Unternehmen Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ex-Beluga-Chef

Tiefer Fall eines ehemaligen Vorzeigeunternehmers: Erst ging die Reederei von Niels Stolberg pleite. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Kreditbetrugs gegen den Firmengründer erhoben. Er selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den früheren Chef der insolventen Bremer Beluga Reederei, Niels Stolberg, erhoben. Sie wirft ihm und einem anderen Ex-Manager Kreditbetrug in 16 Fällen vor. Sie sollen zwischen 2006 und 2010 Banken bei Krediten zur Finanzierung von Schiffsneubauten belogen haben. Bei 20 Schiffen hätten sie die Investitionskosten um insgesamt 93,3 Millionen Euro zu hoch angegeben.

Wohin das Geld geflossen ist, dazu wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, am Freitag keine Angaben machen. Nach Medienberichten soll Stolberg den überschüssigen Betrag mit den Werften geteilt haben, die die Schiffe bauten. Ein Sprecher von Stolberg sagte, dass sich der Reedereigründer zu den Vorwürfen nicht äußern werde. «Was wir aber ausschließen können, ist, dass Herr Stolberg sich in irgendeiner Form persönlich bereichert hat.» Das Landgericht Bremen muss jetzt entscheiden, ob es zum Prozess gegen die beiden Beschuldigten kommt.

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Wann das sein wird, lässt sich noch nicht absehen. Bei einer Verurteilung könnten Stolberg pro Straftat bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe drohen. Fest steht aber jetzt schon: Das Ende des einst zu den weltgrößten Schwergutreedereien gehörenden Unternehmens wird die Staatsanwaltschaft noch länger beschäftigen. «Das ist ein Ermittlungskomplex», sagte Passade. Ins Rollen gebracht hatte das Ganze der US-amerikanische Finanzinvestor Oaktree, den Stolberg 2010 mit ins Boot geholt hatte. Oaktree steckte eigenen Angaben nach 129 Millionen Euro in Beluga. Als die Schieflage der Reederei im Frühjahr 2011 bekanntwurde, stellte der Investor Strafanzeige wegen Bilanzfälschung und Betrugs gegen Stolberg und andere leitende Angestellte.

Bei einer Vernehmung der Staatsanwaltschaft gab der Ex-Reedereichef später zu, dass die Beluga-Spitze die Unternehmenszahlen frisiert hatte. Die Reederei ist inzwischen abgewickelt. Einen Teil führt Oaktree in dem Hamburger Unternehmen Hansa Heavy Lift fort. Der Großteil der mehreren Hundert Mitarbeiter verlor aber den Job. Stolberg selbst meldete Privatinsolvenz an. Oaktree ließ sein Vermögen jedoch sperren. Stolberg lebt nach Angaben seines Sprechers zurzeit zurückgezogen in Oldenburg. «Er wird sich den Vorwürfen mit voller Verantwortung vor Gericht stellen.»

Die Veruntreuung von Spenden für eine Schule in Thailand weist Stolberg aber vehement von sich. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Unternehmer, Spendengelder in Höhe von 500 000 Euro auf ein Firmenkonto umgeleitet zu haben. «Wir sind zuversichtlich, dass diese Vorwürfe ausgeräumt werden können», sagte Stolbergs Sprecher.
Stolberg hatte in Thailand eine Schule gegründet, um Waisenkindern nach dem Tsunami zu helfen. Nach Medienberichten soll das bei einer Spendenaktion im Fernsehen gesammelte Geld dort nicht angekommen sein.

Die Beluga-Reederei

Die Bremer Reederei Beluga Shipping wurde 1995 von Niels Stolberg gegründet. In der Blütezeit betrieb das auf Schwerlasttransporte spezialisierte Unternehmen rund 70 Schiffe.
Bekannt wurde Beluga unter anderem mit Versuchen, den Energieverbrauch seiner Frachter durch den Einsatz eines drachenartigen Segels zu reduzieren. Das Schiff «Beluga Skysails» unternahm Probefahrten. Mehrfach gerieten Beluga-Schiffe in die Hand von Piraten. Das Unternehmen wies für 2009 einen Umsatz von 415 Millionen Euro aus. 2010 beteiligte sich der US-Finanzinvestor Oaktree an dem Unternehmen, 2011 musste Stolberg gehen. Es folgten Insolvenz und Abwicklung der Firmengruppe. Von der Pleite waren rund 670 Mitarbeiter betroffen. Ein Teil der Schiffe kam zur neuen Schwerlastreederei Hansa Heavy Lift mit Sitz in Hamburg.

Aufstieg und Fall des Reeders Niels Stolberg

Reedereigründer, Unternehmer des Jahres, Kunstmäzen
– der 1960 an der Unterweser geborene Niels Stolberg kann auf eine glanzvolle Karriere mit jähem Ende zurückblicken. Der Sohn eines Kapitäns und einer Buchhändlerin schmiedete aus einer Zwei-Zimmer-Wohnung heraus binnen 15 Jahren eine der weltweit führenden Schwergutreedereien. Er trat als großzügiger Sponsor von Sportvereinen, Schulen und Museen auf. Er protestierte gegen die Atomkraft und machte sich als innovativer Vordenker einen Namen: mit sogenannten Skysails, speziellen Segeln, sollten seine Frachter Treibstoff sparen. Es blieb jedoch bei Versuchen.

Vor fast zwei Jahren begann der rasante Absturz von Stolberg. Der kurz zuvor an Bord geholte Finanzinvestor Oaktree entmachtete den Reedereigründer. Kurz darauf stellte der Investor Strafanzeige wegen Betrugs und Bilanzfälschung. Ein Beluga-Unternehmen nach dem anderen meldete Insolvenz an. Stolbergs Lebenswerk ist inzwischen abgewickelt. Seitdem ist es still um den einst schillernden Aufsteiger geworden. Zurzeit lebt der 52-Jährige zurückgezogen in Oldenburg. Er hat Privatinsolvenz angemeldet, sein Vermögen ist eingefroren.

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