Unternehmen Träume auf Rädern

Der Reisemobilunternehmer Erwin Hymer hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und seiner Oldtimersammlung ein extravagantes Museum errichtet - mit Unikaten und Eigenbauten.

Abgerundete Ecken und Lamellen – eingefleischte Fans erkennen sofort: Das Gebäude soll an ein Caravanfenster erinnern. Reisemobilpionier Erwin Hymer hat sich einen Traum erfüllt und auf einem Hügel im idyllischen Bad Waldsee ein Museum für seine Oldtimersammlung errichten lassen. Für 17 Mio. Euro. Die zweigeschossige Museumshalle ist 60 Meter lang und 19 Meter hoch. Der Neubau liegt direkt gegenüber des Hymer-Reisemobilwerks zwischen Ulm und dem Bodensee.

Drinnen können die Besucher für 9,50 Euro Eintritt noch mal losfahren, über die Alpen nach Italien an die Adria, nach Skandinavien und Nordamerika. Die Länder und Autos sind in Themenwelten aufgebaut. Im sogenannten Turbanzelt steht zum Beispiel der VW T2, mit dem Hunderte Hippies zu Bhagwan pilgerten.

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Insgesamt umfasst die Sammlung der Erwin Hymer Stiftung 250 Fahrzeuge zum Thema Reisen. 80 sind im Museum ausgestellt, das älteste Modell ist ein historischer Schäferkarren aus dem Jahr 1850. Vom ersten deutschen Wohnwagen existiert nur noch ein Nachbau. Er wurde 1931 von Arist Dethleffs, dem Gründer des gleichnamigen Unternehmens, auf den Markt gebracht. Der erste Caravan von Hymer, der Ur-Troll von 1957, steht im Original im Museum. Auch kuriose Eigenbauten aus der DDR hat Hymer gesammelt, etwa einen Trabbi mit Zeltkonstruktion auf dem Dach.

Objekte der Begierde
Der Weg durchs Museum führt vorbei an Meilensteinen der Caravangeschichte. Eine Auswahl
Car Cruiser (1932)
Teetrinken in Serie Nein, nicht die Holländer, die heute mit ihren Reisemobilen Europas Campingplätze bevölkern, haben Camping als Erste entdeckt. Es waren die Briten. Schon 1907 wurde der Caravan Club of Great Britain and Ireland gegründet. 1920 baute der ehemalige Pilot Clifford Fleming-Williams seinen ersten Wohnwagen. Er dachte dabei an alle Extras. Wasserkanister, Teekanne und Porzellanteller gehörten zur Serienausstattung. Das Modell im Erwin Hymer Museum stammt aus dem Jahr 1932, produziert wurden die Car Cruiser bis 1952.
Opel Kadett (1938) mit Schweikert Kleiner Strolch (1938)
Marke Eigenbau Der Kleine Strolch war eine Idee von Hans Seitz und seiner Frau Lina. Sie bauten einen Prototyp, der ab 1936 in Serie ging. 350 Kilogramm leicht, 3,50 Meter lang und 1,50 Meter hoch. Ihr Unternehmen tauften sie Schweikert, nach dem Mädchennamen von Lina Seitz. Ihr Enkel Günter Seitz führt heute die Geschäfte. Im Hymer-Museum wird der Miniwohnwagen von einem Opel Kadett gezogen: 1946 wurde die Fertigungsanlage dieses Modells als Reparationsleistung von Rüsselsheim nach Moskau gebracht. Dort baute die Sowjetunion bis 1959 den Moskwitsch.
Mercedes-Benz 220 B Cabrio (1952) mit Dethleffs Wohnauto (1931)
Der erste Deutsche Wer im Wohnauto von Dethleffs stehen wollte, musste das Hubdach öffnen. Zum Schlafen fanden im Inneren aber immerhin sechs Menschen Platz. 1931 hatte Arist Dethleffs als erster Deutscher einen Wohnwagen gebaut, in seinem Schuppen arbeitete er die Bestellungen ab. Die Nachfrage war so groß, dass er die Herstellung von Peitschen aufgab, mit der seine Vorfahren 1832 ihr Familienunternehmen gegründet hatten. Die Leihgabe der Firma Dethleffs wird von einem Mercedes 220 B Cabrio befördert. 1952 gebaut, kam in dem Wagen erstmals ein Sechs-Zylinder-Motor zum Einsatz.
Edsel Ranger (1958) mit Airstream 31′ Sovereign of the Road (1969)
Amerikanischer Traum Mit ihrer Karosserie aus glänzendem Aluminium und der ungewöhnlichen Zigarrenform sind die Airstream-Wohnwagen unverwechselbar. Das Modell im Museum stammt aus dem Jahr 1969 und wird vom Edsel Ranger gezogen, benannt nach dem einzigen Sohn der Unternehmerlegende Henry Ford. Die Rezession, Qualitätsprobleme und das ungewöhnliche Design sorgten für enttäuschende Verkaufszahlen. Der Edsel wurde zu einem der größten Flops in der Firmengeschichte Fords.
Fiat 500 (1972) mit Laika 500 (1964)
Minigespann Der 300 Kilogramm leichte kleine Wohnanhänger Laika 500 wurde in Italien für den Fiat 500 gebaut (Hubraum 500 Kubikzentimeter). Der Wohnwagen mit drei Schlafplätzen bestand aus zwei Schalen, die während der Fahrt mit einer Kurbel zusammengeschoben werden konnten, um den Luftwiderstand zu verkleinern. Gründer Giovambattista Moscardini war fasziniert vom Weltraum und benannte seinen Wohnwagen deshalb nach dem ersten Hund, der ins All geschickt wurde. Heute gehört die Marke aus Chianti zum Hymer-Konzern.
Mikafa Reisemobil de Luxe (1960)
Fährt noch Die Mindener Karosserie Fabrik (Mikafa) verkaufte ab den 50er-Jahren exklusive Reisemobile mit dem V8-Motor des BMW 502. Preis: ab 42.000 D-Mark. Das konnte sich kaum jemand leisten, so wurden lediglich zwölf Exemplare des Reisemobils de Luxe gebaut. Sieben gibt es heute noch. Die Leihgabe im Hymer-Museum ist wohl das einzige Exemplar weltweit, das noch fährt. Der Besitzer nutzt es ab und zu noch für den Urlaub.
Unternehmer und ihre Museen
Viele Firmen präsentieren Produkte und ihre Geschichte in Museen. Besonders populär sind Autos. Einige Highlights:
Dr. Oetker Welt Vier Etagen über Pudding, Pizza und alle anderen Unternehmensbereiche des Bielefelder Familienunternehmens. Bielefeld, www.oetker.de
BMW Museum In die Ausstellung in München kamen im vergangenen Jahr 480.000 Besucher. www.bmw-welt.com
Märklin Erlebniswelt Alte Modelleisenbahnen in Aktion. Besucher dürfen lenken. Zusätzlich gibt es einen Reparaturservice. Göppingen, www.maerklin.de
Porsche Museum Nach dreijähriger Bauzeit wurde 2009 der spektakuläre Neubau am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen eröffnet. www.porsche.com
Kärcher Museum Eine Reise durch die Geschichte der Reinigungstechnik in der alten Fabrik. Winnenden, www.kaercher.de
Museum Ravensburger Interaktive Spielewelt, Puzzleraum und Leseecke zum Schmökern. Rallye für Kinder. Ravensburg, www.museum-ravensburger.de
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 06/2012
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