Unternehmen Stromkonzerne gehen wegen Energiewende auf die Barrikaden

RWE-Chef Großmann äußert in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel Kritik an der eingeleiteten Energieumstellung der Bundesregierung. Während Konkurrent Vattenfall auf eine Entschädigung pocht, wartet EnBW noch ab.

Die Atomausstiegspläne der Bundesregierung stoßen bei den deutschen Kernkraftwerksbetreibern auf immer heftigeren Widerstand. RWE-Chef Jürgen Großmann forderte am Dienstag in einem „Brandbrief“ an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) deutliche Nachbesserungen des Ausstiegskonzepts – vor allem längere Laufzeiten für den vom Essener Konzern betriebenen Reaktor Gundremmingen B. Nach Eon verlangte außerdem auch Vattenfall eine „faire Kompensation“ für die mit der Energiewende verbundenen Vermögenseinbußen.

Großmann warnte in dem Schreiben an die Kanzlerin, nach den nun vorliegenden Plänen für einen stufenweisen Ausstieg könnten voraussichtlich Reststrommengen von „circa 60 Terawattstunden nicht verstromt werden“. Bei heutigen Strompreisen von gut 60 Euro je Megawattstunde entspräche das einem Schaden von über 3,6 Mrd. Euro.

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Der Manager beschwerte sich aber vor allem, dass die aktuelle Ausstiegsplanung die negativen Folgen der Energiewende „ungleich auf die Schultern der Kernkraftwerksbetreiber verteilt“. Dabei werde vor allem RWE benachteiligt. „Dass die Bundesregierung das Aus der Kernenergie beschlossen hat, müssen und werden wir selbstverständlich akzeptieren“, schrieb Großmann. Dann sei es aber nur gerecht, wenn jeder Betreiber die Mengen, die ihm im Atomgesetz von 2002 zugesichert worden seien, wenigstens auch in eigenen Anlagen verstromen könne.

Dies sei zwar für EnBW und vor allem Eon möglich, nach den bisherigen Planungen aber nicht für RWE. Der Essener Konzern sei vielmehr darauf angewiesen, rund 50 Terawattstunden in Anlagen anderer Betreiber zu verbrauchen. RWE fürchtet deshalb, diese Reststrommengen unter Wert veräußern zu müssen oder gar zu verlieren.

Eine einfache Lösung für das Problem hat Großmann in seinem Brief an die Kanzlerin allerdings auch parat. Nach dem Willen des RWE-Chefs soll der Reaktor Gundremmingen B statt 2017 erst Ende 2021 vom Netz gehen – wie sein Schwesterreaktor Gundremmingen C. „Bitte bedenken Sie, dass die Anlagen baugleich und innerhalb eines halben Jahres in Betrieb gegangen sind und daher wirklich nicht erkennbar ist, warum eine Anlage nach derzeitigem Ansatz vier Jahre früher als die andere abgeschaltet werden soll“, schrieb Großmann.

Auch der schwedische Energiekonzern Vattenfall machte unterdessen Entschädigungsansprüche für seine deutschen Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel geltend. Ein Unternehmenssprecher sagte, der Konzern wolle „eine faire Kompensation“ für die verbleibenden Reststrommengen und für die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, mit denen die Reaktoren in den vergangenen Jahren nachgerüstet worden seien. Über eine mögliche Klage gegen die Bundesregierung habe der Konzern aber noch nicht entschieden, sagte der Sprecher. Deutschlands größter Energieversorger Eon hat dagegen bereits juristische Schritte angekündigt.

Zurückhaltend agiert dagegen bislang der überwiegend im öffentlichen Besitz befindliche baden-württembergische Stromkonzern EnBW. Ein Unternehmenssprecher sagte, der Konzern wolle vor einer Entscheidung über das weitere Vorgehen, zunächst das weitere Gesetzgebungsverfahren beobachten. „Wir kommentieren das erst dann, wenn es eine gesicherte Basis gibt.“

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