Unternehmen Sal. Oppenheim vor Gericht: Wie viel Familie ist legal?

Der Eingang am Stammsitz von Sal. Oppenheim in Köln

Der Eingang am Stammsitz von Sal. Oppenheim in Köln© Sal. Oppenheim

In Köln wehren sich die einstigen Chefs von Sal. Oppenheim gegen den Vorwurf der Untreue. Dabei ergeben sich Einblicke in ein sehr spezielles Familienunternehmen.

Der Sal.-Oppenheim-Prozess geht in den sechsten Monat. Anfangs wirkten die Angeklagten im Kölner Amts- und Landgericht noch wie Fremdkörper. Die Gänge des über 100 Meter hohen Betonklotzes sind deprimierend funktional gehalten, vor vielen Türen warten jugendliche Straftäter darauf, vor ihren Richter zu treten. Und dann tauchten in diesem Ambiente die früheren Spitzenmänner der ehemals größten Privatbank Europas auf: feiner Zwirn, Einstecktuch – und ein Tross von Begleitern.

Mittlerweile haben sich die einstigen Topbanker schon etwas akklimatisiert. Sie wirken zwar immer noch „overdressed“, aber einige von ihnen wurden sogar schon in einem Bistro gesichtet, das aufgrund seiner niedrigen Preise auch von Besuchern des gegenüberliegenden Arbeitsamtes frequentiert wird.

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Noch immer verfolgt die Kölner Öffentlichkeit mit einem gewissen Unglauben den tiefen Fall einer ihrer größten Familien. Die Oppenheims kommen seit mehr als 200 Jahren ununterbrochen im Kölner Geschichtsbuch vor. Sie finanzierten die ersten Eisenbahnverbindungen des Rheinlands und die Industrialisierung des Ruhrgebiets. Sie brachten schillernde Figuren hervor wie Max von Oppenheim (1860-1946), den „deutschen Lawrence von Arabien“.

Gerichtsprozess mit einigen Überraschungen

An diesem Montag ging der Oppenheim-Prozess nach drei Wochen Sommerpause weiter. Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter und der Immobilienunternehmer Josef Esch (56). Ihnen wird teils Untreue in besonders schwerem Fall, teils Beihilfe dazu vorgeworfen. Sal. Oppenheim hatte sich in der Finanzkrise verspekuliert und seine Unabhängigkeit eingebüßt.

Das Verfahren hat bereits einige Überraschungen gebracht. So spielen zwei der Angeklagten – Friedrich Carl Janssen (69) und Dieter Pfundt (60) – ihre Rolle herunter. Obwohl sie zu den persönlich haftenden Gesellschaftern gehörten, blieb die eigentliche Macht nach ihrer Darstellung den Familienmitgliedern Christopher Freiherr von Oppenheim (47) und Matthias Graf von Krockow (64) vorbehalten. Janssen geht so weit zu behaupten, er sei ein „Neuer ohne Führungsanspruch“ gewesen. Gerade der Kontakt zu Josef Esch soll allein Sache von Oppenheim und Krockow gewesen sein. Esch wiederum bestreitet die Rolle der Grauen Eminenz des Unternehmens – er sei lediglich ein Geschäftspartner gewesen, der Aufträge ausgeführt habe.

Strafrechtliche Grenze überschritten?

Das wären also schon mal drei, die sich eher als kleine Rädchen im Getriebe betrachten. Oberstaatsanwalt Gunnar Greier ist nicht überzeugt. Deutlich wird, dass Sal. Oppenheim nicht wie eine normale Bank mit klaren Kontrollmechanismen geführt wurde. Schließlich war „man ja eine Familie“, wie die Führung der Bank nach Darstellung der Staatsanwaltschaft klarstellte.

Christopher von Oppenheim hat seine delikate Aufgabe dem Gericht so zu erklären versucht: „Unsere Aktionäre waren fast alle Mitglieder einer großen, weit verzweigten Familie. Ein gemeinsames Ziel musste es daher sein, einerseits die persönliche und wirtschaftliche Ausgewogenheit innerhalb dieser Familie mit ihren Stämmen und Gesellschaftergruppen zu erreichen und andererseits die Unabhängigkeit dieser Privatbank zu gewährleisten.“ Das Gericht muss nun klären, ob dabei strafrechtliche Grenzen überschritten worden sind.

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