Anzeige Stadtwerke müssen sparen

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Bochum.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Bochum. © StwBo

Die fetten Jahre mit zweistelligen Renditen sind vorbei: Deutschlands Stadtwerke müssen sparen, weil ihre Kraftwerke kaum noch Gewinne abwerfen. Fachleute raten zu mehr Kooperationen bis hin zu Fusionen.

Deutschlands Stadtwerke müssen den Gürtel enger schnallen: Rote Zahlen vor allem mit Gaskraftwerken, drastisch schrumpfende Gesamterlöse und damit weniger Abführung in die Kommunalkassen sind derzeit bundesweit zu sehen. Fachleute raten zu mehr Kooperationen. „Es darf auch keine Tabus geben, über eine Zusammenlegung von Stadtwerken zu sprechen“, sagt etwa Martin Wambach von der Beratungsgesellschaft Rödl&Partner, die bundesweit viel mit Kommunen zusammenarbeitet. Die Zukunft der Stadtwerke steht in dieser Woche auch bei der Jahrestagung des Versorgerverbandes BDEW in Berlin auf der Tagesordnung.

Stadtwerke waren viele Jahre die Gelddruckmaschinen der Kommunen. Deutliche Gewinne in der Energieversorgung, planmäßige Verluste beim Nahverkehr, unter dem Strich eine schwarze Null – so lautete lange Jahre die Arithmetik der Kommunalparlamente. Echte Fusionen ihrer Stadtwerke seien für die meisten Städte schon aus lokalpolitischen Gründen kaum vorstellbar, ergab eine Rödl&Partner-Studie.

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Angst um Eigenständigkeit
Zwar haben demnach fast zwei Drittel der Stadtwerke schon über Kooperationen nachgedacht oder sie in Teilen sogar umgesetzt, aber 88 Prozent der Befragten wollen dabei ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben, 80 Prozent können sich gemeinsame Aktivitäten nur mit einem Partner auf Augenhöhe vorstellen, 72 Prozent fordern einen Partner, der der Region verbunden ist. Die Studie beruht auf Antworten von 115 Geschäftsführern mittlerer und kleinerer Versorger vom März 2012.

Der Finanzbeitrag der Stadtwerke lässt in der Krise deutlich nach – etwa in Bochum, wo die Stadtwerke seit Jahren zwischen 30 und 40 Millionen Euro jährlich zum Etat beisteuerten. Nun werde die jährliche Gewinnabführung perspektivisch um etwa zehn Millionen Euro schrumpfen, sagte der Bochumer Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert Anfang Mai.

„Massive Verluste im Erzeugungsbereich“ und in der Folge deutlich schlechtere Gesamtergebnisse erwartet laut einer Mitteilung vom April auch der Hagener Kommunal-Versorger Enervie. Die Dortmunder Energieversorgungstochter DEW 21 hat wegen befürchteter „Nachteile in der konventionellen Erzeugung“ vorsorglich Rückstellungen gebildet. Duisburg verdient an seinen drei Kraftwerksblöcken (Gas und Kohle) kaum mehr und muss über drei Jahre verteilt 30 Millionen Euro einsparen – das bedeutet unter anderem den Wegfall von Boni und die vorzeitige Altersteilzeit für 100 Mitarbeiter.

Bochum kooperiert
Kooperationen gibt es bereits – etwa in Bochum über die gemeinsame Gesellschaft ewmr mit den Nachbarstadtwerken Herne und Witten. Dabei wird zum Beispiel bei der Datenverarbeitung kooperiert, Duisburg agiert zusammen mit der Nachbarkommune Dinslaken bei der Fernwärme.
Wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch Stadtwerkeverbünde wie Trianel mit inzwischen mehr als 60 Stadtwerke-Mitgliedern, die durch das größere Volumen beim Strom- und Gaseinkauf Millionenbeträge für die Mitglieder sparen, wie ein Sprecher sagte. Binnen Jahresfrist seien fünf Stadtwerke neu eingetreten.

Doch für wirklich spürbare Vorteile, die die Belastungen der Energiewende ausgleichen, braucht es mehr als Einkaufsgemeinschaften, sagt der Duisburger Stadtwerke-Sprecher Torsten Hiermann. An der Bereitschaft zu strukturellen Veränderungen fehlt es aus Sicht der Rödl&Partner-Studienautoren aber bisher. Der dramatische Wandel der Branche würde viel mehr Zusammenarbeit zwischen Kommunen erfordern.

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