Unternehmen Staatsanwälte ermitteln gegen Leuchtenhersteller Hess

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Nach dem Verdacht der Bilanzmanipulation feuerte der Schwarzwälder Leuchtenhersteller Hess am Montag seine beiden Vorstände. Nun hat die Staatsanwaltschaft erste Ermittlungen aufgenommen. Einer der Gescholtenen will sich wehren.

Nach dem Verdacht der Bilanzmanipulation beim börsennotierten Schwarzwälder Leuchtenhersteller Hess hat die Staatsanwaltschaft Konstanz erste Ermittlungen aufgenommen. Die Vorwürfe werden überprüft, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Dies geschehe in Abstimmung mit der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim.

Die in Villingen-Schwenningen ansässige Hess AG hatte am Montag mitgeteilt, dass es „über einen längeren Zeitraum mit Kenntnis des Vorstands zu Verstößen gegen Bilanzierungsregelungen gekommen ist“. Die beiden Hess-Vorstände waren deshalb am Montag mit sofortiger Wirkung entlassen worden.

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Das Unternehmen werde unter der Führung des neuen Vorstandchefs Till Becker (55) die Finanzen und die Finanzberichte nun umfassend prüfen, um das genaue Ausmaß des möglichen Schadens festzustellen. Dies werde Zeit in Anspruch nehmen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Die beiden gefeuerten Hess-Vorstände sind Christoph Hess und Peter Ziegler. Hess, der das Unternehmen in dritter Generation geleitet hatte, ließ am Dienstag mitteilen: „Ich war auf Auslandsreise und bin von diesem Vorgang völlig überrascht worden.“ Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe könne er nicht nachvollziehen. „Man hat mir bis heute auch nicht gesagt, was man mir konkret vorwirft oder mir gar Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.“ Nach einer Prüfung werde er „die erforderlichen Schritte ergreifen, um mich dagegen zu wehren“. Ziegler war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die an Finanzberichten beteiligte Beratungsgesellschaft wollte sich auf Anfrage vorerst nicht äußern.

Das Schwarzwälder Traditionsunternehmen war im vergangenen Oktober unter der Regie von Hess und Ziegler an die Börse gegangen und beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben 360 Mitarbeiter. Beim Börsengang federführend war die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Sie teilte am Dienstag auf Nachfrage mit, die Geschehnisse bei Hess ernst zu nehmen. Die Bank stelle aber fest, „dass bei dem Börsengang seitens der LBBW die üblichen Sorgfaltspflichten eingehalten wurden“.

So hätten testierte Jahresabschlüsse der Jahre 2009 bis 2011 sowie ein Bestätigungsschreiben des Wirtschaftsprüfers des Unternehmens vorgelegen. Zudem sei ein weiteres Gutachten einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeholt worden.

Im jüngsten Finanzbericht aus dem November 2012 hatte der Hersteller von Außen- und Architekturbeleuchtungen ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von gut einem Drittel auf mehr als 58 Millionen Euro für die ersten neun Monate ausgewiesen. Um Sondereffekte des Börsengangs bereinigt ergebe sich vor Zinsen und Steuern ein Ergebnis von 4,29 Millionen Euro (plus 57,7 Prozent).

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