Unternehmen Vollgas für das Bobby-Car

Das Führungstrio von Simba Dickie: Firmeninhaber Michael Sieber (CEO, Mitte) mit seinen Geschäftsführern Uwe Weiler (COO, links) und Manfred Duschl (CFO, rechts).

Das Führungstrio von Simba Dickie: Firmeninhaber Michael Sieber (CEO, Mitte) mit seinen Geschäftsführern Uwe Weiler (COO, links) und Manfred Duschl (CFO, rechts).© Simba Dickie

In seinem Reich werden Puppen hergestellt, Modelleisenbahnen und Bobby-Cars. Die Simba-Dickie-Gruppe ist das größte deutsche Spielzeugunternehmen. Was Firmenchef Michael Sieber antreibt - und was er als größte Herausforderung sieht.

Michael Sieber lässt sich trotz der Sommerhitze einen doppelten Espresso kommen und redet in atemberaubender Geschwindigkeit. Das Tempo des 56-jährigen Chefs der Spielzeugfirma Simba-Dickie ist enorm. Dass dabei nicht jeder mitkommt, ist ihm bewusst. „Ich mache alles zu schnell. Da arbeite ich noch dran“, erzählt der Unternehmensinhaber mit einem zerknirschten Lächeln. Seine Ungeduld scheint der Firma bislang nicht geschadet zu haben: Mit einem Umsatz von zuletzt 615 Millionen Euro hat Sieber seine Gruppe zur größten deutschen Spielzeugfirma geformt.

Branchenkenner bescheinigen ihm, „einen richtig guten Job“ zu machen. Mit Herzblut sei Sieber dabei – deshalb bestehe auch die Hoffnung, dass er den lange Zeit darbenden Modelleisenbahnhersteller Märklin dauerhaft wiederbelebe. Mit Übernahmen kennt sich Sieber aus: Die Simba-Dickie-Group vereint bereits 15 Marken unter ihrem Dach. Darunter sind der Bobby-Car-Hersteller Big, der Holzspezialist Eichhorn und der Modellautobauer Schuco.

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„Wir wollen immer wertorientiertes, nachhaltiges Wachstum. Alles andere ist gefährlich“, schildert Sieber seine Philosophie. Sein Ziel: „Wir wollen definitiv ein Familienbetrieb bleiben, unabhängig von Banken und Investoren.“ Diese Botschaft bekommen auch sein Sohn Florian sowie seine beiden Neffen Felix und Maximilian Stork eingeimpft, die derzeit als künftige Geschäftsleitung eingearbeitet werden. Die Übergabe an die nächste Generation sieht Sieber als größte Herausforderung für die verbleibenden Jahre seines Berufslebens.

Doppelstrategie bei wichtigen Entscheidungen

Aus dem Tagesgeschäft hat sich Sieber bereits zurückgezogen, kümmert sich stattdessen um übergeordnete Themen wie Strategie, IT und Finanzen. „Trotzdem bekomme ich relativ viel mit und weiß, was gespielt wird.“ Bei wichtigen Entscheidungen fährt er eine Doppelstrategie: „Ich bin ein Bauchmensch, will aber immer noch eine Nacht oder zwei darüber schlafen. Ich brauch da Zeit, auch für mich.“

Freie Zeit ist etwas, das Sieber nur selten hat. Wenn Luft ist, gehen seine Frau und die drei Kinder vor. Lange war Sieber die Hälfte des Jahres auf Reisen, auch jetzt noch ist er viel unterwegs. „Wenn ich Unternehmer bin, muss ich es mit ganzem Herzen sein, da muss man Vorbild sein“, findet er. Entsprechend fordere er auch von seinen Beschäftigten vollen Einsatz, biete ihnen aber im Gegenzug Vertrauen und Freiraum für unternehmerisches Handeln.

Er selbst wuchs in der Branche auf, sein Vater exportierte Holzspielzeug aus dem Erzgebirge und vertrieb nach der Flucht in den Westen die Matchbox-Autos. „Ich bin da reingeboren worden. Schon als Kind haben wir zu Hause Heimarbeit gemacht und Artikel verpackt“, erinnert sich der 56-Jährige. Gemeinsam gründeten er und sein Vater 1982 Simba Toys, bauten schon kurz darauf eine erste Niederlassung in Hongkong auf. Die Franken gehörten später auch zu den ersten, die bereits zur Jahrtausendwende einen Teil der Produktion wieder nach Europa zurück verlagerten. Seither sind die Preise im weltweit größten Herstellerland China rasant gestiegen.

Was Sieber antreibt

Was ihn antreibt, weiß Sieber ganz genau. „Man will aufs Treppchen. Erfolg ist eine Droge!“ In Deutschland hat er es schon auf’s Podest geschafft, nur Lego und Mattel verkaufen hierzulande mehr Spielsachen. Disziplin, Fleiß, Bauchgefühl und die Fähigkeit, Menschen einschätzen zu können, hätten ihm seinen Erfolg ermöglicht, resümiert Sieber. Ein weiterer Erfolgsfaktor: „Ich kann Menschen für meine Ideen mitreißen und begeistern.“ Das bestätigen auch seine oft langjährigen Mitarbeiter. Zu seinem 50. Geburtstag haben sie ihm eine Oscar-Statue geschenkt – „für das bisherige Leben als Spielwaren-Papst“.

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