebsratschef Manfred Schoch sagte dem „Spiegel“, die Beschäftigten könnten mit ihren Vorgesetzten Zeiten vereinbaren, in denen sie grundsätzlich nicht erreichbar seien. Es werde „ein Recht auf Unerreichbarkeit“ verankert.

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Angestellte in der Verwaltung, der Entwicklung und anderen Abteilungen, die abends oder am Wochenende mehrere Stunden zu Hause und unterwegs an Smartphone und Laptop arbeiten, können künftig diese Überstunden geltend machen und dafür an anderen Tagen weniger arbeiten.

Auch andere Unternehmen verordnen eine Funkstille nach Feierabend

Auch andere Unternehmen versuchen schon, ihren Beschäftigten nach Feierabend auf die ein oder andere Weise Funkstille zu verordnen, beispielsweise Volkswagen oder die Telekom. Bei der Telekom haben sich alle leitenden Angestellten verpflichtet, ihren Mitarbeitern nach Dienstschluss, am Wochenende und im Urlaub keine Mails hinterher zu schicken.

Im Volkswagen-Konzern gibt das Smartphone nach Feierabend bei immer mehr Mitarbeitern weitgehend Ruhe. Der Mail-Server für die mobilen Geräte leitet außerhalb der Kernarbeitszeiten keine Nachrichten mehr weiter. In Randzeiten, am Wochenende und an Feiertagen werden dadurch mittlerweile 3500 Beschäftigte, zum Beispiel Ingenieure und Entwickler, von dienstlichen E-Mails verschont.

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