Unternehmen Türkei will Wachstums-Champion bleiben

Der Große Basar in Istanbul ist einer der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt, mit mehr als 58 Straßen und Tausenden von Geschäften.

Der Große Basar in Istanbul ist einer der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt, mit mehr als 58 Straßen und Tausenden von Geschäften.© GI/130898930/The Image Bank

Erst die Finanzkrise, dann Proteste von Regierungskritikern: Die Türkei hat wirtschaftlich einen Dämpfer bekommen, nimmt aber Kurs auf weiteres Wachstum.

Die türkische Wirtschaft schaut trotz der politischen Turbulenzen der vergangenen Monate optimistisch in die Zukunft. In den ersten neun Monaten des Jahres ist die Wirtschaft nach amtlichen Angaben um etwa vier Prozent gewachsen und bewegt sich damit in dem von der Regierung angepeilten Korridor. Noch für fünf bis zehn Jahre werde man schneller wachsen als die EU-Staaten, prognostiziert die Regierung in Ankara.

Ein leichtes Jahr war es nicht. Der Krieg im Nachbarland Syrien hat Instabilität in den Süden der Türkei gebracht und versperrt weiter einen wichtigen Handelsweg. Das politische Verhältnis zu Ägypten hat sich stark abgekühlt. Die heftigen Demonstrationen gegen die islamisch-konservative türkische Regierung im Sommer haben Anleger weltweit verunsichert. Börsenkurse und die Türkische Lira gingen in die Knie.

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Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, deren Erfolg eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft ist, verspricht den Wählern wachsenden Wohlstand. In den nächsten drei Jahren will sie 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und die Arbeitslosigkeit auf 8,9 Prozent verringern. Fünf Prozent Wachstum sollen es 2014 und 2015 sein, kündigt Finanzminister Mehmet Simsek an. Im vergangenen Jahr hatte es wegen der internationalen Finanzkrise mit einem Wachstum von etwa 2,2 Prozent einen heftigen Dämpfer gegeben (2011: 8,5 Prozent, 2010: 9,2 Prozent).

Wirtschaftsboom zieht weiter deutsche Unternehmen an

Bis zum Jahr 2023 – dem 100. Jahrestag der Republiksgründung – will die Türkei zum fünftgrößten Maschinen-Exporteur aufsteigen. Wie die Exportvereinigung für Maschinenbau und Zubehör MAIB erklärt, peilt das Land dann Maschinenexporte im Wert von 100 Milliarden Dollar an. Zur Zeit liegt die Türkei weltweit auf Rang 27. Allerdings hat sich die Produktion der Maschinenbauer in den vergangenen zehn Jahren von 2 auf nun 14 Milliarden gesteigert.

Der wirtschaftliche Erfolg zieht weiter deutsche Unternehmen an. Im Dezember etwa hat der Badarmaturen-Hersteller Hansgrohe in Istanbul eine Vertriebsgesellschaft gegründet. „In den letzten Jahren hat sich der Markt durch einen Boom im Wohnungsbau sehr gut entwickelt“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Siegfried Gänßlen. Die neue Gesellschaft soll auch Ausgangsbasis für Märkte im eurasischen Raum sein. „Die Türkei bildet durch ihre geografische Lage zwischen Ost und West eine ideale Exportbasis“, betont die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer.

Türkei als Drehkreuz für die ganze Region

Erdogans Regierung arbeitet daran, die Türkei weiter als Drehkreuz für die ganze Region in Position zu bringen. Allerdings kämpft das Land weiter mit einer negativen Handelsbilanz, die sich vor allem aus den erheblichen Energieimporten und einer rasanten Inlandsnachfrage ergibt. Internationale Experten warnen schon länger vor möglichen Schwierigkeiten.

Der türkischen Regierung macht vor allem die Überschuldung durch Kreditkarten Sorgen. Die Kreditkartenschulden sind von 14 Milliarden Türkischen Lira im Jahr 2004 auf nun 82 Milliarden (rund 30 Mrd Euro) gestiegen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich warnte seine Bürger vor dem Zahlungsmittel und einer drohenden Schuldenspirale.

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