Unternehmen Reeder erwarten Pleitewelle

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Containerschiffe im Hamburger Hafen© HHLA

Seit Jahren gibt es aus der Schifffahrt nur schlechte Nachrichten. Die Reeder reagieren jetzt mit verstärkter Zusammenarbeit und nehmen ausländische Kapitalgeber ins Boot. Wegen der endlosen Krise dürfte die Branche deutlich schrumpfen.

Nach fünf Jahren Krise erwarten die meisten Reeder eine Fusions- und Pleitewelle in der Schifffahrt. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Danach glauben fast 90 Prozent der Befragten, dass viele Reedereien das laufende Jahr nicht überstehen werden. Eine schnelle Erholung des Marktes sei nicht in Sicht.

Die Schifffahrt leidet weltweit unter Überkapazitäten und niedrigen Fracht- und Charterraten. Das gilt speziell für die Containerschifffahrt, wo die deutschen Reeder mit 1700 Schiffenn die weltweit führende Position einnehmen. „Angesichts der Unterauslastung setzen immer mehr Reeder auf eine Zusammenarbeit bis hin zur Gründung von Plattformen, die Schiffe kaufen und betreiben“, sagte PwC-Experte Claus Brandt. „Das ist eine unmittelbare Reaktion aus das Überangebot an Flottenkapazitäten, dem resultierenden Preiskampf und der schlechten Ertragslage.“

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Neben den Markt- und Ertragsproblemen leidet die Schifffahrt stark unter schwierigen Finanzierungsbedingungen. Wurde in guten Zeiten ein Schiff mit 30 Prozent Eigenkapital und 70 Prozent Krediten finanziert, so verlangen die Banken jetzt laut PwC im Durchschnitt mehr als 44 Prozent Eigenkapital. Wenn sie überhaupt bereit sind, Kredite zu geben. Diese hohen Anforderungen können viele Reedereien nicht mehr stemmen. „Dementsprechend sehen sich die Reeder verstärkt nach Finanzierungsalternativen um“, sagte Brandt. Ausländische Kapitalgeber drängen auf den deutschen Markt. Denn neue Schiffe sind im Moment billig wie selten, so dass mittelfristig ein guter Gewinn winkt, wenn die Märkte wieder anziehen.

Viele wollen Schiffe verkaufen
Die Kombination aus schwierigen Markt- und widrigen Finanzierungsbedingungen dürfte nach Einschätzung von PwC dazu führen, dass die deutsche Handelsflotte schrumpft. Nur noch ein knappes Drittel der befragten Reedereien denkt über neue Schiffe nach; dagegen wollen sich 58 Prozent von Schiffen trennen.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) teilt die PwC-Einschätzungen. „Alle Beteiligten bemühen sich, Schiffe und das Management der Schiffe – etwa über Plattform-Lösungen – dauerhaft am Standort Deutschland zu halten“, sagte das Geschäftsführende VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel. „Ob dies gelingt, wird sich erst dann zeigen, wenn die Märkte anziehen und sich die Schifffahrtswerte erholen.“

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