Unternehmen Staatsanwaltschaft durchsucht Kienbaum-Büros

Personalberatungen gehen im Umgang mit Rivalen alles andere als zimperlich um. Eine neue Dimension der Auseinandersetzungen ist nun im Fall Kienbaum versus von Rundstedt erreicht. Staatsanwälte ermitteln wegen Verrat von Geschäftsgeheimnissen und Verstoß gegen das Urheberrecht.

Wenn Personalberater den Arbeitgeber wechseln, kommt es mitunter zu Scharmützeln zwischen den Rivalen. Nicht selten enden diese sogar in Gerichtsverfahren. Häufig geht es dann um strittige Provisionszahlungen, in Einzelfällen sogar schon mal um den gesamten Datenbestand, die der abgeworbene Headhunter mitgenommen haben soll. Die Aufregung ist dann maximal groß, weil diese Interna das wertvollste Gut der Firma darstellen.

Eine neue Dimension der Auseinandersetzungen ist nun im Fall der Konkurrenten Kienbaum und von Rundstedt erreicht. Im aktuellen Fall behauptet der Düsseldorfer Outplacementberater von Rundstedt, dass die Gummersbacher Management- und Personalberatung Kienbaum nicht weniger als sein Geschäftsmodell kopiert hat.

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Strafrechtlich wirft von-Rundstedt-Geschäftsführerin Sophia von Rundstedt drei ehemaligen Mitarbeitern Verrat von Geschäftsgeheimnissen und Verstoß gegen das Urheberrecht vor. Einen entsprechenden Bericht des „Handelsblatt“ bestätigte sie impulse.de. Strafanzeige hat von Rundstedt schon im März 2010 erstattet. Die Staatsanwaltschaft Berlin nimmt die Vorwürfe offensichtlich ernst. Aufgrund eines Anfangsverdachts hat sie Büros von Kienbaum in Berlin und in Düsseldorf sowie Privatwohnungen durchsucht. Die Razzia fand allerdings erst in der vergangenen Woche statt.

Warum Firmen Geld für Outplacement ausgeben

Ein Kienbaum-Sprecher sagte zu impulse.de: „Die Ergebnisse dieser Durchsuchungen sind uns nicht bekannt, auch kennen wir keinen hieraus resultierenden konkreten Tatvorwurf an unsere Mitarbeiter. Kienbaum unterstützt die Aufklärung der Vorgänge, geht bis zum Beweis des Gegenteils von der persönlichen Unschuldsvermutung aus. Sollte diese widerlegt werden, wird das Unternehmen die entsprechenden personellen Konsequenzen ziehen.“

Hintergrund: In 2009 waren drei von-Rundstedt-Führungskräfte zu Kienbaum übergelaufen. Ein ganz normaler Vorgang in der wechselfreudigen Branche. Diese drei bauten in der Folge bei Kienbaum das Geschäftsfeld Newplacement auf. Offenkundig mit Erfolg. Inzwischen macht die Kienbaum-Sparte mehrere Millionen Euro Umsatz. Von Rundstedt ist mit einem Jahreserlös von zuletzt rund 20 Mio. Euro wesentlich kleiner als Kienbaum (2011: 130 Mio. Euro Umsatz). Outplacement ist eine kleine, aber wachsende Sparte der Personalberatungsbranche. Rundstedt ist dort Marktführer und nach eigenen Angaben auch Innovationsführer.

Im Rahmen von Outplacement suchen Arbeitgeber für einen Mitarbeiter, von dem sie sich trennen wollen, mittels einer Beratung einen neuen Job. Sinn der Sache: Die Trennung soll möglichst konstruktiv ablaufen. Die Firma will damit an ihre Belegschaft das Signal senden, dass sie ein sozialer Arbeitgeber ist. Outplacement unterscheidet sich noch in Einzel- und Gruppenoutplacement. Von Rundstedt macht nach eigenen Angaben zwei Drittel des Umsatzes mit Einzeloutplacements.

Raue Methoden in der Branche

Lange Zeit war von Rundstedt unangefochtener Platzhirsch in der Outplacementbranche, doch in den letzten Jahren drängten mehr und mehr Firmen in das Segment. In der Folge wurden auch die Methoden der Geschäftsaquise rauer. Von Rundstedt weiß davon zu berichten, dass Kienbaum-Mitarbeiter sich in rufschädigender Weise über ihre Firma vor Kunden ausgelassen haben. Aber vor Staatsanwälten sei das im einzelnen sehr schwer nachzuweisen.

Von dem Geschäftsgebaren der drei ehemaligen Mitarbeitern hat von Rundstedt durch Kunden erfahren. Laut von Rundstedt fanden sich Textpassagen aus dem Klienten-Leitfaden ihrer Firma im neuen Handbuch „Newplacement“ von Kienbaum. Der Marktführer mahnte Kienbaum ab, deren Anwälte gaben im vergangenen August eine entsprechende Unterlassungserklärung ab. Zudem sollen angeblich besondere Rundstedt-Dokumente wie Formblätter, Reporting-Tabellen, Vorlagen, Arbeitsblätter und Muster kopiert und bei Kienbaum zweitverwertet worden sein.

„Sollte sich herausstellen, dass gestohlene Geschäftsgeheimnisse zugunsten von Kienbaum verwertet worden sind, behalten wir uns ausdrücklich weitere rechtliche Schritte vor“, sagt von Rundstedt. „Ursprünglich sind wir vom Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter ausgegangen. Jetzt, fast zwei Jahre, nach dem Erstatten der Anzeige, verdichtet sich der Eindruck, dass die Firma Kienbaum das Fehlverhalten der Mitarbeiter mindestens geduldet hat.“

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