Unternehmen Schutz für Schiffe unter deutscher Flagge wird neu organisiert

Containerfrachter im Hamburger Hafen.

Containerfrachter im Hamburger Hafen. © Jan Schuler - Fotolia.com

Piraten machen den internationalen Schiffsverkehr zunehmend unsicher. Die Reeder schützen Schiff, Ladung und Besatzung verstärkt mit privaten Sicherheitsdiensten. Deren Zulassung übernimmt nun eine Bundesbehörde im hessischen Binnenland.

Die Straße von Malakka, das Horn von Afrika oder der Golf von Guinea – auf den Weltmeeren liegen an vielen Stellen Piraten auf der Lauer. Nicht selten sind Schiffe deutscher Reeder Zielscheibe der mit kleinen Schnellbooten operierenden Freibeuter, die Besatzungen schweben in ständiger Gefahr, als Geiseln genommen zu werden. Um den Schutz mindestens der unter deutscher Flagge fahrenden Schiffe zu verbessern, wird nun ein neues Zulassungsverfahren für private Sicherheitsdienste auf den Weg gebracht. Reeder und deutsche Sicherheitsbranche begrüßen die neuen Regeln.

Ab dem 1. Dezember dieses Jahres dürfen auf Schiffen unter deutscher Flagge nur noch Sicherheitsunternehmen arbeiten, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zugelassen worden sind. Die Bundesbehörde in Eschborn bei Frankfurt, die letztmals 2009 bei der von ihr abgewickelten Abwrackprämie für Altautos von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, hat vor wenigen Wochen das Zulassungsverfahren begonnen.

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Behörde erwartet internationale Interessenten

Ein knappes Dutzend Sicherheitsunternehmen habe bereits einen Antrag gestellt, berichtet die zuständige Referatsleiterin Claudia Topp. Sie rechnet mit mindestens 40 Interessenten, darunter auch viele Unternehmen aus den USA oder Großbritannien, die bislang den weltweiten Markt für Sicherheitsdienstleistungen auf Schiffen beherrschen.

Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW), sieht auch Marktchancen für Mitglieder seines Verbandes. Etwa zehn Unternehmen interessierten sich für die Zulassung, schätzt er. Und sieht den Schutz vor Piraten nur als kleinen Teil einer Internationalisierungsstrategie für Sicherheitsunternehmen, die exportorientierten Unternehmen im Ausland bei vielen Problemen zur Seite stehen könnten. Das Bafa-Siegel brauchen künftig auch deutsche Sicherheitsunternehmen, die Schiffe unter fremder Flagge beschützen wollen.

Zugelassen wird das einzelne Unternehmen, das dann für den Einsatz qualifizierter Mitarbeiter verantwortlich ist, erläutert die Bafa-Expertin Topp. „Wir überprüfen vor allem die betriebliche Organisation. Klare Strukturen sind die halbe Miete.“ Die Zuverlässigkeit des Personals ist dann Sache der Unternehmen. Olschok sieht hier ein neues Arbeitsfeld für deutsche Zeitsoldaten mit Auslandserfahrung. „Die würden wir gerne einstellen.“

Abschreckende Wirkung auf Piraten

An Bord müssen die Sicherheitsleute ohne schwere Waffen auskommen, Kriegswaffen sind gleich ganz tabu. Die seien auch gar nicht nötig, sagt Reederverbands-Sprecher Christof Lauer, denn die Piraten drehten beim kleinsten Anzeichen von Widerstand bei. Noch nie sei ein Schiff mit Sicherheitsleuten an Bord aufgebracht worden. Nach deutschem Recht dürfen sie ihre Waffen aber nur zur Notwehr und Nothilfe einsetzen. Die deutschen Waffenscheine stellt zentral die Freie- und Hansestadt Hamburg aus.

Reeder und Sicherheitsbranche loben, dass die Politik darauf verzichtet hat, die Sicherheit auf dem Meer neu zu erfinden. 2Das meiste ist ohnehin von der Internationalen Seefahrtsorganisation IMO geregelt“, sagt Lauer. Ein wichtiges Wort sprechen auch die mächtigen Transportversicherer mit. Den Schiffseignern ist daran gelegen, zum Starttermin im Dezember ausreichend geeignete Dienstleister vorzufinden. Mit dem neuen Verfahren werde auch die deutsche Flagge qualitativ aufgewertet, hofft der Verband. Sie führt bislang eher ein Schattendasein: Von den rund 3800 Schiffen der deutschen
Handelsflotte tragen nur knapp 500 die schwarz-rot-goldene Flagge.

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