Unternehmen Stiller Rat für den Rückzug

Ob exklusive Clubs oder Internetbörsen - in Netzwerken können sich Unternehmer gegenseitig helfen, eine Firmennachfolge vorzubereiten. Dabei begleiten sie meist auch erfahrene Berater. Doch Erfolg versprechen vor allem diskrete Treffen in kleinen Gruppen, denn für viele ist das Thema Übergabe nach wie vor ein Tabu.

Gibt man bei Google „Unternehmensnachfolge“ ein, erhält man unzählige Treffer: Kammern, Ministerien und Kreditinstitute weisen im Internet auf ihre Hilfestellungen hin, es mangelt nicht an Nachfolge-Börsen, Veranstaltungen, Initiativen. Manche heißen auch Clubs, etwa der Nachfolger-Club Sachsen-Anhalt, ein Landesprojekt, das scheidende Unternehmer und potenzielle Nachfolger zusammenbringt.

Eine der größeren Initiativen ist die des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Das Portal www.nexxt.org informiert über Fördermöglichkeiten und Finanzierung, ein Onlinetool hilft bei der Vorbereitung der Unternehmensnachfolge. In der Börse sind derzeit rund 6400 Firmen im Angebot, knapp 3000 Existenzgründer haben ein Kaufgesuch eingestellt. Auch können Geschäftsinhaber bei Nexxt nach einem passenden Berater suchen.

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Unternehmer stehen oft alleine da

Dabei könnten sie auch auf die Gesellschaft für Unternehmensnachfolge und Unternehmensführung (UNU) stoßen. Wolf Kempert gründete die Gesellschaft, nachdem er sich 15 Jahre lang in der Deutsche-Bank-Gruppe mit dem Thema befasst hatte. Kempert, der Unternehmer beim Übergabeprozess berät und auch für einige Industrie- und Handelskammern (IHKs) tätig ist, sieht die bestehenden Hilfestellungen kritisch: „Es gibt viele Börsen, und auch einiges für Nachfolger – aber die Unternehmer stehen relativ alleine da“, sagt er. Ein Erfahrungsaustausch finde kaum statt, da das Thema unter Unternehmern nach wie vor ein Tabu sei. „Nachfolge hat etwas mit Abgeben, im abstrakten Sinne auch mit Sterben zu tun“, hat Kempert erfahren.

Bei entsprechenden Veranstaltungen, so beobachtet der Verfasser des Buches „Praxishandbuch für den Nachfolger im Familienunternehmen“, stoße man daher vor allem auf Banker, Medienvertreter und Gründungsinteressierte – kaum aber auf Firmeninhaber, die ihren Rückzug vorbereiten wollten. „Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass sie nicht identifiziert werden möchten“, sagt er. Das hält einige Chefs schon davon ab, in Börsen zu inserieren: Einen Spezialmaschinenbauer mit 250 Angestellten im südwestdeutschen Raum zum Beispiel kann man mit ein bisschen Recherche schnell ausfindig machen.

Kempert plädiert daher für Workshops in kleinen Gruppen, maximal zwölf Personen, die möglichst in unterschiedlichen Branchen tätig sein sollten, damit keine Wettbewerber aufeinandertreffen. „Nur so besteht die Chance, dass es zu einem Erfahrungsaustausch kommt“, sagt er. Einige IHKs, etwa die IHK Potsdam, handhabten dies bereits so.

Ein Moderator fürs Zwischenmenschliche

Ebenfalls als hilfreich erwiesen hat sich das Konzept „Nachfolgemoderator“, das die IHK Heilbronn entwickelte und das Eingang in das „12-Punkte-Programm zur Sicherung der Unternehmensnachfolge“ des Landes Baden-Württemberg gefunden hat. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg wendet dieses Moderationskonzept seit 2008 an. Bislang hätten 190 gastgewerbliche Betriebe dieses bundesweit einmalige Angebot genutzt, sagt Daniel Ohl, Geschäftsführer Kommunikation beim Branchenverband.

Die Moderation übernimmt eine Person, die als eine Art Lotse durch den Prozess begleitet. „Er ist kein betriebswirtschaftlicher Berater, aber er weiß, wo man die Experten findet, woran man zu welchem Zeitpunkt denken muss und ähnliches“, erklärt Ohl. Das Programm ist für die Betriebe kostenlos, da es vom Land gefördert wird. Dass es eines solchen Angebots bedurfte, zeigen die Zahlen: Im Ländle steht 4000 von 33.000 Gastgewerben in den nächsten fünf Jahren ein Generationenwechsel bevor. Unternehmer, die scheitern, scheitern meist in den ersten drei Jahren nach der Gründung – die Unternehmensübergabe zu begleiten und so mehr Stabilität in die Branche zu bringen, sei im Interesse des Dehoga, sagt Ohl.

Das Konzept hält er deshalb für erfolgreich, weil sich der Moderator zu einer Vertrauensperson entwickle: „Das Zwischenmenschliche steht bei dieser Aufgabe im Vordergrund, schließlich erhält die beratende Person Einblicke in familiäre Konstellationen, die oft nicht einfach sind.“ Andere Angebote, etwa Seminare, seien bislang – im Vergleich zur regen Nachfrage nach Weiterbildungen insgesamt – nicht so gut angenommen worden, sagt Ohl. „Über den Moderator läuft inzwischen aber so etwas wie ein Erfahrungsaustausch, schließlich hat er schon einiges gesehen und schon einige Problemkonstellationen kennengelernt.“

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