Unternehmen Siemens will weltweit 15.000 Jobs streichen

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Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser greift durch und macht Schluss mit den monatelangen Spekulationen um den Stellenabbau: "Siemens 2014" kostet in diesem und im kommenden Jahr weltweit rund 15.000 Arbeitsplätze, davon 5000 in Deutschland. Das ist weit mehr, als in den vergangenen Monaten vermutet worden war.

Auch Arbeitnehmervertreter scheinen diese Nachrichten am Sonntagmittag kalt erwischt zu haben, sie reagieren umgehend und empört: „Den Arbeitnehmervertretern wurde nie eine Gesamtzahl über den Abbau bekanntgegeben, daher sind wir überrascht und maßlos verärgert“, erklärt Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Von der Ruhe im Konzern, die sich Kaeser bei seinem Amtsantritt vor nur zwei Monaten zum Ziel gesetzt hatte, also weiter keine Spur.

Über rund 10.000 bedrohte Jobs bei Siemens war in den vergangenen Monaten immer wieder spekuliert worden. Weil Informationen dazu nur scheibchenweise kamen, stand Deutschlands Vorzeigekonzern immer wieder in der Kritik.

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Keine betriebsbedingten Kündigungen in Deutschland

Zumal Kaesers Vorgänger Peter Löscher, der nach einer neuerlichen Gewinnwarnung und einem Machtgerangel Ende Juli seinen Posten räumen musste, auf alle Nachfragen immer nur betonte, dass das Unternehmensprogramm „Siemens 2014“ nicht auf Stellenabbau ziele. Die jetzt kommunizierten Zahlen sprechen eine andere Sprache, auch wenn Siemens seine weltweite Beschäftigtenzahl von zuletzt 368.000 unter dem Strich in dem an diesem Montag endenden Geschäftsjahr weitgehend stabil halten will.

Gelingen soll das beispielsweise über firmeninterne Versetzungen und Fluktuation. Als weitere sozialverträgliche Maßnahmen sind Altersteilzeitregelungen, Abfindungen und Weiterqualifikationen für betroffene Beschäftigte vorgesehen. Betriebsbedingte Kündigungen dagegen schließt das Unternehmen für die deutschen Standorte aus.

In Deutschland seien alle anstehenden Einschnitte den Arbeitnehmern bereits bekannt, heißt es aus dem Unternehmen. So wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Interessenausgleiche ausgehandelt. Dass es dabei immer wieder heftig knirschte, zeigt auch der erst kürzlich bekanntgegebene Abgang von Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer deutlich: Ihr Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern sei zerrüttet gewesen, hieß es dazu in informierten Kreisen.

Vor allem der Industriesektor wird geschrumpft

In Deutschland trifft der Stellenabbau am heftigsten den Industriesektor: Hier fallen rund 2000 Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten weg. Jeweils 1400 Jobs werden in den Sektoren Energie sowie Infrastruktur & Städte gestrichen, der Rest entfällt auf die Zentrale, wie es bei dem Unternehmen heißt.

Wie sich der Abbau regional und auf einzelne Geschäftsfelder genau aufteilt, wird zunächst nicht bekannt. Für einzelne Standorte waren aber in der Vergangenheit bereits immer wieder Zahlen aus den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern durchgesickert, darunter beispielsweise Erlangen, Offenbach und Leipzig.

Obwohl die Gespräche also offenbar weit gediehen sind, gibt sich Gesamtbetriebsratschef Adler weiter kämpferisch. Bei Siemens müsse endlich „der Mensch und nicht nur die Marge im Mittelpunkt“ stehen, erklärt Adler. „Das werden wir auch weiterhin in den Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite einfordern. Die Auseinandersetzungen zu diesem Thema sind noch nicht beendet.“

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