Unternehmen „Sarrazins Thesen sind unanständig“

Kemal Sahin ist das Symbol einer gelungen Integration. Seine Holding erwirtschaftet mehr als 1 Mrd. Euro Jahresumsatz. impulse hat mit ihm über Thilo Sarrzin gesprochen - und stieß auf heftige Reaktionen.

Er ist der erfolgreichste Unternehmer mit deutsch-türkischem Hintergrund. Seine Holding mit Milliardenumsatz besteht aus einem Bauunternehmen, einer Catering-Firma und einer Ferienanlage. Kemal Sahin ist das Paradebeispiel einer geglückten Integration. In der neuesten Ausgabe von impulse, die am 28. Oktober erscheint, äußert er sich nun öffentlich zu Thilo Sarrazins Thesen – und findet diese geradezu unanständig. „So etwas darf kein Intellektueller in Deutschland sagen, das können die Dummköpfe an den Stammtischen machen“, sagt er. „Wenn wir es nicht schaffen, die Migranten, die schon hier sind, zu integrieren, kommen auch die dringend benötigten Facharbeiter nicht“, so Sahin, der auch beim Integrationsgipfel im Kanzleramt Anfang November dabei ist.

Für Sahin ist die Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur ein gesellschaftliches Muss, sondern auch ein wirtschaftliches. Sie sei der billigste Weg, den Fachkräftemangel zu beheben. Die Äußerungen des CSU-Chefs Seehofer über Zuwanderung findet der Unternehmer in diesem Zusammenhang nicht förderlich. „Wir müssen Migrantenkindern das Gefühl geben, Deutsche zu sein und dazuzugehören. Aber was glauben Sie, wie die reagieren, wenn sie hören, was Seehofer sagt?“

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Der Wissenschaftler Yunus Ulusoy von der Universität Duisburg-Essen sieht die Einwanderung gerade türkischstämmiger Ausländer geradezu als Chance. Gegenüber impulse sagt er: „Es ist ein neuer, deutschtürkischer Unternehmertyp entstanden.“ Er vereine in sich deutsche Stärken wie Fleiß und Zuverlässigkeit und südländische Tugenden wie Flexibilität und Dienstleistungsmentalität. „Diese Leute sind eine große Chance für die deutsche Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung“, so Ulusoy. Die Kehrseite der südländischen Spontaneität kennt der Wissenschaftler ebenfalls: „Türken gehen schneller Risiken ein, fliegen damit aber auch häufiger auf die Schnauze.“ Viele gingen ohne Kenntnisse in die Selbstständigkeit. „Erst haben sie einen Imbiss, zwei Jahre später ein Reisebüro. Wer scheitert, probiert etwas Neues“, so Ulusoy weiter.

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Den ganzen Artikel lesen Sie in der am Donnerstag erscheinenden impulse-Ausgabe 11/2010.

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