Unternehmen Rossmann setzt auf Angriff, Schlecker bleibt gelassen

Windeln, Zahncreme, Klopapier: Im umkämpften Markt der Drogerieketten will sich Rossmann vom dritten auf den zweiten Platz vorschieben. Die Niedersachsen sind guten Mutes, die 5 Mrd. Euro-Umsatzmarke in diesem Jahr zu knacken. Die Konkurrenz wartet ab.

Wie fährt man Gewinne ein, wenn der Preiskampf kaum nachlässt? Der Handel mit Hygiene-, Haushalts- und Pflegeartikeln gilt seit langem als besonders hart umkämpfte Branche. Deutschlands drittgrößte Drogeriekette Rossmann will den Markt nach einem wachstumsstarken Jahr nun weiter aufmischen. Zwar seien die Konkurrenten Schlecker und dm auch künftig nicht zu unterschätzen, betonte Firmenchef Dirk Roßmann am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz für 2010 in Burgwedel bei Hannover. „Ich denke aber, dass Rossmann in absehbarer Zeit die Nummer zwei sein wird“, meinte der Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens.

dm liegt nach Schlecker derzeit noch an der zweiten Stelle der deutschen Drogerie-Einzelhändler. Der Wettbewerber aus Karlsruhe mache „eine richtig gute Arbeit“, sagte Roßmann. Branchenprimus Schlecker reagierte auf Spekulationen um ein mögliches Abrutschen auf Platz drei durch das starke Wachstum von Rossmann und dm gelassen. „Bei uns ist dieses Jahr alles andere als schlecht angelaufen“, entgegnete ein Schlecker-Sprecher. „Wir werden ja sehen: Marktanteile müssen erst einmal erobert werden.“ Ein neues Konzept für die Shops und das Management greife bereits, in vielen Filialen hätten die Umsätze um ein Drittel zugelegt. „Und das stimmt uns hoffnungsfroh.“

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Rivale Rossmann will 2011 mit seinen rund 2400 Filialen und 30.000 Beschäftigten in sechs Ländern erstmals die 5 Mrd. Euro-Marke beim Umsatz knacken. Im vorigen Jahr waren die Erlöse um knapp 13 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro gestiegen, unterm Strich blieben laut Firmenchef Roßmann mehr als 100 Mio. Euro. „Das Ergebnis ist für uns aber nicht so wichtig. Am wichtigsten ist, wie wir am Markt präsent sind“, meinte er mit Blick auf die Jahreszahlen.

Der Anteil des Gewinns vor Zinsen und Steuern am Umsatz erreichte bei der Rossmann-Gruppe zuletzt über drei Prozent. Nach Ansicht von Finanzchef Roland Frobel konnte das Unternehmen trotz der geringen Verdienstmargen im Handel seine Ertragskraft festigen: „Dieses Ergebnis ist in einem Umfeld mit starkem Wettbewerb sehr gut.“

Während die deutschen Rossmann-Märkte im vergangenen Jahr ihren Umsatz um über 10 Prozent auf 3,42 Mrd. Euro erhöhen konnten, gelang den Auslandsfilialen in Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien und der Türkei ein Plus um ein Fünftel auf etwa 1,12 Mrd. Euro.

230 neue Verkaufsstellen

Roßmann plant, in den kommenden Monaten frisches Geld in das Netz seiner Niederlassungen zu investieren. „Wir wollen viel in unsere Läden stecken, im In- und Ausland“, kündigte der Firmenchef an. 150 Mio. Euro flössen unter anderem in 230 neue Verkaufsstellen, davon 58 Mio. direkt in den Aufbau von 120 deutschen Märkten.

Neben den Mitarbeitern sollen auch die Kunden von der Erweiterung profitieren, versprach Roßmann. Der Preiswettbewerb mit Schlecker, dm und anderen Anbietern werde sich indes so rasch nicht abschwächen.

Auch Lebensmittel-Discounter versuchen, den klassischen Drogerien Kunden abzujagen. Umgekehrt hat der Drogerie- und Lebensmittel-Einzelhandel wie andere Branchen mit hohen Rohstoffkosten zu kämpfen. „Im Zweifelsfall verzichten wir auf ein Stück Gewinn. Aber wir werden nicht die ersten sein, die Preise erhöhen“, hob Roßmann hervor.

dm hielt sich zu den Expansionsplänen des Konkurrenten aus Burgwedel bedeckt – wertete das große Selbstvertrauen Roßmanns aber positiv: „Er hat wohl im Auge auch Schlecker zu überholen“, vermutete Geschäftsführer Erich Harsch. Er halte es „für gar nicht so unmöglich“, sollten die Niedersachsen im Schlepptau der Badener ganz nach vorn kommen. „In diesem Jahr ist das aber wohl noch verfrüht.“

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