Unternehmen Schlecker schließt bis zu 800 Märkte

Die Konkurrenz ist der Drogeriekette hart auf den Fersen. Der defizitäre Konzern könnte bald vom Wettbewerber dm überholt werden. Deshalb wird das Unternehmen komplett umgekrempelt - und soll so wegkommen vom Schmuddel- und Ausbeuterimage.

Deutschlands größte Drogeriemarktkette Schlecker setzt den Rotstift radikal an und will bis zu 800 Märkte schließen. Um aus der Verlustzone zu kommen, will die Kette 500 bis 800 Märkte dichtmachen, sagte Lars Schlecker, Sohn des Firmengründers Anton Schlecker, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Ende Mai hatte er der dpa gesagt, dass dieses Jahr nochmals bis zu 700 der zuletzt rund 7800 Filialen in Deutschland geschlossen werden sollen. 2012 soll die Wende geschafft sein. Dann will Schlecker wieder wachsen.

Das Unternehmen habe drei Jahre Verlust hinter sich, sagte Schlecker der Zeitung. Für 2011 könne er noch nichts sagen, aber es sei eine deutliche Trendwende zu sehen. Das Unternehmen könne beim Umsatz bald von dem viel kleineren Konkurrenten dm überholt werden. „Es kann schon sein, dass wir mal ein Jahr auf die Nummer 2 zurückfallen. Aber wer uns kennt, weiß, wir werden wieder angreifen. Die renovierten Filialen verzeichnen dauerhaft ein Umsatzplus von 20 bis 30 Prozent.“

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Mehr Fairness im Umgang mit den Angestellten

Bis Ende des Jahres sollen 250 bis 400 Filialen modernisiert werden. Seit einem halben Jahr rüstet Schlecker seine Filialen um. „Wenn das neue System erst eingespielt ist, bauen wir im Jahr 1500 Filialen um“, sagte Lars Schecker in dem Interview. Schlecker beschäftigte in Deutschland zuletzt rund 34.000 Mitarbeiter, europaweit sind es etwa 47.000.

Die Geschwister Meike und Lars Schlecker beteuerten gegenüber der Zeitung erneut, dass die Zeit versteckter Kameras und Dumping-Löhne im Unternehmen vorbei sei. Die Gewerkschaft Verdi hatte Schlecker immer wieder vorgeworfen, gerade Mitarbeiterinnen kleiner Filialen zu drangsalieren. „Bei Schlecker hatte sich langsam eine Angstkultur eingeschlichen“, sagte der 39-Jährige Lars Schlecker. Jetzt trete er persönlich in Führungskräfteseminaren auf und werbe für einen sozialen Umgang mit den Kassiererinnen. „Ich habe klargestellt, dass Abmahnungen kein Mittel zur Personalentwicklung sind.“

Man plane, auch die Mitarbeiter in eine Werbekampagne einzubeziehen. „Ab 2012, wenn der Umbau fertig ist, wird keiner mehr über den alten Schlecker sprechen.“ Der Sohn verteidigte seinen Vater Anton Schlecker: „Er wird immer als kalt und herzlos geschildert. Dabei kämpft er wie ein Löwe für jede Filiale.“

Der dpa hatten die Geschwister Mitte Mai gesagt, Schlecker verordne den leitenden Mitarbeitern in einem Regelwerk mehr Fairness im Umgang mit den Angestellten. Damit will die Drogeriekette ihren miserablen Ruf in Sachen Arbeitnehmerrechte aufpolieren. Das neue Regelwerk enthält konkrete Anweisungen – etwa, Mitarbeiter nicht schon bei einem Zuspätkommen abzumahnen. Auch sollten Betriebsräte bei Konflikten frühzeitig eingebunden werden.

Die Gewerkschaft Verdi hatte sich zufrieden geäußert über die neuen Grundsätze, die ihr vorab vorgelegt wurden. „Das ist das erste Mal, dass ich bei Schlecker nachvollziehbare Managementmethoden erkenne“, hatte Achim Neumann, der zuständige Verdi-Handelssekretär dazu gesagt.

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