Unternehmen Ritsch, ratsch mit dem Gemüsehobel

Das Arbeitstier von Fackelmann heißt 45341. Enthielte der 6,90 Euro teure Hobel mehr Metall, würde die Firma ihn in ihrem Werk in China herstellen. So aber sind Maschinen in Deutschland billiger: 150.000 Stück laufen pro Jahr vom Band. impulse begutachtet die Bestandteile.

Montage

Fackelmann Hersbruck. „Made in Germany“ steht klein auf der Packung. Sebastian Fackelmann fing nach dem Krieg als Händler an, startete 1958 die eigene Produktion. Heute hat das Familienunternehmen 4500 Mitarbeiter weltweit, stellt auch Badezimmermöbel her. In gefühlt jedem zweiten Supermarkt steht eine Wand mit Fackelmann-Küchenhelfern.

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Weiße Farbe

G.E. Habich’s Söhne Reinhardshagen. Begann 1785 mit Wäscheblau. Für die Gemüsehobel produzieren die 125 Farbenmacher den Weißton JP 10458. Zwei Gramm davon reichen pro ­Hobel, um das Schmutzigweiß, das beim Produzieren aus dem Polystyrol entstehen würde, in ein hübsches Weiß zu verwandeln.

Kunststoff

Ter Hell Plastic Herne. Das Polystyrol des Hobels heißt Mips, weil es mittelstarke Stöße („middle strong pushes“) aushalten kann. Kommt als Pulver zu Fackelmann von einer der Töchter des Hamburger Kunststoffhändlers Ter Hell. Der Familienbetrieb ist weltweit unterwegs. 100 Gramm Mips reichen für den Hobel. Dazu kommt weiße Farbe, weil die Grundfarbe von Mips nicht schön genug wäre.

Spritzguss

Sumitomo Demag Schwaig. 20 Hobelspritz­maschinen arbeiten bei Fackelmann rund um die Uhr. Gebaut hat sie der japanisch-deutsche Spritzgussmaschinenspezialist. Hobelform, ­Klingen, Kunststoff, Farbgranulat – das sind die Bestandteile. In Sekunden entsteht daraus der Gemüsehobel. Die Mutterfirma in Chiba bei Tokio wurde beim Erdbeben im März nur leicht beschädigt, arbeitet wieder. Die Maschinen für den Hobel hat aber der Ableger in Schwaig gemacht.

Messerstanzen

Menz Stahlwaren Benshausen. Die scharf geschliffenen Klingen kommen als dicke Rolle zu Menz. Die rollen 25 Mitarbeiter auf und stanzen sie exakt in die Form, die Fackelmann für den Hobel braucht. Die 1880 in Thüringen gegründete Firma macht auch Korkenzieher sowie Nasenringe für Bullen.

Klingenroboter

Wittmann Schwaig. Die Sumitomo-Maschinen bekommen Hilfe von Robotergreifern. Die sitzen auf den Maschinen und halten Klingen gefahrlos in diese hinein, damit sie Kunststoff drumherum spritzen. Die Roboter können wirbeln, weil sie drei Achsen haben. Einer kostet 40.000 Euro. Der Hersteller ist ein Familienbetrieb, den 1976 der Ingenieur Werner Wittmann gründete.

Klingen schleifen

Stahl Schnee Solingen. Was zu den zwei Klingen des Gemüsehobels wird, ist anfangs ein langes Band, das bei Stahl Schnee gehärtet, poliert und scharf geschliffen wird. Dann wird es aufgerollt und geliefert an ­Firmen, die Hornhautraspler, Rasierer, ­Messer und Gemüsehobel produzieren.

Restehalter

Lyondell Basell Rotterdam. Der Weltmarktführer für Polypropylen liefert 28 Gramm des Kunststoffs pro Restehalter, den Fackelmann im Spritzgussverfahren herstellt. Der niederländische Konzern setzt 31 Mrd. Euro im Jahr mit den Produkten aus seinen Ölraffinerien in aller Welt um.

Grüne Farbe

A. Schulman Kerpen. Das Zusatzteil des Gemüse­hobels gibt es manchmal in Grün, meistens aber in Schwarz. Beide Farb­granulate liefert die deutsche Tochter des 1928 in Ohio gegründeten Farbenspezialisten, für den 3000 Leute in 30 Fabriken arbeiten.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 05/2011.

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