Unternehmen Schickedanz fordert Milliarden von Sal. Oppenheim

Die Quelle-Erbin muss nach eigenen Aussagen von 600 Euro im Monat leben. Eine Klage gegen die heutige Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim und andere soll wieder viel Geld in ihre Kasse bringen.

Ihre Eltern hinterließen ihr mit Quelle ein Imperium. Doch davon ist nach der Arcandor-Pleite nichts mehr übrig. Madeleine Schickedanz hat durch die Insolvenz fast ihr gesamtes Vermögen verloren, nun will sie es auf dem Klageweg zurückbekommen. Insgesamt verlangt sie 1,9 Mrd. Euro. Dabei geht es laut Oberlandesgericht Köln um 1,2 Mrd. Euro Schadensersatz vom Bankhaus Sal. Oppenheim und der ehemaligen Führung des Bankhauses. Die restlichen 700 Mio. Euro verteilen sich auf elf weitere Klageanträge. Dies teilte eine Sprecherin des Gerichts am Dienstag mit.

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„Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat“

Die zwölf Klageanträge richten sich gegen Sal. Oppenheim, ihren ehemaligen Vermögensberater Josef Esch sowie weitere Beteiligte. Die Klage war bisher nur angekündigt worden; zunächst hatte Schickedanz das Oberlandesgericht aufgefordert, ein zuständiges Gericht zu bestimmen. Mehrere wären in Frage gekommen, weil die ehemaligen Finanzberater, die verklagt werden sollen, in unterschiedlichen Städten wohnen. Der Einfachheit halber entschied das Oberlandesgericht Köln, dass alles vor dem Landgericht Köln abgehandelt werden soll.

Schickedanz wirft ihren ehemaligen Finanzberatern vor, ihr Geld in riskante Anlagen gesteckt zu haben, obwohl sie selbst eine konservative Anlagestrategie gewünscht habe. Schickedanz hatte sich in großem Stil an dem 2009 zusammengebrochenen Handelskonzern Arcandor („KarstadtQuelle“) beteiligt.

Sogar ein Darlehen von rund 200 Mio. Euro bei der Privatbank Sal. Oppenheim hatte sie aufgenommen – wohl besichert mit Grundschulden auf mehrere Anwesen und Immobilien. Um den Kredit zurückzuzahlen, musste die 68-Jährige an ihren reichhaltigen Immobilienbesitz. Mindestens zwei ihrer Villen in der Schweiz hat sie bereits losgeschlagen. Die Luxusanwesen im noblen Skiort St. Moritz brachten ihr 47 Mio. Euro. Dennoch ließ sie im Sommer 2009 per „Bild“-Interview wissen, sie spare jetzt an allem, „von den Lebensmitteln bis zu Kosmetik und Kleidung“. Von nur noch 500 bis 600 Euro im Monat lebten sie und ihr Ehemann Leo Herl. Gottlob: „Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten.“

Das Interview wurde von vielen Beobachter belächelt. Kaum jemand mochte so richtig glauben, dass Schickedanz und ihr Mann tatsächlich von nur 600 Euro im Monat leben müssen, vor allem, da sie mit ihrem Mann in Gütertrennung lebt und sein Vermögen unberührt bleibt. Später fühlte sie sich missverstanden. Über wie viel Geld die Quelle-Erbin tatsächlich verfügt, ist bislang nicht bekannt, könnte durch das Gerichtsverfahren aber an die Öffentlichkeit dringen.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim, das mittlerweile von der Deutschen Bank übernommen worden ist und eine komplett neue Führung hat, hält die Vorwürfe nach früheren Angaben für rechtlich nicht haltbar. Auch Josef Esch hatte die Vorwürfe bereits bei Bekanntwerden der Klagevorbereitungen im vergangenen Jahr zurückgewiesen.

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