Unternehmen Bastei Lübbe wagt den Sprung an die Börse

Die Aktien des Verlags Bastei Lübbe werden seit dem 8. Oktober an der Börse in Frankfurt gehandelt (Foto).

Die Aktien des Verlags Bastei Lübbe werden seit dem 8. Oktober an der Börse in Frankfurt gehandelt (Foto).© Deutsche Börse

Mit den Millionen-Einnahmen aus dem Börsengang will der Verlag Bastei Lübbe vor allem sein Geschäft mit selbst produzierten Serien im Internet ausbauen. Seit Dienstagmorgen wird die Aktie in Frankfurt gehandelt. Bisher sieht der Gang aufs Parkett allerdings nicht wie eine Erfolgsgeschichte aus.

Spezial-Agent Jerry Cotton im Einsatz: Von den eisigen Straßenschluchten New Yorks wechselt der Ermittler aufs ungewohnte Finanzparkett. Beim Börsengang des Kölner Verlagshauses Bastei Lübbe spielen Heftchen-Helden wie der FBI-Mann die Hauptrolle: Denn mit den digitalen Erben von Cotton, Lassiter, Bergdoktor & Co will der Börsenneuling in die Zukunft starten.

Seit diesem Dienstag wird die Aktie von Bastei Lübbe an der Börse gehandelt. Kurz nach Handelsstart pendelte das Papier um den Ausgabepreis von 7,50 Euro. Der erste Kurs in Frankfurt lag bei 7,53 Euro, gegen Mittag sank er auf 7,35 Euro. Damit erweist sich der Börsengang zumindest im Augenblick nicht unbedingt als Riesenerfolg.

Anzeige

Auch den Gang aufs Parkett hat Bastei Lübbe nur mit Mühe geschafft. Die Kölner wurden weniger Aktien los als geplant und mussten diese zu einem geringeren Preis abgeben als gedacht. Insgesamt seien die Papiere zu 7,50 Euro das Stück platziert worden, hatte der Verlag am Donnerstag mitgeteilt. Ursprünglich wollte Bastei Lübbe 9 bis 11 Euro pro Aktie bekommen. Für 4 Millionen Papiere fanden sich Interessenten, eigentlich sollten 5,3 Millionen Aktien verkauft werden. Entsprechend niedriger fällt der Erlös aus: Statt der angepeilten bis zu 58,3 Millionen Euro erhalten die Kölner 30 Millionen Euro. Verleger und Mehrheitsaktionär Stefan Lübbe sprach dennoch von einem „erfolgreichen Börsengang“. Die Familie will die Mehrheit mit rund 60 Prozent der Anteile behalten.

Serien-Helden sollen auch den chinesischen Markt erobern

Jährlich verkauft der Verlag rund 12 Millionen der Hefte mit den bunten Titelbildern und dem typischen grauen Papier. Neben den Endlos-Serien im Stil des unermüdlichen FBI-Ermittlers Jerry Cotton mit mittlerweile fast 3000 Folgen hat der Kölner Verlag längst auch Romane internationaler Bestseller-Autoren wie Dan Brown (Inferno) oder Ken Follett (Die Spur der Füchse) sowie Sach- und Kinderbücher im Programm.

Wenn es um die neue Strategie geht, haben jedoch die Serien-Lieblinge die Nase vorn. „Hauptziele sind eine Internationalisierung und weitere Digitalisierung“, sagt Vorstandschef Thomas Schierack. Dabei sollen Serien-Helden aus deutscher Produktion auch den chinesischen Markt erobern.

Einen erfolgreichen Start in der chinesischen Hochsprache Mandarin habe etwa die in Berlin spielende Serie „Coffeeshop“ hingelegt. Die ausschließlich digital angebotenen Inhalte sollen die Kunden regelmäßig auf Smartphones oder Tablet-Pcs mitverfolgen können.

Fünf Autoren schreiben gleichzeitig für Jerry Cotton

„So sehen wir die Zukunft“, sagt Schierack. Die Mischung aus Text, Hörbuch, Spielen und Zusatz-Inhalten wie etwa Kochrezepten wird vor dem Angebot in internationalen Märkten von Fachleuten auf ihre „kulturelle Durchsetzbarkeit“ etwa auch in China geprüft. Auch der FBI-Mann könne sich nach Fernost aufmachen. „Das Risiko ist überschaubar.“ Auch in weiteren Ländern soll das digitale Serien-Angebot weiter ausgebaut werden. „Keine Druckkosten, keine Lagerung, kein Transport“, so beschreibt Schierack das digitale Geschäftsmodell.

Bei seinen Präsentationen vor internationalen Finanzinvestoren hatte der Bastei Lübbe-Chef auch einen Stapel der schmalen Heftchen mit den Geschichten den FBI-Ermittlers im Aktenkoffer. „Wir haben die jetzt immer dabei, in Paris und in Genf, und die bekommen große Augen wenn sie die Romanhefte sehen, weil sie so etwas nicht kennen“, berichtet er. „Jerry Cotton ist unsere Vergangenheit und ist durchaus geeignet ein Teil der Zukunft zu sein“, sagt Schierack.

Autoren für die selbst produzierten Serien sollen in einer eigenen Akademie ausgebildet werden. Und der Bedarf ist groß: So schreiben allein fünf Autoren gleichzeitig für die Jerry Cotton-Serie.

Zukunftschancen für das gedruckte Buch

Und Nutzer sind auch bereit, für das schnelle digitale Lesevergnügen zu bezahlen, ist sich Schierack sicher. „Das ist keine Information, das ist Unterhaltung, die gibt es nicht kostenlos im Netz“, sagt er. Für das gedruckte Buch sieht der Bastei Lübbe-Chef allerdings auch Zukunftschancen: „Das Buch ist immer noch das wichtigste Geschenk“, ist er sich sicher. „Ich glaube nicht, dass das drastisch heruntergeht“.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...