Unternehmen Software-Pionier auf der Flucht

Verglichen mit dem Rausschmiss bei seinen zwei Ex-Frauen sei seine Ausweisung aus Guatemala in die USA sehr freundlich verlaufen: Multimillionär John McAfee ist auf seiner spektakulären Flucht aus Belize nach einem Mordfall in Miami angekommen – und zeigt sich plötzlich extrem medienscheu.

Vor einer Woche floh der US-Multimillionär John McAfee aus seiner mittelamerikanischen Wahlheimat Belize nach Guatemala. Hintergrund: Sein Nachbar wurde ermordet, die Polizei sucht ihn – einige sagen, nur als „Person von Interesse“, einige US-Medien schreiben aber, er sei der Hauptverdächtige. Die Flucht wurde zum Medienereignis, als McAfee twitternd, bloggend und Interviews gebend die Welt an jedem seiner Schritte und Gedanken teilhaben ließ.

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Auf der Flucht vor der Polizei im Sand vergraben

Im Interview mit dem US-Magazin „Wired“ stellte der 67-Jährige etwa klar: Nein, er habe seinem Nachbarn nicht mit einer Neun-Millimeter-Pistole in den Hinterkopf geschossen. Er sei kein Mörder, er werde von den Behörden verfolgt. Man wolle ihn beseitigen, das sei keine Frage. Als man ihn in seinem Strandhaus habe festnehmen wollen, habe er sich im Sand eingegraben und einen Pappkarton über seinen Kopf gestellt, um atmen zu können.

McAfee galt schon immer als exzentrisch, konnte sich das bislang aber leisten. In den 1980er Jahren gründete der gebürtige Brite das Softwareunternehmen McAfee, einen Spezialisten für Antivirenprogramme, und wurde mit dem Startup einer der ersten Unternehmer im Silicon Valley, der dank des Internets ein Vermögen verdiente. 2010 verkaufte er die Firma für 7,7 Mrd. Dollar an den Chipkonzern Intel. Heute können McAfee-Firmensprecher nicht oft genug betonen, dass der Gründer mit dem Unternehmen außer dem Namen nichts mehr gemein hat.

Oben-ohne-Fotos mit monströser Flinte

Nach dem Verkauf ist McAfee ein reicher Mann. 100 Mio. Dollar soll er damals bekommen haben. Sein Vermögen entgleitet ihm jedoch rasant. Er zahlt für schnelle Autos, Leichtflugzeuge und für Immobilien, die in der Wirtschaftskrise spektakulär an Wert verlieren. Nach US-Berichten ist sein Vermögen auf 4 Mio. Dollar geschrumpft. McAfee verkauft seine letzten Häuser in den USA und wandert nach Belize aus. Dort schreibt er Bücher über Yoga, züchtet im Dschungel seltene Pflanzen, um neue Antibiotika herzustellen. Der ehemalige Internetpionier posiert auf Fotos mit freiem Oberkörper, großzügig tätowiert, und zeigt sich mit Bodyguards, jungen Frauen und Waffen.

Bis ein Mordfall die Kleinstadt San Pedro erschüttert, ein Taucherparadies mit schönen Stränden und Häusern, in denen Menschen ihren Wohlstand genießen. Der Bauunternehmer Gregory Faull, wie McAfee ein Amerikaner, wird Anfang November erschossen auf seinem Grundstück auf der Insel Ambergris Caye entdeckt. Faull hatte sich kurz vor seiner Ermordung über aggressive Hunde und die Wachleute auf dem McAfee-Grundstück beschwert. Als die Polizei den Computerviren-Spezialisten dazu befragen will, taucht McAfee unter und flüchtet schließlich zusammen mit seiner 20 Jahre alten Freundin nach Guatemala.

Landung in Miami – ohne die Freundin

In Guatemala wird der Millionär verhaftet – wegen illegaler Einreise. Statt ihn nach Belize abzuschieben, wo er gesucht wird, setzten ihn die Behörden gnädigerweise in eine Linienmaschine und schieben ihn in die USA ab. Nach Berichten von US-Medien landete McAfee am Mittwochabend in Miami im Bundesstaat Florida – offenbar ohne seine belizische Freundin, die ihn bislang begleitet hatte.

„Sie haben mich aus der Zelle geholt und in ein verdammtes Flugzeug gesetzt“, sagte McAfee noch vor Abflug aus Guatemala-Stadt dem Sender ABC. Er habe keine Wahl gehabt. Jedoch seien die Behörden des mittelamerikanischen Landes auch „nett“ zu ihm gewesen. „Es war die freundlichste Ausweisung, die ich je erlebt habe. Verglichen mit meinen beiden Ex-Frauen, die mich rausgeschmissen haben, ist dies kein schrecklicher Trip.“ Gegenüber Bloomberg TV erklärte McAfee, er sei völlig zufrieden mit der Entscheidung.

Plötzlich schüchtern

Gleich nach der Landung in Miami nahmen Bundesbeamte den Ex-Internetpionier in Empfang und führten ihn durch eine Seitentür aus dem Ankunftsbereich, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf einen Flughafensprecher. Ob es darum ging, den Mann, der bislang eifrig die Öffentlichkeit suchte, an der wartenden Presse vorbei zu geleiten, oder ob die Beamten McAfee befragen wollten, ist nicht ganz klar.

Sicher ist aber: McAfee legt plötzlich weniger Wert auf öffentliche Aufmerksamkeit. Kurz nach seiner Ankunft in Miami schrieb der Computerviren-Spezialist in seinem Internet-Blog: „Ich bin in South Beach.“ CNN meldete, McAfee befinde sich dort in einem Luxushotel. Der Blog-Eintrag wurde dann aber wieder entfernt und durch eine Bitte an die Medien ersetzt, seine Privatsphäre zu achten. Ob er in dem Hotel bleiben werde oder wie seine weiteren Pläne aussehen, wollte McAfee gegenüber CNN nicht sagen. Wenn es nach ihm ginge, wäre das Spektakel wohl an seinem Ende angelangt. Doch der Mordfall wird McAfee weiter verfolgen. Es bleibt fraglich, ob die USA ihn schützen werden, wenn mögliche Details aus Belize auf seine Schuld hindeuten.

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