Unternehmen Spekulationen um Millionen: Streit um Schubert-Erbe vor Gericht

Der einstige Frankfurter Bierkönig Bruno H. Schubert hat vielleicht nichts als Schulden hinterlassen. Dennoch wird um das Erbe erbittert gestritten - jetzt befasst sich das höchste deutsche Zivilgericht mit dem Fall.

Erbt die Witwe oder die Stiftung? Vor dem Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) geht es am diesem Mittwoch um die Bilanz eines schillernden Lebens. Bruno H. Schubert, ehemaliger Eigentümer der Henninger-Brauerei, Frankfurter Ehrenbürger, Mäzen, Lebemann und 2010 im Alter von 90 Jahren gestorben, hatte kurz vor seinem Tod seine über 60 Jahre jüngere zweite Frau als Alleinerbin eingesetzt.

Jahre zuvor war in einem Erbvertrag festgelegt, dass die von Schubert gegründete Umweltstiftung alles bekommt. Die Stiftung bezweifelt, dass dieser Vertrag tatsächlich aufgehoben wurde und sie wirklich enterbt ist. Zwei Instanzen hatten der Witwe recht gegeben.

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Ob es überhaupt etwas zu erben gibt, ist aber unklar. Über den Nachlass wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Mehrere Gläubiger, darunter das Finanzamt, haben Forderungen in Millionenhöhe angemeldet.

Wurden Millionen im Ausland versteckt?

Spekuliert wird, dass etliche Millionen im Ausland versteckt wurden. Gefunden hat sie Insolvenzverwalter Jan Roth noch nicht. Zwar habe er Hinweise, aber „die Menschen, die beteiligt sind, reden nicht gern“, sagte Roth auf Anfrage. Außer dem Erlös aus dem Verkauf einer Schubert-Villa in Bayern sei noch nichts in der Insolvenzmasse gelandet. Wie viel die Versteigerung des Anwesens im Berchtesgadener Land brachte, sagt Roth nicht. Das Finanzamt fordert nach früheren Angaben mehrere Millionen Euro aus dem Nachlass.

Neben dem Streit um das Erbe gibt es viele ungeklärte Fragen: Ob die inzwischen 30 Jahre alte Witwe ihren Mann wie sie beteuert bis zum Schluss fürsorglich gepflegt hat, wird angezweifelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie, Schuberts Arzt und einen Anwalt wegen unterlassener Hilfeleistung. Eineinhalb Jahre nach seinem Tod wurde Schubert exhumiert, in seiner Leiche fanden Gerichtsmediziner starke Medikamente. Unklar ist, ob sie verordnet wurden und wer sie verabreicht hat. Außerdem sieht sich die Schubert-Witwe einem Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung ausgesetzt.

Gerichtskosten in sechsstelliger Höhe

In dem Prozess vor dem BGH geht es zwar formal um das Erbe des einst viele Millionen schweren Schubert. Aber da von dem Vermögen derzeit nichts aufzufinden ist, geht es nun in erster Linie darum, wer die Kosten des Verfahrens tragen muss. Sechsstellige Beträge sollen inzwischen auf dem Weg durch die Instanzen aufgelaufen sein.

Für die Stiftung, die Schubert einst gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau zur Förderung des Umweltschutzes gegründet hat, sei das kein Problem, versichert Vorstand Peter Nerger, ein außerehelicher Sohn Schuberts. „Die Stiftung kommt nicht ins Strudeln.“ Finanziell wurden Vorkehrungen getroffen: Der ursprünglich jedes Jahr verliehene Schubert-Preis wird nun nur noch alle zwei Jahre vergeben, die Preissumme ist auf immer noch stattliche 70 000 Euro reduziert.

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