Unternehmen Schlecker-Nachfolger Dayli schließt 180 Filialen in Österreich

Ein Dayli-Shop in Österreich

Ein Dayli-Shop in Österreich© Dayli

Er wollte den Schlecker-Frauen neue Hoffnung geben, doch viele hatten Zweifel am Konzept. Jetzt muss der österreichische Investor die ersten Dayli-Filialen wieder schließen.

 

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Noch vor seinem Start in Deutschland muss der Schlecker-Nachfolger Dayli in Österreich seine ersten neuen Geschäfte wieder schließen. 180 Filialen werden aufgegeben, 560 Mitarbeiter werden arbeitslos, wie der Investor Rudolf Haberleitner über seine Vertriebsgesellschaft TAP mitteilte. Verantwortlich dafür macht der 68-Jährige eine Art Verschwörung aus Politik, Justiz und Medien: Es habe „massive negative und unrichtige Berichterstattung“ gegen Dayli gegeben, zudem spricht er von Boykotten und Gesetzesänderungen zu seinen Ungunsten. Dadurch seien dem Unternehmen ungeplante Verluste in zweistelliger Millionenhöhe entstanden.

Der Investor hatte vor knapp einem Jahr angekündigt, in Österreich und Deutschland rund 1300 ehemalige Schlecker-Filialen mit neuem Konzept wiederzubeleben. Zudem will er europaweit expandieren. Haberleitner schwebt eine Art moderner Tante-Emma-Laden mit Bistro und zahlreichen Dienstleistungen vor. In Österreich wurde dieses Konzept bisher nur in einigen Dayli-Filialen voll umgesetzt, der Deutschland-Start bereits mehrfach verschoben.

Mitbewerber wie Branchenexperten hatten in der Vergangenheit die Tragfähigkeit der Idee mehrfach angezweifelt und die Finanzierung von Dayli infrage gestellt.

Expansion in Deutschland

Trotz der angekündigten Schließung will Dayli an seinen ambitionierten Deutschland-Plänen festhalten. „Ich habe schon daran gedacht, die ganze Firma nach Deutschland zu verlegen“, sagte Dayli-Chef Haberleitner. Denn im Nachbarland herrsche deutlich mehr Offenheit für seine Pläne als in Österreich.

Die Gewerkschaft Verdi sieht nach wie vor das lange angekündigte Deutschlandprojekt des Österreichers kritisch: „Wenn er in Österreich scheitert, wird er keine Grundlage haben, sein Konzept in Deutschland zu realisieren, weil er hier nichts hat“, sagte Verdi-Handelsexperte Bernhard Franke. „Bislang ist er auch in Österreich nur mit bloßen Ankündigungen aufgefallen.“

Haberleitner: Wir haben keine Kredite und nur Lieferantenverbindlichkeiten

Vergangene Woche hatte Dayli Schlagzeilen gemacht, weil der Glücksspielkonzern Novomatic seine Dayli-Anteile an Haberleitner zurückgab. Der Konzern sei aber nicht „ausgestiegen“, stellte der Chef klar: „Ich habe nur meine Shares zurückgekauft, um neuen Investoren Platz zu machen.“ Am Wochenende wies er dann Berichte über eine drohende Insolvenz zurück: „Davon kann gar keine Rede sein. Wir haben keine Kredite und nur Lieferantenverbindlichkeiten.“

Zur Zukunft von Dayli hieß es am Mittwoch von TAP: „Sollten die derzeit laufenden Verhandlungen mit interessierten Partnern wie auch mit ausländischen Banken und Warenkreditversicherern positiv ausgehen, wird durch die vorgesehene Expansion die Wiedereinstellung der nunmehr (Anm.: beim Arbeitsamt) angemeldeten Mitarbeiter wieder möglich sein.“

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