Unternehmen Solarworlds Rettungsplan

Das Solarworld-Werk im sächsischen Freiberg.

Das Solarworld-Werk im sächsischen Freiberg. © Solarworld

Befreiungsschlag beim einstigen Musterkonzern Solarworld: Die Bonner holen einen Großinvestor aus Katar und Gründer Asbeck greift tief ins Privatvermögen. Die EU-Schutzzölle gegen Solar-Importe geben dem Unternehmen neue Hoffnung.

Der schwer angeschlagene Solarmodulhersteller Solarworld will sich mit einem Schuldenschnitt und frischem Geld aus Katar retten. Die dazugehörigen Verträge mit den Banken seien am Dienstag unterzeichnet worden, sagte Firmengründer Frank Asbeck. Anfang August müssen noch die Gläubiger zweier Anleihen und die Hauptversammlung zustimmen.

Nach dem Rettungsplan steigt der Investor Qatar Solar mit 35 Millionen Euro ein. Er gibt außerdem ein Darlehen von 50 Millionen Euro, Firmengründer Frank Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere 10 Millionen Euro zu. 55 Prozent der Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden auf nur noch 5 Prozent des Unternehmenswertes abgewertet. Zu den Verlierern zählt dabei aus Asbeck selbst, dessen Aktienanteil von 28 auf 1,4 Prozent schrumpft. Asbeck kauft aber für seine zehn Millionen Euro nach. Sein Gesamtaktienanteil werde am Ende bei 20,9 Prozent liegen, sagte er.

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„Wenn das Konzept so umgesetzt wird, können wir wieder durchstarten“, sagte Asbeck. Er sei fest überzeugt dass Solarworld restrukturierbar sei, und er glaube an den technologischen Vorsprung des Unternehmens. Schon 2014/2015 seien wieder schwarze Zahlen möglich. Derzeit verdiene das Unternehmen allerdings kein Geld.

Solarworld beschäftigt noch 2600 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Deutschland. In Spitzenzeiten waren es insgesamt 3500. Weiterer Personalabbau sei nicht geplant, sagte Asbeck.

Hoffen auf die EU-Schutzzölle
Das einstige Vorzeigeunternehmen war durch die billigere chinesische Konkurrenz tief in die roten Zahlen geschliddert. Allein 2012 betrug der Verlust knapp 480 Millionen Euro. Das Management hofft aber auf die politisch umstrittenen EU-Schutzzölle gegen chinesische Konkurrenzprodukte. Die Zölle, die von der chinesischen Regierung vehement abgelehnt werden, betragen aktuell 11,8 Prozent und sollen Anfang August auf 47 Prozent angehoben werden. Dann sei wieder ein fairer Wettbewerb möglich. „Dumping darf man nicht tolerieren“, sagte Asbeck.

Das Unternehmen ist aktuell mit 931 Millionen Euro verschuldet. Knapp 427 Millionen Schulden bleiben nach dem Schnitt stehen und sollen in mehreren Schritten in den kommenden Jahren zurückgezahlt werden. Der endgültige Abschluss der Verträge wird – die Gremienzustimmungen vorausgesetzt – zwischen November dieses Jahres bis Anfang 2014 erwartet.

Die Anleihen-Gläubiger müssen noch zustimmen
Für die Zustimmung der Anleihen-Gläubiger ist zunächst am 8. und 9. Juli eine Versammlung geplant, die aber eine hohe Beteiligung von 50 Prozent erreichen müsste. Wenn dies nicht gelinge, müssten bei einem weiteren Termin nur noch 25 Prozent der Anleihegläubiger vertreten sein, so das Unternehmen. Die entscheidende Hauptversammlung ist für den 7. August geplant.

Solarworld präsentiere bei der größten Solarmesse der Welt Intersolar, die an diesem Mittwoch in München beginnt, ein neues Premiumprodukt und werde für die Standardmodule ab sofort die Preise senken, kündigte Asbeck an.

Solarworld sieht sich in Europa und in den USA als Marktführer. Der europäische Markt sei durch Dumping und Förderkürzungen insgesamt stark geschwächt, sagte Asbeck. Aber auch hier laufe das Geschäft – etwa in Frankreich, Italien und Benelux. Daneben sei das Unternehmen in Afrika und Asien, vor allem in Japan, aktiv. Der Konzern fertigt in Freiberg/Deutschland und in Hillsboro/USA.

Analysten sehen die Zukunft des Unternehmens wegen der hohen Produktionskosten in Deutschland skeptisch und kritisieren, dass Solarworld für die wichtigen Absatzmärkte China, Japan und USA noch keine ausreichenden Vertriebsstrukturen habe.

1 Kommentar
  • P. Meier 19. Juni 2013 10:06

    Das Privatvermögen der Herrn Asbeck stammt doch zu 95% aus dem Börsengang von Solarworld. Also wo ist die Leistung? Slarworld wurde überwiegend durch den Größenwahn der Familie Asbeck in den Abgrund getrieben.

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