Unternehmen Sany entert den europäischen Markt

Es gilt als die größte Investition eines chinesischen Unternehmens in Europa: Der Maschinenbaukonzern Sany will am neuen Standort nahe Köln deutsche Qualität mit niedrigen Heimatlöhnen verbinden. Die Branche fürchtet, dass die Preise aggressiv gedrückt werden.

Vom Rheinland aus will der chinesische Maschinenbauer Sany den Markt in Europa und Nordafrika erobern. Das Unternehmen sieht sich als Vorreiter: Firmengründer Wengen Liang vermutet, dass bei einem erfolgreichen Start auch andere chinesische Konzerne ihre Produktionsstätten hierzulande aufbauen. „Wenn wir in Europa erfolgreich sind, werden uns viele andere chinesische Unternehmen folgen.“, sagte er auf der Eröffnung der Europazentrale.

In der ersten Phase fertigt Sany 1870 Betonpumpen und Betonfahrmischer pro Jahr – was danach kommt, soll der Markt entscheiden. Wengen Liang hat bereits klare Ziele gesteckt: „Wir wollen 2015 einen Umsatz von 1 Mrd. Euro machen und bis 2013 einen Gewinn erzielen.“

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Konkurrenz befürchtet aggressive Preispolitik

Nach eigenen Angaben nimmt Sany weltweit einen Platz unter den Top 50 der Bauschmaschinenhersteller ein. „Wir nutzen die Kostenvorteile in China und die hohe Qualität in Deutschland (…) Wir wollen die Vorteile beider Standorte kombinieren“, sagt Liang.

Die Konkurrenz befürchtet eine aggressive Preispolitik und Liang ist sich dessen bewusst: „Wir sind sehr zuversichtlich, was unseren Konkurrenzvorteil angeht.“ Die meisten Komponenten werden in China produziert, zu den dort übrigen niedrigen Löhnen, montiert wird im Hightech-Staat Deutschland.

Sany will insgesamt weit über 100 Mio. Euro in den Standort Bedburg stecken. Nach Unternehmensangaben wäre das mehr als je ein chinesisches Unternehmen in Europa investiert hat. Rund 35 Mio. Euro wurden bereits ausgegeben. Binnen fünf Jahren sollen gut 600 Beschäftigte für Sany im Rheinland arbeiten. 75 Prozent der Stellen sollen Facharbeiter und Ingenieure aus Europa besetzen. Das Großprojekt war zur Vertragsunterzeichnung Anfang 2009 Grund genug für Chinas Premier Wen Jiabao und Kanzlerin Angela Merkel (CDU), in die rheinische Provinz zu reisen.

Aber nicht nur das Rheinland soll profitieren, sondern auch Unternehmen bundesweit. Als Zulieferer seien auch etwa die Schaeffler Gruppe, MAN, Mercedes-Benz, Deutz oder Linde mit im Boot, sagt Produktionsteamleiter Andreas Harle. „Die Stahlbauteile kommen alle aus China, aber zum Beispiel bei der Hydraulik ist vieles made in Germany.“ Und künftig sollten in die Sany-Maschinen mehr Teile aus deutscher Fabrikation eingebaut werden, kündigt Sany-Germany-Geschäftsführer Dongdong He an.

Auf den europäischen Markt abgestimmt

Auch wenn die Produktion offiziell erst kürzlich startete, so waren doch schon die ersten Prototypen zu besichtigen. Bei einer Betonpumpe handelt es sich um einen Lastwagen mit eingebauter Pumpeinheit und einem 36 Meter langem Mast, der den Beton verteilt, wie Teamleiter Harle erläuterte. Von den Betonmischern sind bereits zwei Prototypen im Rheinland hergestellt worden. In einem Forschungs- und Entwicklungszentrum wird an dem europäischen Marktbedarf entlang geplant und getüftelt, welche Maschinen in einer zweiten Phase folgen.

Wengen Liang sieht die Investition als „Meilenstein in der Internationalisierung“ des Konzerns. Die Finanzkraft sei sehr stark, der Kauf deutscher Unternehmen aber nicht eingeplant. Und er hat eine Mission: Weltweit würden Produkte aus China als Waren zweiter Klasse eingestuft. „Es ist mein Entschluss, das zu ändern.“

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