Unternehmen Solarworld bekundet Interesse an Teilen von Bosch-Solarsparte

Das Eigenkapital ist komplett aufgebraucht und Solarworld verhandelt mit seinen Gläubigern über eine Reduzierung der Schulden. Trotzdem bekundet Vorstandschef Frank Asbeck Interesse daran, die Bosch-Solarsparte zu übernehmen. Doch zur Finanzierung sagt er nichts.

Die in die Krise geratene Bonner Solarworld AG ist nach den Worten ihres Vorstandschefs Frank Asbeck an einem Einstieg bei der Bosch-Solarsparte interessiert. «Wir sind an Teilen der Bosch-Produktion interessiert, insbesondere an der Solarzellen-Fertigung», sagte Asbeck in einem Interview mit dem «Handelsblatt» (Freitag). Zu einer möglichen Finanzierung einer solchen Übernahme äußerte sich Asbeck nicht.
Der Bosch-Konzern hatte Ende März nach Verlusten in Milliardenhöhe den Ausstieg aus dem Solargeschäft beschlossen.

Solarworld, das seit längerem mit Banken und Anleihegläubigern über eine Reduzierung der Schulden verhandelt, hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass das Eigenkapital aufgezehrt sei. Die ohnehin schwer gebeutelte Aktie ging daraufhin am Donnerstag weiter auf Talfahrt, erholte sich am Freitagvormittag aber um knapp fünf Prozent. Das operative Geschäft sei von der Entwicklung beim Eigenkapital nicht beeinflusst, sagte Asbeck in dem Interview. Diese Entwicklung «stört uns auch nicht bei den Gesprächen mit unseren Gläubigern über eine Restrukturierung der Finanzen». Die Liquidität von Solarworld sei nach wie vor hoch.

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Sein Unternehmen kämpfe dafür, dass es auch noch 2014 existieren werde.
Die deutsche Solarindustrie nicht gegen die Staatsindustrie Chinas zu verteidigen, wäre ein Armutszeugnis für den Industriestandort Deutschland.
«Auch für Fertigungen wie die von Bosch Solar muss aus meiner Sicht daher eine deutsche Lösung gefunden werden.»

Das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld stürzte
2012 tief in die roten Zahlen, das Eigenkapital ist nach Unternehmensangaben komplett aufgezehrt. Die Anleger reagierten entsetzt.
Die Aktie brach am Donnerstag im Handelsverlauf zeitweise um mehr als 30 Prozent auf 0,56 Euro ein. Zur Zeit des Solarstrom-Booms 2007 notierte das Papier noch bei 47,95 Euro.
Schlechte Nachrichten kamen auch vom Solarmodulhersteller Aleo Solar.

Die Branche steckt seit längerem in einer tiefen Krise. Zu schaffen machen vor allem der dauerhafte Preisverfall durch Billigimporte aus China und die Streichung staatlicher Zuschüsse für den Bau von Photovoltaik-Anlagen.

Die Bonner Solarworld bezifferte den Verlust nach Steuern für 2012 auf
520 Millionen bis 550 Millionen Euro. Das Eigenkapital wird sich nach aktueller Schätzung auf minus 20 Millionen bis 50 Millionen Euro belaufen.
2011 hatte in der Bilanz des Unternehmens noch eine Summe von 630 Millionen Euro gestanden. Vorstandschef und Unternehmensgründer Frank Asbeck, der rund 27 Prozent an Solarworld hält, verhandelt seit längerem mit Banken und Anleihegläubigern über eine Reduzierung der Schulden.

In der Branche war sogar von einem bevorstehenden Schuldenschnitt die Rede. «Wir befinden uns in konstruktiven und zielorientierten Gesprächen mit unseren Gläubigern», sagte der Manager der Nachrichtenagentur dpa.
Wegen der laufenden Gespräche mit seinen Geldgebern hatte Solarworld unter anderem im März die Bilanzpressekonferenz abgesagt. Seine Aktionäre will das Unternehmen jetzt zu einer außerordentlichen Hauptversammmlung einladen. Der Termin steht noch nicht fest.

Schlechte Nachrichten auch von Aleo Solar

Der Solarmodulhersteller Aleo Solar rutschte im ersten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) stehen von Januar bis Ende März 16,3 Millionen Euro Verlust, wie das in Oldenburg und Prenzlau ansässige Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
Damit verdoppelte sich das Minus gegenüber dem ersten Vorjahresviertel (minus 8,2 Mio Euro).

Den noch vorläufigen Zahlen zufolge brach der Umsatz aus dem Startquartal um gut 40 Prozent auf 31,1 Millionen Euro ein. Die endgültigen Zahlen mit dem Nettoergebnis folgen am 14. Mai. Die Aktie von Aleo Solar geriet weiter unter Druck. Binnen eines Jahres sind die Papiere von damals rund 20 Euro auf weniger als 2 Euro gefallen.
Bei Aleo Solar arbeiteten Ende 2012 gut 920 Mitarbeiter.

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