Unternehmen Tönnies vs. Tönnies: Familienstreit wird zur Schlammschlacht

Clemens Tönnies

Clemens Tönnies© Getty Images

Offiziell will derzeit keiner der Beteiligten im Hause Tönnies etwas sagen. Zugleich heizen neue Informationen die Auseinandersetzung um die Macht beim Fleischkonzern weiter an. Der Familienstreit wird immer mehr zur Schlammschlacht.

In den Berichten über den erbitterten Machtkampf beim größten deutschen Fleischkonzern Tönnies haben Metaphern Hochkonjunktur: Titel wie „Schlacht der Schlachter“ („Spiegel Online“) müssen dafür herhalten, was sich in dem Familienstreit abspielt. An diesem Freitag geht die Verhandlung vor dem Landgericht Bielefeld weiter. Geladen sind als Zeugen einige der Hauptakteure, die auch in anderen Prozessen der Familienfehde eine Rolle spielen.

Im laufenden Verfahren geht es um das doppelte Stimmrecht. Das sichert Clemens Tönnies, im Nebenberuf Aufsichtsratschef bei Bundesligist Schalke 04, die Macht im Gesellschafterausschuss des Konzerns, obwohl der 57-Jährige genauso wie sein Neffe und Widersacher Robert (35) nur die Hälfte der Anteile hält. Dagegen hat Robert geklagt und das Gericht muss nun klären, wie das doppelte Stimmrecht zustande gekommen ist. Dabei spielt ein Notar eine Rolle, der am Freitag als Zeuge geladen ist.

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Als Zeugen sollten am Freitag unter anderem sein Bruder und Roberts Mutter aussagen. Sie ist die Witwe des Firmengründers Bernd Tönnies, der später seinen Bruder Clemens ins Geschäft holte und mit 40 Prozent beteiligte. Nur weil Robert und Clemens junior ihrem Onkel vor rund fünf Jahren je fünf Prozent der Anteile schenkten, gibt es überhaupt das Patt bei Tönnies.

Jeder streitet mit jedem

Eine Rolle bei dieser Übertragung soll der Steuerberater Josef Schnusenberg gespielt haben, der nach Bernds Tod 1994 bis zum Mai 2008 als Testamentsvollstrecker der Söhne fungierte. Auch er ist für Freitag als Zeuge geladen.

Inzwischen streitet fast jeder mit jedem. Robert fordert in einer weiteren Klage, die Anteilsschenkung wegen groben Undanks seines Onkels rückgängig zu machen. Der habe am Konzern vorbei seine eigenen Geschäfte gemacht.

Schnusenberg wiederum verlangt nach Auskunft des Landgerichts von Robert und seiner Mutter angeblich ausstehende Testamentsvollstrecker- Gebühren in einstelliger Millionenhöhe. Im Gegenzug hat Robert den Steuerberater auf Schadenersatz verklagt, nach Informationen der dpa in dreistelliger Millionenhöhe.

Schlammschlacht ist im vollen Gange

Die Schlammschlacht im Hause Tönnies ist in vollem Gange. Offiziell will sich keiner der Beteiligten äußern. Hinter vorgehaltener Hand werden jedoch unzweideutige Hinweise gegeben. Und es tauchte in den Medien ein Gutachten auf, wonach Robert Tönnies in seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule für die Wirtschaft (Hannover) die Prüfer getäuscht habe. Aber keiner derjenigen, denen das Ergebnis eventuell nutzen könnte, will das Gutachten in Auftrag gegeben haben.

Und das postwendend erstellte Gegengutachten sieht zwar Zitierfehler. Die eigentliche Prüfungsleistung sei aber von Robert Tönnies erbracht worden. Für eine Aberkennung des Diploms aus dem Jahr 2004 bestehe inhaltlich kein Grund und nach fünf Jahren könne es ohnehin nicht mehr aberkannt werden.

Hintergrund dieses Nebenkriegsschauplatzes ist eine Klausel im Testament von Bernd Tönnies. Nach Angaben aus dem Umfeld von Robert Tönnies müssen die Nachfolger eine handwerkliche und eine kaufmännische Ausbildung haben. Aber ob sich daraus Kapital schlagen lässt? Auf jeden Fall geht es bei alldem um sehr viel Geld und Macht. Der Konzern hat rund fünf Milliarden Euro Jahresumsatz.

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