Unternehmen Suche nach Investor bei österreichischem Schlecker-Nachfolger Dayli

Tausende Schlecker-Frauen schöpften mit Dayli neue Hoffnung: Doch das Konzept des österreichischen Firmenchefs könnte noch vor der Expansion nach Deutschland wieder scheitern.

Noch vor dem offiziellen Start in Deutschland könnte für den österreichischen Schlecker-Nachfolger Dayli wieder Schluss sein: Die angeschlagene Drogeriemarktkette sucht dringend einen Investor. Sollte in dieser Woche keine neue Finanzierung gefunden werden, müsste Dayli laut Firmenchef Rudolf Haberleitner (68) ein Sanierungsverfahren einleiten, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Auf dpa-Anfrage war Haberleitner am Montag nicht erreichbar.

Es gebe Gespräche mit potenziellen Investoren, etwa mit einem polnischen Produzenten. „Die Zeit wird aber extrem knapp“, sagte Haberleitner der APA. Ein Sanierungsverfahren ist in Österreich eine Form eines Insolvenzverfahrens. Den Gläubigern werden dabei mindestens 20 Prozent ihres ausstehenden Geldes zugesichert. Die betroffene Firma hat zwei Jahre lang Zeit, die Ansprüche zu erfüllen. Dem Unternehmen wird dazu ein Insolvenzvertreter zur Seite gestellt.

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Laut Aussagen von Haberleitner gebe es aber keine Bankschulden und die Lieferantenverbindlichkeiten seien noch durch Warenbestände gedeckt. Negative Berichterstattung der Medien und ein Streit um die Sonntagsöffnung in Österreich seien Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten. Außerdem hätten ihm österreichische Banken keine Kredite gewährt, so Haberleitner. Der Glücksspielkonzern Novomatic war als Miteigentümer nach Streitigkeiten im Mai wieder ausgestiegen.

Start in Deutschland verzögerte sich immer wieder

Die Juni-Gehälter samt Urlaubsgeld habe das Unternehmen noch bezahlen können, sagte Haberleitner der APA. Österreichs Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach am Montag aber von Schwierigkeiten: „Die Juni-Gehälter sind nicht fristgerecht überwiesen worden, das wissen wir von Mitarbeitern“, sagte er.

Haberleitner plante, mit seiner in Pucking ansässigen TAP Dayli GmbH in Österreich und Deutschland rund 1300 ehemalige Schlecker-Filialen mit neuem Konzept wiederzubeleben. Der Start der deutschen Läden verzögerte sich aber und wurde immer weiter nach hinten verschoben. Haberleitner schwebt eine Art moderner Tante-Emma-Laden mit Bistro und zahlreichen Dienstleistungen vor.

103 Filialen in Österreich mussten bereits schließen

Im Juni wurden 103 Filialen in Österreich geschlossen. Rund 330 Mitarbeiter verloren ihren Job. Der Aufsichtsrats-Chef von Dayli, Franz Guggenberger, sprach in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ (Montag) von einer extrem schwierigen Situation. „Wir versuchen, die beste Möglichkeit zu finden, damit eine Fortführung gewährleistet werden kann“, sagte er.

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