Unternehmen Recht & Steuern im Nachfolgefall

Wer ein Unternehmen weitergeben will, sollte sicher sein, dass seine Nachfolger was vom Geschäft verstehen. Ebenso wichtig ist es aber, Erbrecht und Steuerfragen zu beachten. Nur dann ist die Firma abgesichert, der Junior handlungsfähig und auch der eigene Ruhestand finanziert. impulse.de liefert die wichtigsten Tipps.

 

Betrieb gegen Rente

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Wollen die Eltern über den Betrieb die eigene Altersversorgung sichern, übertragen sie die Firma an Sohn oder Tochter. Dafür zahlt der Nachwuchs ihnen eine lebenslängliche Rente. Für dieses Geld müssen sie zwar Einkommensteuer zahlen, doch der Nachfolger kann seine Zahlungen komplett als Sonderausgaben vom Einkommen abziehen. Für die Familie insgesamt ist das ein gutes Geschäft.

Übertragen und Weitermachen

Wollen die Unternehmer-Eltern alle Steuervergünstigungen nutzen und dennoch das Sagen über ihr verschenktes Eigentum behalten, knüpfen sie an die Übertragung des Betriebs den Vorbehalt des Nießbrauchs. Das bedeutet, dass die Kinder zwar formal Eigentümer werden, aber die Alten bestimmen weiterhin. Sie kassieren zudem weiterhin den Gewinn aus der Firma. Die Kinder können ihren neuen Besitz auch nicht einfach verkaufen. Das Nießbrauch-Modell hat obendrein Steuervorteile. Bei der Berechnung der Schenkung muss das Finanzamt den Wert des Nießbrauchs vom Wert der Firma abziehen.

Die Firma ungeteilt lassen

Das Firmenvermögen bleibt am besten in einer Hand. Das heißt: Das Kind oder die Kinder, die sich als Nachfolger eignen, sollten das Unternehmen bekommen, und zwar komplett. Ansonsten entsteht im Fall des Todes des Unternehmers eine Erbengemeinschaft. Diese muss wichtige Entscheidungen über Investitionen oder die Ausrichtung der Firma gemeinsam fällen. Kommt es zum Streit oder wollen einige der Erben doch lieber Kasse machen, droht die Zerschlagung des Unternehmens. Wer das verhindern will, sollte eine klare Teilungsanordnung in sein Testament aufnehmen oder seinen Nachfolger als Vermächtnisnehmer einsetzen.

Achtung: Pflichtteil

Meist erhält der Nachfolger einen sehr viel größeren Anteil am Nachlass, als es das Gesetz vorsieht. Damit weniger begünstigte Kinder oder der enterbte Ehepartner nicht zu kurz kommen, gibt es den sogenannten Pflichtteil. Der entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteil ist vom Erben in bar zu leisten. Er kann allerdings beim Nachlassgericht einen Stundungsantrag stellen. Das ermöglicht es ihm, die anderen erst dann auszuzahlen, wenn er die Firma richtig in Schwung gebracht hat.

Wann werden Erben steuerpflichtig?

Das hängt vom Verwandtschaftsgrad ab. Innerhalb der engeren Familie gibt es die höchsten Freibeträge.

Schenkung/ Erbschaft an Freibetrag
Ehepartner 500.000 €
Kinder 400.000 €
Enkel 200.000 €
Eltern im Falle einer Erbschaft 100.000 €
Eltern im Falle einer Schenkung, Geschwister, Neffen, Nichten, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Stiefeltern 20.000 €
Eingetragene Lebenspartner 500.000 €
nicht Verwandte 20.000 €

Wie viel Steuer fällt an?

Wenn die Freibeträge überschritten sind, gibt es einen gestaffelten Steuertarif.

Wert des steuerpflichtigen Vermögens bis Steuerklasse I II III
75.000 € 7 % 15 % 30 %
300.000 € 11 % 20 % 30 %
600.000 € 15 % 25 % 30 %
6.000.000 € 19 % 30 % 30 %
13.000.000 € 23 % 35 % 50 %
26.000 000 € 27 % 40 % 50 %
über 26.000.000 € 30 % 43 % 50 %

Wie lässt sich die Steuer vermeiden?

Geht es darum, ein größeres Vermögen weiterzureichen, lässt sich die Steuer meist nicht ganz umgehen. Wohl aber senken. Dazu werden die Freibeträge mehrfach genutzt. Diese gelten sowohl bei der Erbschaft als auch bei einer Schenkung. Bei Letzterem sogar alle zehn Jahre neu. Wer also frühzeitig anfängt, im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge sein Vermögen auf die nachfolgende Generation zu übertragen, senkt die Steuerlast der Familie. So können Eltern jedem ihrer Kinder 400 000 Euro steuerfrei zuwenden – pro Elternteil und alle zehn Jahre.

Strategisch schenken

Soll ein Schwiegerkind mit Vermögen versorgt werden, damit es sich an der Firma beteiligen kann, wird die normale Schenkung sehr teuer. Denn der Freibetrag liegt bei nur 20.000 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, kostet mindestens 15 Prozent Steuern. Wenn etwa der Schwiegersohn bedacht werden soll, bekommt erst die Tochter das Vermögen – bis 400.000 Euro steuerfrei. Die wiederum schenkt das Geld dann ihrem Ehemann – ebenfalls steuerfrei. Durch eine solche Kettenschenkung – den Begriff sollte man gegenüber dem Finanzamt keinesfalls erwähnen – spart die Familie oft fünfstellige Steuerbeträge.

Gibt es Vergünstigungen, wenn der Betrieb in der Familie übertragen wird?

Für die Nachfolger gibt es Rabatte von bis zu 100 Prozent. Sie sind allerdings gebunden an das Verhalten des Nachfolgers. Die volle Steuerfreiheit (100 Prozent) gibt es, wenn der Nachfolger die Firma sieben Jahre lang mit mindestens dem gleichen Personalbestand und mit höchstens zehn Prozent Verwaltungsvermögen (etwa vermieteten Immobilien, Aktien, Wertpapieren) fortführt. Die Erbschaftsteuer reduziert sich um 85 Prozent, wenn der Erbe die Firma mit praktisch unverändertem Personalbestand fünf Jahre fortführt. Außerdem darf das Verwaltungsvermögen höchstens 50 Prozent des Unternehmenswerts ausmachen. Die strengen Voraussetzungen entfallen jedoch für Firmenchefs, die nicht mehr als 20 Beschäftigte haben.

Wer bestimmt, welche Steuervariante beim Übertragen der Firma angewendet wird?

Der Erbe muss sich im Nachfolgefall verbindlich zwischen dem Fünf-Jahres-Modell und dem Sieben-Jahres-Modell entscheiden. Ein späterer Wechsel zwischen diesen Optionen ist nicht mehr möglich.

Was ist, wenn die Voraussetzungen für den Steuerrabatt nicht erfüllt werden?

Reißt der Nachfolger die Lohnsummen-Hürden innerhalb der Fünf- oder Sieben-Jahres-Frist, schlägt die Steuer zu. Und zwar anteilig. Erfüllt er in einem Jahr die Voraussetzungen nicht, fällt die Erbschaftsteuer anteilig für dieses Jahr an. Der Erwerber ist verpflichtet, das Finanzamt am Ende der Schonfrist zu informieren, inwieweit er die kritischen Lohnsummen unterschritten hat.

Die gesetzliche Erbfolge

Ein Unternehmer kann nicht einfach davon ausgehen, dass sein Nachfolger den Betrieb übernehmen kann. Grundsätzlich gelten die Erbregeln nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch: Stirbt der Unternehmer, sind neben dem Ehegatten nur Blutsverwandte erbberechtigt. Nachfahren erben vor Vorfahren. Erben einer höheren Ordnung – das sind enge Verwandte – schließen diejenigen einer niedrigeren Ordnung – entfernte Verwandte – aus. Erben erster (höchster) Ordnung sind die Kinder und, wenn die bereits verstorben sind, die Enkel.

Was bekommt der Ehegatte?

Der Ehepartner hat den Anspruch auf mindestens ein Viertel des Nachlasses. Sind Kinder vorhanden, erbt er neben diesen erst einmal genau dieses Viertel. Ob er noch mehr bekommt, hängt vom Güterstand innerhalb der Ehe und der Zahl der Kinder ab. Ein Kind bedeutet Fifty-fifty-Teilung. Bei zwei Kindern geht das Erbe durch drei. Bei drei oder mehr Kindern bekommt der überlebende Partner das gesetzliche Viertel.

Wer erbt, wenn die Kinder verstorben sind?

Sind einzelne Kinder schon tot, rücken deren Kinder nach, also die Enkel. Gibt es weder Kinder noch Enkel, kommen die Erben der zweiten Ordnung zum Zuge, also Vater und Mutter des Verstorbenen. Leben diese nicht mehr, geht ihr Erbrecht auf ihre anderen Kinder, also den Bruder oder die Schwester des Erblassers über. Gibt es da auch niemanden mehr, kommen weiter entfernte Verwandte in den Genuss einer Erbschaft.

Wer bekommt im Erbfall was?

Egal, wie viele Erben es gibt: Sie werden alle Miteigentümer am Nachlass. Also auch Miteigentümer des Unternehmens, wenn der Firmenchef ohne Testament verstirbt. Jeder in dieser Erbengemeinschaft hat volles Mitspracherecht über das Gemeinschaftseigentum. Die Teilung des Vermögens („Auseinandersetzung“), das ein Unternehmen umfasst, ist oft ausgesprochen schwierig. Werden die Erben sich nicht einig über die Aufteilung, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die gesamte Hinterlassenschaft zu verkaufen – also auch die Firma.

Wie ist das gesetzliche Erbrecht auszuhebeln?

Soll das gesetzliche Erbrecht nicht zum Zuge kommen, gilt es den Nachlass zu Lebzeiten zu regeln. Und zwar durch Testament oder Erbvertrag.

Welchen Bedingungen muss ein Testament genügen?

Ein Testament kann jeder aufsetzen, der das 16. Lebensjahr vollendet hat. Vor der Volljährigkeit muss er einen Notar hinzuziehen. Die häufigste Form ist das eigenhändige Testament. Eine Vorschrift, wie das Testament aussehen muss, gibt es nicht. Wichtig ist nur, dass es komplett von Hand geschrieben und unterschrieben wird – und zwar am besten mit vollem Vor- und Zunamen. Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber recht nützlich ist das Datum des Testaments. Denn nur dann lässt sich feststellen, was wirklich der allerletzte Wille war.

Kann ich einen Erbberechtigten enterben?

Ja, das ist kein Problem. In jedem Testament können einzelne Personen, die als gesetzliche Erben infrage kommen, von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Im Berliner Testament, dem Testament zugunsten des Ehepartners, sind es die Kinder, die erst einmal enterbt werden. Das heißt aber nicht, dass die übergangenen Erben leer ausgehen. Kindern des Erblassers, bei Kinderlosigkeit seinen Eltern und auch dem Ehegatten steht zumindest der Pflichtteil zu. Das ist die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs. Damit haben sie Anspruch auf einen Geldbetrag aus dem Nachlass.

Wie kann ich meinen Nachlass gestalten?

Sollen bestimmte Personen nicht erben, aber dennoch einzelne Vermögensgegenstände bekommen, kann man Vermächtnisse im Testament anordnen. Das bedeutet, dass die Erben etwa die Firma an den Begünstigten übergeben müssen. Ein Vermächtnisnehmer kann aber auch Erbe werden. Dann bekommt er etwa das Unternehmen vorab, bevor das Erbe insgesamt auf die Nachkommen übergeht. Das Vermächtnis wird nicht auf den Erbteil angerechnet.

Was ist ein Erbvertrag?

Ein Erbvertrag wird – anders als ein Testament – zwischen mehreren Personen geschlossen und lässt sich nicht mehr einseitig ändern. Ein Erbvertrag wird etwa geschlossen, wenn der Junior später die Firma übernehmen soll. Dann will dieser sicher sein, dass es sich die Eltern nach Jahren seiner Mitarbeit im Betrieb nicht noch anders überlegen. Erbverträge sind auch bei nicht ehelichen Lebensgemeinschaften wichtig, denn diese können kein gemeinsames Testament errichten. Ihnen bleibt nur die vertragliche Form, um gemeinsame erbrechtliche Verfügungen zu treffen.

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