Unternehmen ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz ist tot

Berthold Beitz

Berthold Beitz© ThyssenKrupp AG

Über viele Jahre hat Berthold Beitz die Geschicke des Essener Stahlkonzerns bestimmt. Nun ist er kurz vor seinen 100. Geburtstag gestorben.

ThyssenKrupp-Patriarch Berthold Beitz ist tot. Dies teilte die ThyssenKrupp AG am Mittwoch in Essen mit. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung starb im Alter von 99 Jahren. Er hatte über Jahrzehnte die Geschicke des Essener Krupp-Konzerns und die Fusion mit Thyssen zum heutigen ThyssenKrupp-Konzern mitbestimmt. Er gilt als eine der wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in Deutschland. „Für alle, die ihn kannten, ist dies ein unersetzlicher Verlust“, sagte der Vize-Vorsitzende des Kuratoriums, Reimar Lüst. „Er war ein großes Vorbild für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Wohl ihm immer ein zentrales Anliegen war“, sagt Heinrich Hiesinger, Vorsitzender des Vorstands.

„Wie kein Zweiter folgte er einem unternehmerischen Ethos, das höchste Verantwortung für das Traditionsunternehmen Krupp mit der sozialen Verpflichtung für die Beschäftigten verband“, sagt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück über den Verstorbenen. Mit seinem Sinn für Mass und Mitte, Interessenausgleich und strategische Neuausrichtungen sei er ein herausragender Vertreter der sozialen Marktwirtschaft und des Rheinischen Kapitalismus gewesen.

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„Ich mache das weiter, solange ich es kann und noch klar im Kopf bin“
Berthold Beitz wurde 1953 Generalbevollmächtigter des letzten persönlichen Inhabers der Firma Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Danach stand er rund 60 Jahre lang in verschiedenen Funktionen an der Spitze des Konzerns, der zu Deutschlands größten Unternehmen zählt. Nach dem Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach stellte er die Weichen für die Gründung der Krupp-Stiftung, die heute Großaktionär des Essener Industriekonzerns ist. Nach Alfried Krupps Tod 1967 wurde er deren Vorsitzender. Maßgeblichen Einfluss hatte er auch auf die Fusion mit Thyssen 1999 zum heutigen ThyssenKrupp-Konzern, der aktuell mehr als 150 000 Menschen beschäftigt.

Der betagte Manager hatte sich noch bis kurz vor seinem Tod fast an jedem Arbeitstag in sein Büro gegenüber der Villa Hügel in Essen fahren lassen. Auch als Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung übte er erheblichen Einfluss aus. Die Stiftung ist mit 25,3 Prozent wichtigster ThyssenKrupp-Aktionär. „Ich mache das weiter, solange ich es kann und noch klar im Kopf bin“, hatte er in einem einem seiner seltenen Interviews in der „Süddeutschen Zeitung“ Mitte März betont. Entscheidungen von Tragweite waren bis zuletzt ohne das Plazet des mächtigen Beitz nicht denkbar.

Die Stiftung werde nach seinem Ausscheiden eine neue Struktur haben, sagte Beitz der „SZ“ seinerzeit weiter. Künftige Vorsitzende würden wie bei anderen Stiftungen auch vom Kuratorium gewählt. ThyssenKrupp fuhr zuletzt vor allem wegen misslungener Auslandsgeschäfte Milliardenverluste ein und hatte mit Korruptions- und Kartellvorwürfen zu kämpfen.

Im März soll Beitz den langjährigen Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, zum Rücktritt gedrängt haben. Cromme galt lange als Nachfolger von Beitz an der Spitze der Krupp-Stiftung. In den vergangenen Jahrzehnten haben Beitz und Cromme die Geschicke der Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen maßgeblich geprägt: Von der feindlichen Übernahme des Konkurrenten Hoesch 1992 über die spektakuläre Schließung des Hütten- und Stahlwerkes Rheinhausen bis zur Fusion mit Thyssen im März 1999.

Der in Vorpommern geborene Berthold Beitz gilt als großer Förderer des Ruhrgebiets. Die Krupp-Stiftung unterstützte unter seiner Leitung Wissenschaft, Bildung und Sport mit insgesamt rund 625 Millionen Euro. Zur Kulturhauptstadt 2010 finanzierte die Stiftung beispielsweise der Stadt Essen einen kompletten Um- und Neubau des Museums Folkwang für 55 Millionen Euro.

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