Unternehmen Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich

Die Binnennfachfrage stütz momentan die deutsche Wirtschaft.

Die Binnennfachfrage stütz momentan die deutsche Wirtschaft. © industrieblick / Fotolia

Die Euro-Krise holt Deutschlands Firmen ein: Nach vier Anstiegen infolge, ist der wichtigste Stimmungstest der Wirtschaft überraschend leicht gesunken. Ifo-Präsident Sinn zeigt sich trotzdem optimistisch.

Die gute Laune der deutschen Wirtschaft hat zum Frühlingsbeginn einen leichten Dämpfer erlitten. Nach zuletzt vier Anstiegen in Folge ging der ifo-Index im März überraschend von 107,4 auf 106,7 Punkte zurück, wie das ifo Institut am Freitag mitteilte. Seit November war das wichtige Stimmungsbarometer gestiegen und hatte im Februar noch einen unerwartet großen Sprung nach oben gemacht.
Vielleicht einen zu großen Sprung: Viele Unternehmen hatten sich möglicherweise zu früh auf ein Ende der Eurokrise eingestellt.

Spätestens die politischen Wirren in Italien holten die Firmen aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Die Eurokrise ist zurück im Bewusstsein der Unternehmen“, sagte ifo-Volkswirt Klaus Wohlrabe. Von einer Trendwende könne aber keine Rede sein, die Stimmung sei weiter außerordentlich gut. Nach wie vor liege der ifo-Index über seinem langjährigen Durchschnitt. „Die deutsche Wirtschaft behauptet sich mit einer guten Binnenkonjunktur in schwierigem Umfeld“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

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Diese Einschätzung teilen auch andere Experten. „Die leichte Konsolidierung des Geschäftsklimas ist angesichts des enormen Anstiegs im Vormonat erst mal zu verschmerzen“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Nach dem starken Plus im Februar, seien die Erwartungen zu hoch gewesen. „Die weiteren konjunkturellen Aussichten hängen nämlich wesentlich davon ab, dass wir die Rezession in Europa überwinden“, sagte Zeuner. Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer räumt ein, dass der Rückgang unerwartet kam: „Trotzdem weist der Trend noch immer klar nach oben.“

Die Zypern-Krise hat in der Befragung unter bundesweit 7000 Firmen allerdings noch keine Rolle gespielt, die meisten Antworten gingen vor der dramatischen Zuspitzung der Lage auf der Mittelmeerinsel ein.
Eine große Gefahr sieht Krämer dort aber nicht. Selbst wenn Zypern den Euro verließe, „würde dies vermutlich nicht zu einer Eskalation der Staatsschuldenkrise führen, die die Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft zum Absturz bringen könnte“. Eine erneute Eskalation der Staatsschuldenkrise halte er insgesamt für eher unwahrscheinlich.

Die deutsche Wirtschaft jedenfalls ist trotz des Rückgangs noch in bester Stimmung. Ihre Lage bewerten die Unternehmen mit 110,2 Punkten nur einen Hauch von 0,3 Punkten schlechter als im Februar. Die Erwartungen fielen um einen Punkt auf 103,6 etwas deutlicher. Darin spiegele sich die wieder wachsende Unsicherheit hinsichtlich des Ausgangs der Eurokrise. Der Index-Wert von 106,7 liegt noch immer deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Seinen Tiefpunkt erlebte das Stimmungsbarometer im März des Krisenjahrs 2009 bei 84,6 Punkten.

2010 kletterte der Index ebenfalls im März wieder über die zumindest psychologisch markante Marke von 100 Punkten – und hält sich seither durchgängig darüber. Seinen bisherigen Rekordstand erreichte der Geschäftsklimaindex im Februar 2011 mit 115 Punkten.
Die Volkswirte sehen eine Trendwende erst, wenn der Index drei Mal in Folge eine Richtung hält.

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